Page - 590 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Image of the Page - 590 -
Text of the Page - 590 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
verdeckt.Damit kommtetwadie imProdukt invielenPunktenauchgegebene
relationaleQualität insHintertreffen.
WeilvonMenschengestaltet, istdaswirtschaftlicheGeschäft nunabernicht
auf den speziell wirtschaftlichen Faktor zubegrenzen, sondern es ist auchdie
relationale, die Beziehungs-Ebenemit zu berücksichtigen, die dann im Indi-
rektmachenüber Internetbankgeschäfte beispielsweise teilweise gekapptwird.
Wenn sich einmal ein Bankmanager darüber beklagte, dass nur noch Bank-
räuber real in die Filiale kommen, so ist auch dieser Beziehungsverlust über
Mittel,diedieBeziehungindirektmachen,zubedenken.ÜberdieseMittelkann
aber „objektiviert“, „deckungsgleich“ gemacht werden, und damit, wie es in
dieserReduktionoft vorkommt,auchEthikausgeklammertwerden.
3. Work-Life-Balance,einverräterischerAusdruckderTrennung
vonArbeitundLeben?
Work-Life-BalanceistschondurchdiegängigeAbkürzungWLBeineingeführter
Begriff undwird inweitenKreisen auch zumMarkenzeichen für sensible Ar-
beitsanalysestilisiert.DamitdieArbeitnichtdasLebenerschlägt,bedarfesdes
Bemühens umAusgleich und Balance, einwichtiger Akzent, dennArbeit hat
auchAspekte,dievom„wahrenLeben“wegführen.
DieRedevonderWork-Life-BalancesuggeriertaberaucheineTrennungvon
ArbeitundLebenineinerArtundWeise,alsobessichumBereichehandelte,die
auf Grund ihrer fundamentalen Verschiedenheit und der daraus folgenden
Unvereinbarkeit zurBalanceundzumAusgleich gebrachtwerdenmüssten. Es
hatdenAnschein,alsobArbeitnichtLebenbzw.sogargegendasLebengerichtet
wäre.Daswürdenun implizieren, dassArbeit aufdenwirtschaftlichenFaktor,
der vom Leben „gereinigt“ ist, reduziert werden könnte. In einem solchen
KonzeptspieltsichLebenanderswo,jedenfallsaußerhalbderArbeit,vielleichtin
derFamilieoder inderFreizeit,ab.Arbeithat imErwerbderRessourcenfürdie
GestaltungdesLebensdannbloß instrumentellenCharakter, ist also reduziert
aufdieseBereitstellungderRessourcenfürdieFreizeitoderdieFamilie,indenen
sich dann das „wirkliche Leben“ abspielen kann. Zugegeben, die Arbeit folgt
ihrenGesetzmäßigkeiten, die bei entsprechenderGestaltung auch eineReduk-
tion des Lebens in verschiedenen Punkten bedeuten können, aber das Leben
spielt sichauch in derArbeit ab, in der derMenschwie in anderenBereichen
mehrMenschwerdenkann.
Denn ist es nicht auchder ganzeMensch, der arbeitet? Ihn auf den techni-
schenAspekt derArbeit zu reduzieren, ihn zumHumankapital zu verkürzen,
heißtdoch,demMenschen,aberauchderArbeit,nichtgerechtzuwerden.Bleibt
LeopoldNeuhold590
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik