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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 110 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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4 SonderfallMozart pe Lolli keineMessen aus dieser Zeit überliefert, von JohannMichael Haydn undAntonCajetanAdlgas- ser je zwei, undDomenico Fischietti hatte lediglich seine aus Dresden mitgebrachte Probemesse33 vor- zuweisen.Vor diesemHintergrundwird jener etwas aufsässigeTon verständlicher, denMozart bei seinem Entlassungsgesuch imAugust 177734 gegenüber dem Erzbischof anschlägt. Nach der erfolglos verlaufenen und vomTod der MutterüberschattetenParis-Reisewareseinmalmehr LeopoldMozart, der zubewirkenvermochte, dass der Fürsterzbischof seinen widerstrebenden Sohn 1779 wieder inHofdienste aufnahm.Nachdemkein Fürs- tenhof, demMozart inBegleitung seinerMutter auf seiner Reise nach Paris seine Aufwartung gemacht hatte, auch nicht der kurfürstlicheHof zuMünchen, Anstaltengemachthatte,Mozart inDienstzunehmen, konnte Leopold imBrief vom 29. Juni 1778 seinem Sohnberichten, dass sich verschiedene einflussreiche Personenwie die Schwester des Erzbischofs, Gräfin Maria FranziskaWallis, oderDomherr Franz Joseph Graf Starhemberg für ihn beimFürsterzbischof ein- setzenwürden.35Am31.August 1778 teilte er ihm mit: „Alleindurchmein tapferes aushalten, ha- be ich nicht nur allein durchgedrungen, der Erzb:hatnichtnuralles accordiert, fürmich und für dich, du hast 500f, sondern er hat sich noch entschuldigt, daß er dich itzt ohn- möglich zumCapellmeistermachen könnte, du solltest aber, wenn esmir zumühesam wäre oder wenn ich ausserstande wäre, in meine Stelle unterdessen einrücken; er hätte immerdir eineBessereBesoldung zugedacht etc: mit einemWort, zu meinem Erstau- nen, die höflichstenEntschuldigungen. noch mehr! demParis hat er 5 f addition geben, damit er die mehrsten dienste verrichten muß und du wirst als Concertmeister wie vorhero decretiertwerden.“36 33A-Sd,A 1131. 34„mit der schmeichelhaftesten Hofnung Euer Hochf: Gna- den in meinen mannbarn Jahren mit mehrerem Beyfahl dienen zu können“ (Bauer/Deutsch:Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, Bd. 2, S. 4f.). 35Ebd., Bd. 2, S. 380. 36Ebd., Bd. 2, S. 460. AlsWolfgangAmadéMozart am15. Jänner 1779 endlich in Salzburg eintraf, waren alleVorkehrungen getroffen:Das undatierteAnsuchen umDekretierung alsHoforganistwarvonLeopold selbstverfasstundei- genhändigmit demNamen seines Sohnes gezeichnet. Das fürsterzbischöfliche Anstellungsdekret erfolgte prompt zwei Tage später am 17. Jänner 1779 und definiert erstmals die Aufgaben des Hoforganisten sehr konkret:Mozart hat gleich den „aufhabende[n] Verrichtungen“wie seinVorgängerAdlgasser imDom, beiHof und imKapellhausmit „embsigenFleis ohn- klagbar“37 zu versehen. DieAufgaben beiHof umfassten dasAccompagne- ment,woes fürKammermusikundmusikdramatische Darbietungen erforderlichwar, undbeschränkten sich imDomaufdieLiturgie inFestis pallii, die einequali- tätsvolleAusführung desBasso continuo verlangte.38 ImBrief von 3. September 1778 an seinen Sohn in Paris konkretisiert Leopold dieVerpflichtungen, die Wolfgang in Salzburg erwartenwürden: „Kurz! du bist hier in der Nähe: unsere Einkünften sind so, wie ich dirs geschrie- ben habe; – durch deine hiesige Lebensarth wirst du an deinem studieren und Speculie- ren nicht gehindert; du darfst nichtViolin- spielen bey hofe, sondern hast beymClavier alle Gewalt der Direction, so wie mir die ganzeMusik – alle des FürstenMusikalien, und die Inspection desCapellhauses itzt ist übergebenworden.“39 In kompositorischer Hinsicht erfüllte Mozart sei- nen Auftrag mit vier seiner letzten großen liturgi- schenKompositionen, die ausschließlich für denGot- tesdienst am Salzburger Dom bestimmtwaren: die Missa inCKV317 für dasPontifikalamt amOster- sonntag 1779 – bekannt geworden unter der falschen 37Deutsch:Mozart. DieDokumente, S. 163. 38Hinweise dafür, dassMozart denVerpflichtungen als Lehrer am Kapellhaus auch selbst nachgekommen wäre, lassen sich jedoch nicht bestätigen.Weder in der Familienkorre- spondenz noch in den TagebüchernMaria Annas und in WolfgangAmadéMozartsNachträgen finden sichNachrich- ten dazu; deshalbmuss angenommenwerden, dassMozart alsHoforganist nur über dieKlavierlehrenden amKapell- haus die Inspection auszuübenhatte.AuchLeopoldMozart hatte nach eigenerAussage, obwohl er für dieViolininstruk- tion bereits seit November 1756 dekretiert war, diese ab seiner erstenWien-Reise 1762 anWenzelHebelt abgegeben. Vgl.Bauer/Deutsch:Mozart. Briefe undAufzeichnungen, Bd. 1, S. 15f. 39Ebd., Bd. 2, S. 464f. 110
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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