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Mobile Culture Studies The Journal
>mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Volume 2/2020
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204 Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel) Erika Unterpertinger | Kartografierte Sagen geografische Verortung im Fassatal, sondern bewegt sich an dessen Rand entlang der Gren- zen der Dolomitenregion und darüber hinaus zu heiligen Stätten wie dem Latemar oder dem Monte Amariana. Dolasilla und der König der Fanes überschreiten den Pass ins Fassatal nur einmal in der Erzählung „Der Silber-See“ (Nr. 7): Während der König — dem von allen magischen Kreatu- ren, denen etwa Ey-de-Net in „Auf dem dunklen Migoyn“ (Nr. 11) begegnet, ein übles Schick- sal vorausgesagt wird — einen Schatz finden will und einer Gruppe Zwergen ihren letzten Besitz abnimmt, agiert Dolasilla als Gegenpol, indem sie den Zwergen eine heilige/magische Schatulle wiederbringt. Sie wird dafür mit ihren Zauberwaffen belohnt, durch die sie erst zur Kriegerin wird. Dolasilla ging mit den Zwergen und tat, was diese wünschten. Da sagten die Zwerge: „Jetzt wird der Schatz, der in dem See liegt, zu blühen anfangen, wir aber sind erlöst und dürfen wieder in den Berg zurück, wo unsere Heimat ist. Zur Erinnerung schenken wir dir das Büchslein und das Fleck- chen Fell; laß dir daraus ein Panzerkleid machen, denn du wirst eine Kriegerin werden, so mutig und so siegberühmt, wie keine noch gewesen ist.“ (Wolff 1957: 491) Dolasillas Reise ist zunächst durch die habgierigen Interessen ihres Vaters motiviert, sie wird jedoch aktiv, um das angerichtete Übel auszugleichen und erhält dafür von den Zwergen das Rüstzeug zur Heldin. Im Gegensatz dazu begibt sich Ey-de-Net zweimal aktiv auf Reisen — zunächst um sich einen Namen zu machen, dann, um Rat einzuholen, wie er sich Dolasillas Gefolge anschließen kann. Dieser Unterschied mag mit dem Geschlecht der Figuren zusam- menhängen oder mit ihrem sozialen Status. Während Ey-de-Net bereits vor seinem Entschluss, sich dem Gefolge Dolasillas anzuschlie- ßen, durch das Gebiet des Gadertals reist, wird Lidsanel als Kleinkind aus dem ehemaligen Herrschaftsgebiet der Fanes gebracht, in das er nicht zurückkehrt. Die Erzählung „Von der blauen Fanis-Flamme“ (Nr. 28) markiert den Untergang der Fanes, zugleich den Beginn der Erzählungen rund um Lidsanel. Nach der letzten verlorenen Schlacht sind 21 Fanes — „sieben Frauen und vierzehn Kinder, darunter sieben Knaben und sieben Mädchen“ (Wolff 1957: 538) — übrig, die von der Königin in die Höhlen der Murmeltiere geführt werden. Zuvor über- geben sie dem König der Adler den Enkel der Königin, der noch ein Kleinkind ist.8 Er wird vom Adlerkönig ins Fassatal gebracht: „Deinen Enkel nehme ich und bringe ihn nach Contrìn, damit er dort bei dem ruhmreichen Könige Sábya da Fög in würdiger Weise aufwachse und das Kriegshandwerk erlernen könne“ (Wolff 1957: 539). Abb. 5 zeigt die linear berechneten Pfade Lidsanels (in Magenta) in einer Überlappung mit jenen Ey-de-Nets (in Blau). Lidsanel bewegt sich stark innerhalb des hinteren Fassatals, allerdings nicht darüber hinaus: Dies kennzeichnet seine starke Verortung innerhalb des fassanischen Gebietes, was auch auf eine starke Verortung dieses Teils des Sagenkerns im Fassatal schließen lässt. Alle übriggebliebenen Fanes werden in der Erzählung „Von der blauen Fanis-Flamme“ (Nr. 28) aus ihrem Herrschaftsgebiet entfernt, entweder durch den Gang in die Höhlen der Mur- meltiere, die Kindl als Jenseitsbild liest, oder ins ferne Fassatal. Lidsanel scheitert an seinem 8 Kindl (1997: 205) liest das Paar Ey-de-Net und Dolasilla als Geschwisterpaar, welches aufgrund seiner wohl engen Verwandtschaft kein glückliches Ende finden kann. Sie vermutet in diesem Zusammenhang, dass es sich bei Lidsanel um das Ergebnis eines inzestuösen Verhältnisses zwischen den beiden handeln könnte.
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>mcs_lab> Mobile Culture Studies, Volume 2/2020
The Journal
Title
>mcs_lab>
Subtitle
Mobile Culture Studies
Volume
2/2020
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2020
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
270
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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