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206 Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel)
Erika Unterpertinger | Kartografierte Sagen
SchlieĂlich stirbt er in einer kriegerischen
Auseinandersetzung zwischen den Fassan-
ern und einer verfeindeten Gruppe auf dem
Fedaia-Pass, der den Ăbergang zwischen
Fassatal, Gadertal und Fodom markiert.
WĂ€hrend die Analyse der Bewegungen
Ey-de-Nets durch den ladinischen Dolo-
mitenraum das Fassatal, das Gadertal und
das Ampezzo zeigt, dass er als eine Art
Bindeglied fungiert, trifft dies nicht auf
Lidsanel zu. Sein VersÀumnis, die Fanes
aus dem Berg zu holen, spiegelt sich auch
im geografischen Raum, in dem die âErzĂ€hlungenâ angesiedelt sind. Einzig seine Herkunft als
Enkel der Fanes-Königin stellt eine Verbindung zum Raum der Fanes her, wobei er den Weg
vom Gadertal ins Fassatal in der ErzĂ€hlung âVon der blauen Fanis-Flammeâ ĂŒber den Luftweg
unternimmt â er wird buchstĂ€blich vom König der Adler âeingeflogenâ.
Im Anschluss an diese Ergebnisse zu den Bewegungen Ey-de-Nets und Lidsanels steht die
Frage, welche ReiseanlÀsse innerhalb der lijendes die verschiedenen Talschaften miteinander
verbinden. Tab. 3 zeigt, dass vorrangig drei ReiseanlĂ€sse im Vordergrund stehen: BĂŒndnisse
und BĂŒndnispolitik, was sowohl romantische Verbindungen als auch pragmatische BĂŒnd-
nisse in Bezug auf das gemeinsame Schlagen von Schlachten einschlieĂt; KriegsfĂŒhrung, also
geschlagene Schlachten, und die Suche nach SchÀtzen unterschiedlicher Art.
In fast allen ErzÀhlungen, in denen eine Reise unternommen wird, um ein strategisches
BĂŒndnis zu schlieĂen, sind Mitglieder der Königsfamilie der Fanes involviert. Dies ist etwa bei
der ErzĂ€hlung âDas geheime BĂŒndnisâ (Nr. 2) der Fall, in dem der König der Fanes das BĂŒnd-
nis mit den Adlern eingeht, oder in âDie Zwillingstöchterâ (Nr. 3), in der ein Zwillingstausch
besagtes BĂŒndnis besiegeln soll.
Einzig in der ersten ErzĂ€hlung des Sagenzyklus, âDer rote Bergâ (Nr. 1) und in den ErzĂ€h-
lungen âAuf dem dunklen Migoynâ (Nr. 11) und âDolasilla und Ey-de-Netâ (Nr. 12) stehen
romantische GefĂŒhle im Zentrum. Die erste lijenda erzĂ€hlt vom Ursprung des Geschlechtes
der Fanes: einem namenlosen Prinz aus der Region der Sextner Dolomiten, der an der Hohen
Gaisl Moltina trifft, ein einfaches MĂ€dchen, das bei den Murmeltieren aufgewachsen ist. Aus
ihrer Verbindung entsteht die Linie der Fanes â der Prinz lĂ€sst sein Königreich zurĂŒck, um
mit Moltina auf dem Fanes-Sennes-Hochplateau ein einfaches Leben zu fĂŒhren. In der zweiten
lijenda steht Ey-de-Nets Reise von der Anguana zum Wögl dale Welme und zur Hexe Tiskuta
im Zentrum, von denen er sich Rat holt, wie er sich Dolasillas Gefolge anschlieĂen könne. Dies
setzt sich in der darauffolgenden ErzĂ€hlung âDolasilla und Ey-de-Netâ (Nr. 12) gewissermaĂen
fort, wobei das harmonische VerhÀltnis der beiden Figuren auf dem Schlachtfeld im Vorder-
grund steht. Die Visualisierung des Umfeldes der lijendes, wie in Abb. 6 dargestellt, zeigt den
Radius, in welchem Reisen mit dem Anlass âBĂŒndnisseâ stattfinden.
BĂŒndnisse, sowohl strategischer als auch romantischer Natur, werden ĂŒber Talschaftsgren-
zen hinweg gebildet. Diese BĂŒndnisse haben also die narrative Funktion eines Bindegliedes
zwischen den ursprĂŒnglichen fassanischen und gadertalerisch-ampezzanischen Sagenkernen,
Tab. 3: ReiseanlÀsse
Funktion Zahl
BĂŒndnisse (Liebe, VerbĂŒndete) 33
KriegsfĂŒhrung 30
Schatzsuche 19
Vertreibung 5
Namensgebung 4
Abschluss 2
Nahrungsbeschaffung (Jagd, Handel) 2
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Mobile Culture Studies, Volume 2/2020
The Journal
- Title
- >mcs_lab>
- Subtitle
- Mobile Culture Studies
- Volume
- 2/2020
- Editor
- Karl Franzens University Graz
- Location
- Graz
- Date
- 2020
- Language
- German, English
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 270
- Categories
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal