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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
„Die moderne Gesellschaft ist gekennzeichnet durch das Aufstacheln der
BedürfnisseunddurchdasHervorbringen immerneuer.Zugleich istdieMög-
lichkeit beschränkt, dieseBedürfnisse zubefriedigen.“4So formuliertTheodor
StrohminBezugnahmeaufKarenHorneysBuchDerneurotischeMenschunserer
Zeit. In der Steigerung der einzelnenBedĂĽrfnisse und in der Erweiterung des
SpektrumsderBedĂĽrfnisse liegt zugleichaucheinGrunddafĂĽr, dassdie Insti-
tutionen immer weniger fähig sind, die Bedürfnisse zu befriedigen, eine Auf-
gabe,unterder sie eigentlichangetretensind.Dazukommtnoch,dass ineiner
Anspruchshaltung, dieAnsprĂĽche fĂĽr sichundnicht so sehran sich stellt, die
Zuständigkeit zurBefriedigungderBedürfnisse oft einseitig den Institutionen
zugewiesen,undinderTatsache,dasssichdieseBedürfnisseverselbstständigen,
das institutionellePotenzial zu ihrerBefriedigungoftĂĽberdehntwird.
In der Ausrichtung auf sofortige BedĂĽrfnisbefriedigung werden zudem
SehnsĂĽchteverdeckt,SehnsĂĽchte,diederGesamtstrukturdesMenschengerecht
werdenwollen. In seinerKleinen Theologie der Sehnsucht umschreibt Dieter
Emeisdiese so: „DieSehnsucht ist dasWerbenGottesumdieMenschen,nicht
unter demNiveau zu leben, auf das hin Gott sie entworfen hat.“5Und dieser
EntwurfkannnichtdurchVerkĂĽrzungaufBedĂĽrfnisseeingeholtwerden.BloĂźe
Sozialtechnik droht beispielsweise nur allzu leicht abzusinken in Interessen-
wahrnehmung,diedannnurzuoft inKorruptionendet.
Einseitige Reduktion der Komplexität über wirtschaftliche Parameter:Und
hierkommtderzweitePunktzumTragen,dieReduktionderKomplexitätüber
eine einseitige Logik desMarktes undderWirtschaft.Wenn alleswirtschafts-
und in weiterer Reduktion geldmäßig gelöst werden soll, kommt es zu einer
ĂśberforderungauchwirtschaftlicherPotenziale.
Die aus demGesellschaftsganzen ausdifferenzierteWirtschaft konzentriert
sich jetzt in dieser Reduktion idealtypisch auf die „genuin“ wirtschaftlichen
Abläufe,nämlichdiemitdemMittelGeldinklarerVerrechnungzugestaltenden
Vorgänge.DadurcherfährtWirtschaftnichtnureineAkzentsetzung,sondernin
derRealitäteineEinschränkung.UmesanderArbeitundamProduktzuzeigen:
Es wird der Tendenz nach nur das als Arbeit verstanden, was abhängige,mit
einemLohn,alsomitGeld,honorierteErwerbsarbeit ist.Darinerfährtnunauch
der Arbeitende eine beschränkte Betrachtung auf seine Produktionsfunktion,
Arbeit wird einseitig als Humankapital gesehen. Und das Produkt wird zum
einseitigwirtschaftlichenGut,dasvorwiegendnuraufgeldmäßigunmittelbare
Verrechenbarkeit abstellt unddie auch imProdukt gelegene Beziehungsebene
4 Theodor Strohm,AspektedesTerrorismus in sozialethischer Sicht, in: Zeitschrift fĂĽr evan-
gelischeEthik23/1979,S. 118–132,hier: S. 125.
5 DieterEmeis,KleineTheologiederSehnsucht, in:KatechetischeBlätter122/1997,S. 150–153,
hier: S. 153.
Wirtschaft–mehralsWirtschaft:SozialethischeBemerkungen 589
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik