Page - 128 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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5 Aspekte derAufführungspraxis
angestellte spätere Hofkapellmeister Johann Ernst
Eberlin (1702–1762)maßgeblich beteiligtwaren.
ThomasHochradner führt, neben allgemeinen sti-
listischen Entwicklungen und in Anlehnung an die
Kunstgeschichte, als einenGrund für diese Erneue-
rung desRepertoires dasKopieren des sogenannten
„Imperialstils“ nach demVorbild desWiener Hofes
an. Die Fürsterzbischöfe hätten bis zur Mitte des
18. Jahrhunderts zwarhäufigdieAutarkie desLandes
gerade in kulturellen und künstlerischen Belangen
betont und damit kompensiert, dass das Fürstentum
seinegewichtigePosition imHeiligenRömischenReich
deutscherNation allmählich verloren habe.Dennoch
hätte insbesondere LeopoldAntonEleutherius Frei-
herr vonFirmianwährend seinerRegierungszeit 1727
bis 1744vomImperialstilGebrauchgemacht, um„sei-
ne Stellung imReigen der süddeutschenFürsten zu
stärken und nicht zu einemTrabanten des Kaisers
herabzusinken.“24
Dazu ist anzumerken, dass, obwohl in der Regie-
rungszeitvonFranzAntonFürstHarrach(1709–1727)
amSalzburgerDomvor allemdurch zahlreicheAb-
schriftenvonWerkenAntonioCaldaras (1670–1736)25
ein verstärkterWiener Einfluss zu konstatieren ist26,
ein solcher für die Zeit nach demRegierungsantritt
Firmians – und damit für die Zeit der größten sti-
listischen und besetzungstechnischenÄnderungen –
nicht nachzuweisen ist. Eher könnteman vermuten,
dass die in seiner Regierungszeit – in die auch die
Vertreibung der Salzburger Protestanten 1732 fiel –
beginnende verstärkte Produktion vonKirchenmusik
Ausdruck seines gegenreformatorischenEiferswar.
1745 beschreibt Frater Heinrich Pichler, damals
ein musikinteressierter Student aus Kremsmünster,
die Vesper vom 24. Dezember und bestätigt damit
dieAufstellung derMusiker, die spätestens seit dem
Dekret Firmians von 1729 bestanden hat:
„DieseVesperwurdeunterderganzenMu-
sic producirt auf 5 Chöre, in einemwaren
die Vocalisten, die Orgel, die Bassauenen,
zwey Fagott und zwey Bäss, auf den an-
dern dieViolinisten nemlich 12, auf dem3.
6Trompetter, [aufdem]andere[n4.ebenfalls
24Hochradner: „ZwischenHöhepunkten“, S. 230f.
25Ab 1716 ersterVizekapellmeister derWienerHofmusikka-
pelle.
26Vgl.Hintermaier: „Caldara“. 6Trompeter] und einBauggen, der 5. Chor
aber is herunten by demAltar und besteht
diese inderCapellen-Music samteinerOrgel
und Bass, diese aber singen nur mit, wan
es tutti ist. DenTactmuess geben auf dem
1.Chorvor alle derCapelln-Maister, und ist
dieses schön, dass alleMusicanten auf allen
Chören miessen weiße Chorröck anhaben,
die Trompetter ausgenommen, und dieses
nicht nur allein in diesenFesttagen, sondern
alle Tag, so oft sie imDometwas zu singen
haben.“27
Ein Jahr später regeltHofkapellmeisterKarlHein-
rich Biber die Aufstellung seiner Kapelle sogarmit
namentlicherNennungdereinzelnenMusiker ineinem
Dokument28:
„Ordnung, / deren hochfürstl[ichen]
Kürchen-Diensten imDomb. / So die hoch-
fürstl[iche] Hoff-Music zu observieren hat
/ In Festis Pallij / Auf dem Principal-
Chor. / Capell-Maister; oder Vice-Capell-
Maister.Andreino.Lonzi,Michelanski,Zugs-
Eißen, Brunner,Diele. 2Capellknaben.Or-
gano Eberlin. Christelli oder Franz Dra-
ßil 1. Violonist. FagottistenRoth Sämbhue-
ber, Schulz. 3Trombonisten. / ImAnderten
Chor dieViolinisten. Concert-Maister Seidl.
Paul Schorn.Vogenhueber,Mozhard,Wenzl
Waldhornist,Meißner,JosephSchorn,Teubl,
Thuman,Wesenauer,Thurnermaister/ Item
2.ChormitTrompetenundPaukhen. / dan
derUntereChorRipienisten.
InFestis Praepositim, etDecani. / Eben
die obermelte Zahl derer Violinisten ohne
Trompeten undPaukhen.
In Festis Canonici / Auf demPrinicipal
Chor allein 5 violinisten. /Welche sich aber
mit denen übrigenUnterreden, undVerste-
hen sollen zukommen, damit keinConfusion
geschehe, danmehrer nicht plaz habenwe-
27Rainer,Werner: „AntonCajetanAdlgasser. Ein biogra-
phischer Beitrag zur Musikgeschichte Salzburgs um die
Mitte des 18. Jahrhunderts“, in:Mitteilungen derGesell-
schaft für Salzburger Landeskunde, 105 (1965), S. 205–237,
hier: S. 210.
28ImFolgenden zit. alsChorordnung.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur