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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 3/2017
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Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke StrĂŒver | Zum Auf-SpĂŒren und Er-Leben von AtmosphĂ€ren durch Obdachlose 101 zu werden versuchen mĂŒssen. Wir mĂŒssen in der Lebenswelt des Alltags handeln, wenn wir uns am Leben erhalten wollen“ (SchĂŒtz und Luckmann 1984: 11). In der Erweiterung durch Schmitz‘ NeophĂ€nomenologie der leiblichen Wahrnehmung (1998; 2003; 2012) stehen vor allem leibliches Empfinden und Wahrnehmen, z.B. von RĂ€umen sowie von „GefĂŒhlen als rĂ€umlich ergossene AtmosphĂ€ren“ (2012: 39) im Mittelpunkt. Mit unserer ethnographisch angelegten Untersuchung zielen wir auf die Rekonstruktion der Wirklichkeit(en) auf der Reeperbahn aus Sicht der Obdachlosen ab, und damit der Voll- zugswirklichkeiten im Sinne eines praktischen Tuns. Dementsprechend bedarf es hier einer kurzen Auseinandersetzung mit den oben bereits angedeuteten aktuellen Weiterentwicklun- gen, um das emotionale und affektive Erleben von Raumausschnitten zu rahmen und als AtmosphĂ€ren zu adressieren. In der Konzentration auf sinnliches Raumerleben nehmen wir hier zunĂ€chst eine konzeptionelle Einengung von „Raumwahrnehmung“ dahingehend vor, als dass wir uns im vorliegenden Kontext nicht auf die Wahrnehmungen von RĂ€umen anhand von ReprĂ€sentationen und/oder Imaginationen beziehen (siehe bspw. Gregory 1998). Vielmehr geht es hier um tatsĂ€chliches Raum-er-leben, um die Wahrnehmungen der (emotionalen) QualitĂ€t von RĂ€umen (Bondi u.a. 2005) und damit auch um die körperliche und leibliche Dimension. Im deutschsprachigen geographischen Kontext hat dies v.a. JĂŒrgen Hasse (1999; 2010) durch seine Studien zum subjektiven Raumerleben bzw. zur leiblichen Wahrnehmung stĂ€d- tischer AtmosphĂ€ren vorangetrieben – und dabei auch die VernachlĂ€ssigung von GefĂŒhlen in der Humangeographie kritisiert. Gerade in anglophonen Debatten hat gleichwohl genau diese Dimension im Kontext der Kontroversen um emotionale, affektive und nicht-reprĂ€sentatio- nale Geographien bzw. um emotionale und affektive Praktiken jenseits textueller und visu- eller ReprĂ€sentationen enorm an Bedeutung gewonnen (siehe bspw. Thien 2005; Tolia-Kelly 2006; zusammenfassend Schurr und StrĂŒver 2016; Hasse 2017). Forschungspraktisch halten wir jedoch zunĂ€chst an der (umstrittenen) Unterscheidung in Affekte als prĂ€-kognitive, ĂŒberindi- viduelle und außersoziale KrĂ€fte und Emotionen als sinnliche und leibliche Wahrnehmungen fest und binden letztere an neophĂ€nomenologische und praxistheoretische Überlegungen zum Leib als Ort des subjektiven Erlebens und Empfindens und als subjektive Tatsache zurĂŒck. Denn in sozial- bzw. kulturtheoretischer Erweiterung der phĂ€nomenologischen Tradition stellt sich die Frage, inwiefern gesellschaftliche Machtstrukturen jenseits des leiblichen Erlebens als Teil der Subjektkonstitution gedacht werden können bzw. mĂŒssen: Der Leib ist Ort des sub- jektiven Erlebens, des FĂŒhlens – doch wird das subjektive Erleben leiblicher GefĂŒhle sowie sich daraus ergebender Praktiken auch durch soziokulturelle Prozesse konstituiert (vgl. Villa 2013; StrĂŒver 2014; Gammerl und Herrn 2015). Zugleich darf durch die BerĂŒcksichtigung des gesell- schaftlich produzierten Körpers die Aufmerksamkeit fĂŒr den spĂŒrend-spĂŒrbaren Leib als Ort des subjektiven Erlebens nicht vergessen werden. So wird in der LeibphĂ€nomenologie Linde- manns (2011) der Leib als durch die Mit- und Umwelt geformter analysiert: Der Leib stellt dann den Umweltbezug des Selbst dar, so dass erstens der sicht- und tastbare Körper und der spĂŒrbare Leib in Wechselbeziehung stehen. Zweitens beeinflusst das Wissen ĂŒber den eigenen Körper (z.B. als obdachloser Körper) das leibliche Erleben und SpĂŒren der Mitwelt – ohne auf sozio- kulturelle Konstruktionsprozesse dieses Erlebens reduziert zu sein (fĂŒr eine ausfĂŒhrliche Kritik an der einseitigen Betrachtung gesellschaftliche Konstruktionsprozesse von RĂ€umen sowie von Raumerleben, siehe Hasse 2017).
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 3/2017
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
3/2017
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2017
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
198
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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