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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Sich-in-sich-selbst-Verschließensundrührt– inBegriffendesGlaubensgesprochen–
vonderUrsündeher.“ (Nr. 34)
DerMenschkannalsonichtnuraufdemHintergrundseinerLeistungbewertet
werden, sondern es bedarf wesentlich auch der Berücksichtigung dieser Ge-
schenkhaftigkeit, die ihn unverrechenbar macht, weil er sich in dieser über-
schreitet.
„DieÜberzeugung,sichselbstzugenügenundinderLagezusein,dasinderGeschichte
gegenwärtigeÜbel allein durchdas eigeneHandelnüberwinden zukönnen, hat den
Menschendazuverleitet, dasGlückunddasHeil in immanentenFormendesmateri-
ellenWohlstandsunddessozialenEngagementszusehen.WeiterhatdieÜberzeugung,
dassdieWirtschaftAutonomieerfordertundkeinemoralische>Beeinflussung<zu-
lassen darf, denMenschen dazu gedrängt, dasWerkzeug derWirtschaft sogar auf
zerstörerischeWeisezumissbrauchen.“ (Nr. 34)
DerVerschlussderGesellschaft findetabernichtnurdurchdieWirtschaftetwa
ineiner„KolonialisierungderLebenswelt“durchWirtschaftstatt,wiesieJürgen
Habermas6 analysiert hat, sondern es zeigt sich auch eine Verengung in der
Wirtschaft selbst,wenn in ihrdieser transzendentenDimensiondesMenschen
nicht Rechnung getragen wird. Das Geschenk, das „seinemWesen nach den
Verdienst“übertrifftunddessenGesetz„dasÜbermaß“ ist (Nr. 34),mussnach
demPapst auch in derWirtschaft Platz gewinnen, damit das Prinzip Brüder-
lichkeit bzw. Geschwisterlichkeit sich in der Wirtschaft zeigen kann. Damit
entwickelt sich ein inklusives Wirtschaftsverständnis. Hierin zeigt sich ein
Zweifaches:
„Bei derBehandlungdieser entscheidendenFragemüssenwir einerseits präzisieren,
dass die Logik des Geschenks die Gerechtigkeit nicht ausschließt oder ihr in einem
zweitenMoment undvon außenhinzugefügtwird, und andererseits, dass einewirt-
schaftliche,gesellschaftlicheundpolitischeEntwicklung,diewahrhaftmenschlichsein
will, demPrinzip derUnentgeltlichkeit alsAusdruckder Brüderlichkeit Raumgeben
muss.“ (Nr. 34)
DerMenschalsPersonistnichtreduzierbaraufPreisrelationen.InderTatsache,
dass es derMensch ist, der inderWirtschaft tätigwird, undderMenschunv-
errechenbareWürde und nicht nur verrechenbarenWert besitzt, stellt diese
Unentgeltlichkeit nicht etwas außerhalb derWirtschaft demMenschen „Da-
zu-Kommendes“, sonderneinenwesentlichenTeil einerWirtschaft, dieaufdas
Ganze desGelingensmenschlichen Lebens für alle bezogen ist, dar. Dabei ist
Gerechtigkeit weiterhinwesentlicher Bestandteil, sie steht aber unter der Prä-
missederLiebeals einer„SehbedingungderGerechtigkeit“, umgekehrt istGe-
6 JürgenHabermas,Theoriedes kommunikativenHandelns 2, 4.Aufl., Frankfurt a.M. 1987,
bes. S. 452ff.
LeopoldNeuhold592
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik