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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 3/2017
Page - 103 -
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Page - 103 - in Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 3/2017

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Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke StrĂŒver | Zum Auf-SpĂŒren und Er-Leben von AtmosphĂ€ren durch Obdachlose 103 Eine gute Voraussetzung fĂŒr die Wahrnehmung wechselnder sinnlicher EindrĂŒcke im Raum ist Bewegung. Das Bild der Umwelt, dass das Auge erreicht, ist zweidimensional. Erst durch Fort- bewegung im Raum wird die dritte Dimension des Raums erfahrbar, es wird „die Umwelt, die man kennt, erst durch Bewegungen im Raum konstituiert“ (Flade 2013: 32 in Bezug auf Kruse 1990). Die Umwelt als etwas das Subjekt Umgebendes ist nur dann erkundbar, wenn Stand- ort und Perspektive hĂ€ufig gewechselt werden. Nur durch die Bewegung auf der Reeperbahn selbst kann der Wechsel vom zweidimensionalen Abbild (z.B. der Ansicht einer Postkarte von der Reeperbahn) zu einer dreidimensionalen, multisensorisch erfahrenen rĂ€umlichen Umwelt erfahren werden. Körperliche Bewegung erleichtert und bereichert die sinnliche Wahrnehmung von vielfĂ€ltigen Informationen. Forschungspraktisch bedeutet dies, dass fĂŒr die diesem Artikel zugrundeliegende Forschung eine bewegte Erhebung stattfand, die einen direkt greifbaren rĂ€umlichen Bezug innehat und AtmosphĂ€ren in situ thematisieren kann. Durch das Bewegen im Raum werden die multisen- sorischen EinflĂŒsse intensiver, bewusster und können einen wichtigen Bestandteil des Bespro- chenen ausmachen (Carpiano 2009; Evans und Jones 2011). Bei der gewĂ€hlten Unterform der bewegten Interviews, dem narrativ-explorativen Go along, begleitet der/die Interviewer*in die alltĂ€glichen Wege der Teilnehmenden. Neben intrinsischen Narrationsmotiven und -impul- sen sind auch gezielte Fragen möglich, z.B. um „rĂ€umliche Praktiken, soziale Architektur und soziale Reiche“ gezielter einzubeziehen (ebd., 850; Übersetzung NS/AS). Die durch die Inter- viewten gewĂ€hlte Route bildet bestenfalls ihre alltĂ€gliche rĂ€umliche Umwelt und soziale wie rĂ€umliche Handlungskontexte ab. Da sie zum (rĂ€umlich wie inhaltlich) fĂŒhrenden Teil des Interviews werden, kann dem einer Interviewsituation in der Regel inhĂ€renten MachtgefĂ€lle leichter entgegengewirkt und eine natĂŒrliche Kommunikationssituation begĂŒnstigt werden: Der/die Interviewte hat die tiefergehende Kenntnis des Ortes, kann auswĂ€hlen, was gezeigt wird und gewĂ€hrt dem/der Forscher*in einen Blick in den Alltag und das gesammelte rĂ€umli- che und soziale Wissen. Somit verĂ€ndert sich die Rolle des/der Forscher*in vom ĂŒbergeordneten Außenstehenden hin zu einem/einer „MitlĂ€ufer*in“. Um die konkreten Ortsangaben des Affiziert-Werdens der beteiligten Obdachlosen in Zusammenhang zueinander setzen zu können, wurde ein so genanntes Sketch-mapping als Teil der Interviews durchgefĂŒhrt. Dieses Verfahren entzieht sich zwar der Leiblichkeit als Kern- aspekt des Erlebens von AtmosphĂ€ren, soll aber in dieser Untersuchung der zusĂ€tzlichen Lokali - sierung von potentiellen AtmosphĂ€ren dienen. Sketch-mapping ist ein Verfahren, bei dem die Teilnehmenden ihre persönliche kognitive Karte eines festgelegten Ortes frei Hand skizzieren und anschließend die fĂŒr das Forschungsinteresse relevanten Bereiche und/oder emo tionalen Bewertungen in der Karte verorten können (Scheiner 2000). Der Begriff der kognitiven Karte bezeichnet das polydimensionale und -sensorische mentale Abbild der Wege und Routen der das Subjekt umgebenden Umwelt (vgl. Scheiner 2000: 56 in Bezug auf Downs und Stea 1977). Sie entsteht durch Bewegung im Raum und ist das Resultat von Aufnahme, Kodierung, Speicherung und Interpretation der Umwelt (Flade 2013: 47), weshalb sie einen notwendigen Bestandteil des menschlichen Alltags bildet. Kognitive Karten beinhalten nie alle Elemente der Umwelt, sondern nur die, die bewusst oder unbewusst als relevant eingestuft wurden, oder die mit besonderen Emotionen, Ereignissen oder SinneseindrĂŒcken verknĂŒpft sind. Somit sind diese mentalen Karten unvollstĂ€ndig, verzerrt und vereinfacht und außerdem höchst dyna- misch, auch da sie stĂ€ndig durch neue Erfahrungen ergĂ€nzt und verĂ€ndert werden (Ziervogel
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 3/2017
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
3/2017
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2017
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
198
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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