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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
GlobaleMarktfreiheit allein ist trotzdamit verbundenerChancen fĂĽrbisher
benachteiligte Länder kein ausreichendes wirtschaftspolitisches Programm.
GeradeStaaten,dieganzamBeginnderMarktöffnungstehenundnochkeinen
breiten,mittelständischenMarktsektorhaben,könnennämlichanderübereil-
ten Konfrontation mit demWettbewerb der höchst entwickelten Marktwirt-
schaftenerkranken.OhneausreichendezivilgesellschaftlicheGrundlagenbauen
sieAbhängigkeiten auf undwerdenzu– langfristig politisch schwer integrier-
baren –Wirtschaftskolonien.Weltweiter Freihandelwirkt nur dann in die ge-
wĂĽnschteRichtung,wennseineRegelndieVoraussetzungfĂĽreinegemeinsame,
gleichrangigeWeiterentwicklung vonWirtschaftswachstum, Demokratie und
sozialerGerechtigkeit schaffen.OhneBerĂĽcksichtigungdieses ordnungspoliti-
schenPrärogativsdrohteinRückfall ingesellschaftlicheSpaltungundautoritäre
Traditionen.
VorbildhaftundprägendkanndasMarktmodelldahernurdannsein,wennes
nebenderErmöglichungvonWettbewerbqualitativeCharakteristikaaufweist,
die ihm das Potential zuschreiben, „Wohlstand für Alle“ zu bewirken.8 Die
„unsichtbareHand“bedarf,umindergewünschtenWeisewirksamzusein,der
geeigneten, politisch gesetzten Rahmenbedingungen. Ein klares Primat der
Politik istdaherunverzichtbar.
3. Gesucht: einordnungspolitischesLeitbild
DerVersuch,Handlungsperspektiven fĂĽr einWirtschaftssystemzuentwickeln,
dasderGesellschaft alsGanzerdient,wirddurcheinevielfach feststellbarebe-
grifflicheVerengungdespolitischenDiskurses erschwert.Die „Textbuch-Öko-
nomie“desuniversitärenAlltags,inderüberwiegendmodellhaft-mechanistisch
gearbeitetwird,dominiert längst aucheineplakativverkürztemedialeDiskus-
sionumdas „richtige“Wirtschaften.Werte-Bezüge bleibenmeist ebenso aus-
geklammert wie der geschichtliche, geisteswissenschaftliche und politisch-
ökonomischeBezugsrahmenwirtschaftlichenHandelns.
DieUnterscheidung zwischen ausgeprägt unterschiedlichenWirtschaftssti-
len marktwirtschaftlich-demokratischer Ordnungen wird in der Regel ver-
nachlässigt.SodientmeistderSammelbegriff„Kapitalismus“vereinfachendals
ĂĽbergeordnete Bezeichnung fĂĽr marktwirtschaftliche Systeme. Daneben ver-
blasst die zur Zeit ihrer Gründung als durchaus eigenständigerGegenentwurf
zumgescheiterten Laissez-Faire-Liberalismus konzipierte „SozialeMarktwirt-
schaft“ zurbloßenSonderformkapitalistischenWirtschaftens.
8 DieKonzeptionder SozialenMarktwirtschaft wurde erstmals populärwissenschaftlich nie-
dergelegt in:LudwigErhard,Wohlstand fĂĽrAlle,DĂĽsseldorf 1957.
WilfriedStadler672
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik