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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 4/2018
Page - 140 -
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Page - 140 - in Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 4/2018

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140 Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Stefanie Bürkle | Identität durch Architektur Visuelle Feldforschung Die visuelle Feldforschung bildete eine wichtige methodische Grundlage. Sie ermöglichte zum einen den Zugang zu den Interviewpartnern und wurde zum anderen selbst als Methode ange- wandt. Die erkennbaren Abweichungen vom ortsüblichen Baustil waren ein wichtiges Indiz für die Häuser deutsch-türkischer Rückkehrer und ein Ansatz, mit den Bauherren als möglichen Gesprächspartnern in Kontakt zu kommen. Dies gelang in einigen Fällen direkt oder über Nachbarn. Im Schneeballverfahren (Akremi 2014, 272) wurden dann häufig weitere poten- zielle Interviewpartner benannt, die ebenfalls aus Deutschland kommen und ein Haus im Ort gebaut hatten. Mit der Methode der visuellen Feldrecherche wurden räumliche Daten und mittels Foto- und Videografie statische und bewegte Bilder gesammelt, die im weiteren Forschungsverlauf zu analysieren waren. Diese visuelle Feldforschung bediente sich sowohl soziologischer Methoden wie künstlerischer Praktiken. Im interdisziplinären Team unter meiner Leitung als bildender Künstlerin fand die visuelle Feldrecherche eine spezifische Erweiterung, da hier die bildwis- senschaftlichen Raumbeschreibungen und raumsoziologischen Analysen im Zentrum eines künstlerischen Verständnisses von Raum als place und space zusammenfließen. Das Projekt folgt Löw (2009, 354) darin, dass Bilder als symbolische Verdichtungsleistungen Materialität überlagern und als visuelle Argumente Deutungsmuster für politische, historische und norma- tive Bedeutungen anbieten, die soziologisch an die Materialität der Raumkonstitution rückge- bunden werden müssen. Dabei wird durch die visuelle Feldforschung die Selbstverfasstheit der Personen im und durch den Raum beschrieben und analysiert. Im Thesenpapier zur Tagung »Forschung zwischen Kunst und Wissenschaft«, die 2012 im Berliner Haus der Kulturen der Welt stattfand, wird künstlerische Forschung als eine »andere« Strategie der Wissensgenerierung beschrieben, die ein weites Spektrum an Forschungsmeth- oden nutzt, aber Bezüge und Interaktionen zwischen unterschiedlichen Wissensgebieten und Akteuren herstellt und Gestaltungsprozesse operiert (Peters 2013, 8). Ähnlich argumentiert Bip- pus, wenn sie künstlerische Forschung als eine Verknüpfung der Wissensproduktion mit der Kritik des Willens zur »Wahrheit« des Wissens beschreibt, weil die übliche scharfe Trennung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Material und Form allzu oft nicht aufrechterhalten werden könne (Bippus 2012, 16). In diesem Sinne sprechen wir von künstlerischer Forschung. Wir nutzen die Methoden der Feldforschung – wie leitfadengestützte Interviews, kognitive Kartierung oder Videografie –, ohne es jedoch auf einen performativen Charakter abzusehen, der häufig mit einer künstlerischen Forschung verbunden wird. Die Prozessorientierung wird als typische Form künstlerischer Forschung betrachtet, wobei nicht die visuelle Feldforschung gemeint ist, sondern der Dialog mit Akteuren in experimentellen Situationen, in Laboren oder Workshops. Künstlerische Forschung nach diesem Verständnis transferiert das künstlerische Schaffen vom Atelier in die soziale Praxis. Die Akteurinnen und Akteure werden zu mehr oder weniger souveränen Dialogpartnern beziehungsweise zu Ver- suchspersonen im Experiment. Als Form der Wissenserzeugung wird also in vielen Fällen im Wesentlichen der künstlerische Werkbegriff verstanden, der Kunst als soziale Praxis erweit- ert oder ein wissenschaftliches Ergebnis durch künstlerische Gestaltungsprozesse vermittelt. Das wäre aber keine neue gleichberechtigte, differente Domäne der Wissensproduktion, wie Brandstetter das behauptet (Brandstetter 2013, 65). Im Gegenteil, die Selbstverfasstheit des
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 4/2018
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
4/2018
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2018
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
182
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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