Page - 322 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Image of the Page - 322 -
Text of the Page - 322 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Durchsetzung und Realisierung derMenschenrechte in und durch Religions-
undWeltanschauungsgemeinschaften.DennvoneinemMenschen,der ineiner
Religions-oderWeltanschauungsgemeinschaftzuHauseist,kannnichtverlangt
werden, dass sie bzw. er ihre bzw. diese verlassenmuss, weil ihre bzw. seine
Menschenrechte inoderdurchdieseReligions-oderWeltanschauungsgemein-
schaft verletzt werden oder worden sind, während dieseMenschenrechtsver-
letzungen für diese Religions- oderWeltanschauungsgemeinschaft ohneKon-
sequenzenbleiben.
Dieskannauchbeinhalten,neueRechtsinstrumente zu schaffen, die sicher-
stellen, dass religiöse Menschen, Gläubige, Mitglieder bzw. Angehörige von
Religions-undWeltanschauungsgemeinschaften auchdengleichenZugang zu
allenMenschenrechtenhaben–außerhalbundinnerhalbihrerGemeinschaften.
Denndie gegenwärtige Situation scheint sich aufOptionen (z.B. Freiwilligkeit
der Mitgliedschaft und Teilnahme, offenstehende Austrittsmöglichkeit u.ä.)
abzustützen,die für religiöseMenschen,Gläubige,Mitgliederbzw.Angehörige
von Religions- undWeltanschauungsgemeinschaften real deswegen nicht be-
stehen,dau.a.sozialerDruck,sozioökonomischeEinbettungvonZugehörigkeit
und die Macht und der Einfluss dieser Religions- undWeltanschauungsge-
meinschaften auf den Lebenskontext bzw. auf das Leben derMenschen diese
zumindest einschränken,wennnicht sogar ganz ausschließen. Teilweise kom-
men noch Todesdrohungen hinzu, welche die Austrittssituation nochmassiv
verschärfen.
Schließlich sinddienegativenAuswirkungenauf dieAutorität unddieuni-
verselleGeltungderMenschenrechtenicht zuunterschätzen,wennMenschen-
rechte vonund inReligions- undWeltanschauungsgemeinschaften stets nicht
geachtet, geschützt, durchgesetzt und realisiert werden bzw. wenn Religions-
und Weltanschauungsgemeinschaften in der Realität angeblich „menschen-
rechtsfreie“ Räume und somit scheinbare Ausnahmen zur Universalität der
Menschenrechte bildenwürden. Dies käme einer steten Unterwanderung der
Menschenrechtegleich. Sie istdaherzuverhindernundzuvermeiden.
Bei diesen neuen Rechtsinstrumenten ginge es keinesfalls um zusätzliche
rechtlicheVerpflichtungen für Staaten und/oder Religions- undWeltanschau-
ungsgemeinschaften, sondern um die Optimierung der Durchsetzung und
Realisierung bereits bestehender rechtlicher Verpflichtungen bzw. Rechtsan-
sprüche.
Damit verbunden ergibt sich die Anfrage, ob Staaten auf nationaler Ebene
nicht grundsätzlichüberprüfen sollten, ob sie nicht – selbst inReligions- und
Weltanschauungsgemeinschaften – intervenieren sollten, wenn in bzw. durch
Religions- undWeltanschauungsgemeinschaftenMenschenrechte verletztwer-
den.DabeistehendenStaaten–wieobendeutlichwurde–verschiedeneWegeund
Instrumente offen, wie siemit Religions- undWeltanschauungsgemeinschaften
PeterG.Kirchschläger322
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik