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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
progressiv-instrumentellenundaktuellediagnostischeDefizitedesnormativen
Paradigmas: ChantalMouffe7 ist vorbehaltlos zuzustimmen, dass Schmitt ein
Schlüssel zumVerständnis rezenterHochkonjunkturendesPopulismus ist.
Abstimmungsmechanismen, deliberatives Argumentieren und „Bargaining“
sind drei verschiedeneModi der Erzeugung politischer Lösungen, die in Ab-
hängigkeitvonProblemstellung,ProblemebeneundsituativenUmständenmehr
oderminder groĂźe Bedeutung erlangen. Sofern sichVertreter des instrumen-
tellen Paradigmas mit politischen Prozessen befassen stehen typischerweise
Abstimmungsprozesse imZentrum,mitunterergänztdurchdieAnalysederEi-
genschaften des politischen Bargaining. ImKontext deliberativer Demokratie
und republikanischerTraditionenkommtderargumentativen Suchenach all-
gemein akzeptablen Antworten besondere Aufmerksamkeit zu. Carl Schmitt
beschäftigtsichmitpolitischemBargaining,desseninnenpolitischeAusprägung
er inpluralistischenDemokratienallerdings alsDegenerationsformdesPoliti-
schen betrachtet. Die bei Schmitt thematisierte Eskalation vonGewaltmitteln
entsprichtimPrinzipderLogikdesBargainings;derVerzichtdaraufsetztschon
einenmehroderminderanspruchsvollenOrdnungsrahmenvoraus.
Mouffe8 diagnostiziert beim instrumentellen Paradigma ideologisch ĂĽber-
schieĂźendenIndividualismusundeinemarktanalogePerspektiveaufdiePolitik.
Letztere trifft zwar für politikskeptische Strömungen (wie die von James Bu-
chananbegrĂĽndeteVirginia School ofPublicChoice) zu,nicht jedochauf pro-
gressiveVersionendes instrumentellenParadigmas.Diese verknĂĽpfenAbstim-
mungsverfahrenmit politischenProblemlösungen.Wennmandavon ausgeht,
dass Politik/Staat/öffentlichemSektor inderModernedie Lösung vonProble-
menobliegt, diemarktförmignicht zu lösen sind, kommtmanumden instru-
mentellenAnsatznicht herum.Es greift daher zukurz, das instrumentelle Pa-
radigmamit schnödemÖkonomismus oderNeoliberalismus zu assoziieren –
auch inhistorischerPerspektive:Bis zueinemgewissenGrad istdiePolitikals
Problemlöserin (zumal in Form des demokratischen Staats) eine historische
Realität – und zwar vonProblemen, die unabhängig vonder konfliktorischen
LogikdesPolitischen / la Schmitt entstehen, soheute z.B. aufgrundder Inter-
dependenzenvonĂ–konomieundĂ–kologie.
Viel ausfĂĽhrlicher als mit den Vertretern des instrumentellen Paradigmas
setzt sichMouffemit einerbestimmtenVariantedes„normativen“Paradigmas
auseinander,wobeisieinsbesonderediedeliberativeDemokratie/ laHabermas9
7 BeispielsweiseChantalMouffe,ĂśberdasPolitische,Frankfurt2007.
8 Ebd., S. 20.
9 Wieman beiMouffe (2007) gut nachvollziehen kann, sind die offiziellenHauptgegner (i)
VertreterdesnormativenParadigmaswieHabermasundRawlssowie(ii)BeckundGiddens,
welchedie teilsunübersichtlichepluraleKonstellationder„ZweitenModerne“(Obsoleszenz
traditionellerPolarisierungen)betonen.Realpolitisch sind indesSchmittianismusund libe-
RichardSturn510
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik