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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Volume 4/2018
Page - 161 -
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Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Janine Schemmer | Grenzraum in Bewegung 161 oder was sie war. Einer der ersten Künstler des Festivals, der auch aus dieser Gegend kommt, erstellte dann im ersten Jahr die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge. Und so gab es diesen Zeitplan, der schließlich auch in den Bars einiger umliegender Dörfer herumgereicht wurde. (…) Ein Faltplan mit falschen Sponsoren drauf.« Die Metapher der Stazione, erzählt Donatella weiter, ist vom Gedicht La stazione di Zimà inspiriert, verfasst vom russischen Dichter Jewgeni Alexandrowitsch Jewtuschenko. Darin umschreibt dieser die Ruhe und das Warten vor Ort auf Bewegung, auf das Zusammen- und Weiterkommen. Die Stimmung, die das Gedicht transportiert, brachte der zweite Kurator des Festivals, Moreno Miorelli, mit Topolò in Verbindung. Sie ließ ihn nicht mehr los, und so wurde der Name assoziativ geboren. Ohne eine Verbindung zur realen Geschichte und Bezü- gen sollte der Ort durch kreative Zugänge, künstlerische Fiktionen, Vorstellungen und Erzäh- lungen neu imaginiert werden. Der Bahnhof steht als Metapher für die Bewegungen, die jedes Jahr in den ersten zwei Wochen im Juli mit der Stazione wieder ins Dorf Einzug finden und sich auf unterschiedliche Weisen entfalten. Urbane Bezüge spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Für Thomas Hengartner ist der Bahnhof »urbanes Phänomen par excellence« (1994, 187). Zuschreibungen, die klassischerweise in Zusammenhang mit der Stadt stehen, werden hier auf die Peripherie übertragen. Durch die Herstellung von Referenzen an den Stadtraum positionieren die Kura- toren das Festival in einem imaginierten Zentrum, überwinden die periphere Lage und stellen Topolò in den Fokus des Geschehens. Mit dem Bezug auf städtische Orte und Institutionen übertragen sie diese anhand situationistischer Strategien aufs Land. Dabei werden Stadt und Land allerdings nicht als Gegensätze gedacht. Im Gegenteil: durch die Stazione werden diese Gegensätze überwunden und so eine Kontinuität und Relation zwischen diesen Räumen her- gestellt. Das Programm des Festivals war von Beginn an stark auf die Aneignung der Landschaft ausgerichtet. Inhaltliche Rückbezüge auf das Dorf und seine Geschichte bzw. seine bewegte Vergangenheit sind die Ausgangsbasis. Das Festival lädt die Künstler ein, mit den leeren Häu- sern, Ställen, Straßen, Plätzen, den umliegenden Feldern und mit den Menschen zu interagie- ren und eine Beziehung aufzubauen. Das alte Schulhaus ist beispielsweise einer der zentralen Spiel- und Ausstellungsorte während des Festivals. Mit Mobilitäten und Folgen von Migrati- onsbewegungen setzt sich das Festival aus unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Blättert man durch die Kataloge der letzten Jahrzehnte, sind immer wieder auftauchende Themen, die verhandelt werden, Identitäten, Aushandlungen von Heimat und Zugehörigkeit. Wichtig ist bei diesen Auseinandersetzungen die Perspektive, sagt Donatella, mit der man auf die Räume und die ihnen eingeschrieben Geschichten schaut: im Fokus steht nicht die Grenze, die einst schwer bewaffnet und undurchlässig war, sondern der Gedanke, sich in einem Zentrum zu befinden, in dem neue Perspektiven für die Zukunft (vor Ort) entwickelt werden. So eignen sich die Künstler die Räume und ihre Geschichten auf neue Weise an, und trans- formieren verfallene Häuser zu relevanten Orten mit neuen Bedeutungen. Daher gibt es wie auch in anderen wichtigen Zentren Botschaften der Länder Holland und Neuseeland. Aus dem kreativen Austausch hat sich so ein umfassendes internationales Netzwerk entwickelt, welches das Dorf mit neuen Funktionen und Praktiken füllt. Außerdem lösen sich dadurch Grenzzie- hungen kultureller Art in relationaler, ideeller, aber auch in praktischer Hinsicht auf. Etwa,
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Mobile Culture Studies The Journal, Volume 4/2018
Title
Mobile Culture Studies
Subtitle
The Journal
Volume
4/2018
Editor
Karl Franzens University Graz
Location
Graz
Date
2018
Language
German, English
License
CC BY 4.0
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
182
Categories
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
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