Page - 334 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Image of the Page - 334 -
Text of the Page - 334 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
manchmalaucheineĂĽberraschendeUnkenntnisdesnationalenReligionsrechts
zuTage.27
DieTätigkeit derOSZEwiderspiegelt auchdie für die letzten Jahre charak-
teristischeTendenzReligions-undWeltanschauungsfreiheitbzw.Religionsrecht
zunehmend auf Sicherheitsfragen und das Antidiskriminierungsrecht zu fo-
kussieren.28 Bereits die Schlussakten von Budapest 1994 und Istanbul 1999
stelltenQuerverbindungenzumMissbrauchvonReligion fĂĽr aggressivenatio-
nalistische Ziele und zu Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus her. 2004
wurde von der OSZE eine Abteilung fĂĽr Toleranz und Nichtdiskriminierung
eingerichtet, die sich schwerpunktmäßig auch mit Religions- und Weltan-
schauungsfreiheit befasst. VondenDokumenten seien dieMaĂźnahmen gegen
Antisemitismus,29 gegen dieDiskriminierung vonMuslimen30und zurVertie-
fung vonReligions- undWeltanschauungsfreiheit hervorgehoben,31derenpo-
litischerEinflussaufdasReligionsrechtnichtunterschätztwerdendarf.
2.3. DieSäulendeseuropäischenReligionsrechts32
Bei dem sich solchermaßen herausbildenden „europäischen Religionsrecht“
handelt es sich jedenfalls nicht umeine systematische,mehroderweniger ge-
schlosseneErfassungderdiereligiöseSphärebetreffendenNormenimSinndes
staatlichenReligionsrechts.Das europäischeReligionsrecht setzt sichvielmehr
aus einer inzwischen durchaus beachtlichen Anzahl relevanter Normen zu-
sammen, die denverschiedenartigen europäischenRechtskreisen entstammen
27 Sozeigt etwadiekritischeStellungnahmezumEntwurfdesösterreichischen Islamgesetzes
2015 ĂĽberraschende Unkenntnis bezĂĽglich der verfassungsrechtlichen Grundlagen des
österreichischenReligionsrechtsauf,wennhinsichtlichderöffentlichenReligionsausübung
auf den Stand des Staatsgrundgesetzes 1867 verwiesen wird und nicht auf die seit dem
Staatsvertrag von St. Germain 1919 geltende Rechtslage, vgl. https://www.osce.org/odihr/
126575?download=true (letzterZugriff: 15.04.2019).
28 Vgl.dazuetwaHansMichaelHeinig,DasReligionsrechtzwischenderSicherung freiheitli-
cher Vielfalt und der Abwehr fundamentalistischer Bedrohungen, in: Gerhard Besier /
Hermann Lübbe (Hg.), Politische Religion und Religionspolitik, Göttingen (u.a.) 2005,
S. 197–216.
29 Office forDemocratic InstitutionsandHumanRights,AntiSemitism,vgl.http://www.osce.
org/odihr/20053.html (letzterZugriff: 15.04.2019).
30 Office forDemocratic InstitutionsandHumanRights,DiscriminationagainstMuslims,vgl.
http://www.osce.org/odihr/20055.html (15.04.2019).
31 Office for Democratic Institutions andHumanRights, Freedomof religion or belief, vgl.
http://www.osce.org/odihr/20056.html (15.04.2019).
32 Vgl.dazuRichardPotz /BrigitteSchinkele,Europarecht–WiehastDu’smitderReligion?,
in:KurtAppel /ChristianDanz /RichardPotz / SieglindeK.Rosenberger /AngelikaWal-
ser (Hg.),ReligioninEuropaheute,ReligionandTransformationinContemporaryEuropean
Society1,Göttingen2012,S. 129–160,hier: S. 135f.
RichardPotz334
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik