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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
HeinerBielefeldt (Erlangen-NĂĽrnberg)
Menschenrechteund„traditionelleWerte“:Einehoffnungslos
vergifteteDebatte?
1. MenschenrechtezwischenKontinuitätundDiskontinuität
Menschenrechte sindRechte gleicher Freiheit fĂĽr alleMenschen, begrĂĽndet in
derunantastbarenWĂĽrde jedeseinzelnenMenschen.Artikel 1derAllgemeinen
ErklärungderMenschenrechtederVereintenNationenvon1948 fasst ihr nor-
mativesProfil indemvielzitiertenSatzzusammen:„AlleMenschensindfreiund
gleich anWürde undRechten geboren.“Mit dieser universalistischen, eman-
zipatorischenundegalitärenAusrichtungerweisensichdieMenschenrechteals
eine spezifischmoderne Rechtsfigur. Ihr historischer Durchbruch geschah im
Kontext der demokratischen Revolutionen im ausgehenden 18. Jahrhundert,
zunächst inAmerikaundFrankreich. Ins internationaleRecht fanden sienach
demZweitenWeltkriegEingang.NachdembereitsdieUN-Chartavon1945die
Menschenrechteunterden fundamentalenZielender internationalenGemein-
schaftaufgeführthatte,entfaltetedieAllgemeineErklärungderMenschenrechte
dreiJahrespäterdenuniversalenAnspruchgleicherWürdeundgleicherFreiheit
inhaltlichinGestaltvondreißigArtikeln.AusderAllgemeinenErklärungsindin
der Folgezeitmehrere völkerrechtlich verbindlicheMenschenrechtskonventio-
nenentstanden.
Wie verhalten sich die unverkennbar modernen Menschenrechte zu den
unterschiedlichen Formen eines traditionellen, religiös eingebetteten Ethos?
Repräsentierensieeinenradikalen(„revolutionären“)Bruch,oderlassensiesich
eher als („evolutionäre“) Weiterentwicklung verstehen? Die Klärung dieser
Frage ist nicht nur von akademischem Interesse, sondern hat erheblicheAus-
wirkung auf die Akzeptanzchancen der Menschenrechtsidee. Wennman die
Menschenrechte invölligerDiskontinuität zu traditionellenEthosformensieht,
wäre ihre Anerkennung nur um den Preis einer Abkehr von der je eigenen
Traditionmöglich.Dies jedochwäre eineZumutung, die bei vielenMenschen
verständlicherweise auf Ablehnung stoßen dürfte – insbesondere bei denjeni-
gen, denen ihre jeweilige ethischeTraditionwichtig bleibt, weil sie sich davon
geprägtundgetragensehen.DieGegenposition,diedieMenschenrechteeher in
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik