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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
1. EinErfahrungsbericht
Hiersoll einErfahrungsberichtausderPraxisderVerfassungeinesMenschen-
rechtsdokuments vorgelegt und dann auf dieHermeneutik imTheorie-Praxis
Zirkel reflektiertwerden.
Die damalige Vizepräsidentin des Europarates, die österreichische Abge-
ordnete zur parlamentarischenVersammlung des Europarates EdeltraudGat-
terer warmit einem noch nicht gezeichneten Entwurf eines Dokumentes „to
justify tohastendeath“–eineeuphemistischeUmschreibungfürdieTötungauf
Verlangen–konfrontiert.Geistesgegenwärtig nahmsie sich selbst desThemas
anundschlugvor, selbst einenDraft zudiesemeinzubringen.DurchZufall fiel
ihrmeingeradeerschienenesBuchLebenbiszumEnde(Innsbruck1998) indie
Hände.Sieersuchtenunmich,eineneinschlägigenDraftzuerstellen.Diegerade
in Oviedo aufgelegte Menschenrechtskonvention zur Biomedizin, enthielt zu
diesemThema keinenArtikel, da es nach jahrelangemRingen dazu keine Ei-
nigung imEuroparatgab.EsgabalsoeineLĂĽcke.
Im Jahr 1998 bekam ich nun einenBrief vomGeneralsekretariat des Euro-
parats inStraßburgmitderBitte, einenDraftüberdie„ErfüllungderWünsche
SterbenderundterminalKranker“zuverfassen.DieserTitelhättedasErgebnis
ja bereits vorgegeben: „Siewünschen–wir töten (mit einigen Sorgfaltsbedin-
gungen)“. Sohabe ichdiesenWunschnicht erfüllt, sondern in eigenerVerant-
wortungmiteinemkleinenTeamvonÄrzten, Juristen,EthikernundPolitikern
amInstitut für EthikundRecht inderMedizin anderUniversitätWien einen
Text zum „Schutz der Menschenwürde undMenschenrechte Sterbender und
terminalKranker“ erstellt. (1993wurdeaufmeine Initiativenach langer inten-
siverVorarbeitdas interdisziplinäreSenatsinstitut „FürEthikundRecht inder
Medizin“gegründet.DieNotwendigkeit fürdiesesKonzepthat sichmir aufge-
drängt, da ich als einziger Ethiker in der Expertenkommission im Bundes-
kanzleramtnachdenPatientenmorden inLainzdieRelevanzdieserLĂĽckeund
auchdieDringlichkeit eines solchen interdisziplinären Instituts fürForschung
undLehregesehenhabe).
Unser Textvorschlagwurde zunächst im Sozialausschuss der parlamentari-
schenVersammlungdesEuroparates inParis anfangs Jänner1999unter unge-
wöhnlichhoherBeteiligungvonAbgeordnetendiskutiert.GemeinsammitFrau
EdeltraudGatterer,einemArztundeinemKollegenausdenNiederlandengaltes,
unserDokument vorzustellen und zu argumentieren. Die lange und intensive
Debatte imAusschussdrehtesichvorallemumdasVerständnisvonAutonomie
sowie die Unterscheidung zwischen Töten und Zulassen des Sterbens unter
bestimmtenVoraussetzungen.UnserDokumentwurdemitgroĂźerMehrheitals
Grundlage fĂĽr die weiteren Ausschussarbeiten angenommen und kam am
GĂĽnterVirt402
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik