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Mobile Culture Studies The Journal
>mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Volume 2/2020
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268 Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel) Birgit Englert | Rezension: Über die Grenzen Die Fotos sind freilich nicht das einzige visuelle Element, das die Texte von Reise und Flucht ergänzt. Auf einer Landkarte am Ende des Buches sind die jeweiligen Routen in unter- schiedlichen Farben eingezeichnet. Auch sind die Buchkapitel, die sich ja mit einzelnen Etappen decken, in der Karte markiert und somit geographisch verortet, was eine gute Orientierung bietet. Es ist aus Sicht der Rezensentin eine durchaus gewagte Entscheidung des Autors wie des Verlags, Erzählungen von Reise und Flucht in einem Buch zusammenzuführen. Doch gerade durch die verschränkte Präsentation der Erzählungen gelingt es, ein Bewusstsein dafür zu wecken oder weiter zu entwickeln, wie unterschiedlich Erfahrungen von Mobilität ausfallen, je nachdem über welchen Reisepass, welche Nationalität, welche finanziellen Mittel oder wel- ches Geschlecht jemand verfügt. Es wird deutlich, dass Reise und Flucht sich nicht in jedem Fall über ein unterschiedliches Ausmaß an körperlichen Strapazen definieren lassen. Sehr wohl unterscheiden sie sich aber in Hinblick auf die Möglichkeit, Hilfe und Unterstützung zu bekommen — von der Bevölkerung oder von anderen Reisenden. So musste etwa Filip in Mazedonien die Erfahrung machen, dass minderjährige Afghanen die Gruppe von Syrern attackierten, mit denen gemeinsam er — zuerst zu Fuß, dann mit (überteuert) gekauften Fahr- rädern — das Land durchquerte. Die Syrer setzten sich vehement zur Wehr und konnten ihre Fahrräder verteidigen, deren Diebstahl das Ziel des Angriffes gewesen war. Auch Horn und seine Reisegefährten hatten immer wieder Angst, dass ihnen die Fahrräder gestohlen werden, auch sie ärgerten sich, wenn sie abgezockt wurden, wie sie es in einem Fahrradgeschäft in der Türkei erlebt hatten — nie jedoch hat die Situation potentiell Auswirkungen auf ihr Überleben und ihre Zukunft. Für die Radreisenden ist die Härte, die sie sich selbst zumuten, und das Ausmaß, in dem sie ihre Kräfte beanspruchen, während sie Schlechtwetter, Krankheit und anderen Widrigkeiten trotzen, immer auch ein Austesten ihrer Männlichkeit. Begegnungen mit Frauen sind während der Reise rar und werden dementsprechend eher „exotisierend“ behandelt. Da sind etwa auf der einen Seite die „faden“, ja sogar „elenden Kanadierinnen“ (S. 52) in Budapest und auf der ande- ren die „Tochter Dschingis Khans“ mit den schönen Augen in Belgrad (S. 127). Lediglich Joana, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Joko die Gruppe ein Stück der Reise begleitet, wird differenzierter dargestellt. Joana und Joko sind Deutsche und der Umgang mit den unterschiedlichen nationalen Identitäten innerhalb der Reisegruppe ist ein Thema, das sich durch das ganze Buch hindurch zieht. Immer wieder wird thematisiert, wie sich diese in der Gruppe selbst bemerkbar machen, aber auch, welche Zuschreibungen von außen vorgenommen werden. Doch auch umgekehrt nimmt das in der Reiseliteratur generell sehr präsente Motiv der Begegnungen mit Anderen viel Raum ein: Begegnungen, zum einen mit anderen Reisenden, insbesondere Radreisenden, die auf ähnlich langen oder noch längeren Routen unterwegs waren, zum anderen mit den Men- schen, deren Länder sie durchqueren. Liebevoll gezeichnete Portraits von einzelnen Individuen sind in Horns Bericht ebenso zu finden wie verallgemeinernde Aussagen zum Beispiel über Bulgaren, deren zweites „großes Hobby“ Horn mit „immer böse schauen“ beschreibt (S. 173). Mit den verschränkten Erzählungen von Reise und Flucht, die im Buch mehrfach visuell markiert sind, schafft es Horn (und sein Verlag), das Bewusstsein der Lesenden dafür zu schär- fen, mit welchen Privilegien bestimmte Formen von Mobilität einhergehen. Auch die Möglich- keit, die eigene Reise in Bildmaterial festhalten zu können, ist eines dieser Privilegien, und viel
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>mcs_lab> Mobile Culture Studies, Volume 2/2020
The Journal
Title
>mcs_lab>
Subtitle
Mobile Culture Studies
Volume
2/2020
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2020
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
270
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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