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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 129 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.1 Besetzungspraktiken der SalzburgerHofkapelle im 17. und 18. Jahrhundert gen der 3. Posaunisten, und ein Fagottisten, so alle auf einemChor seynmüssen. CarlHeinrichBibernCapellmaister“29. Auf demPrinzipal-Chor, derOrgelempore am (in Richtung desAltars blickend) rechten östlichenPfei- ler, fanden demnach anFesta Pallii, neben demdie Aufführung leitendenKapellmeister oderVizekapell- meister, dieVokalsolisten (mindestens ein Sopranist, einAltist, zweiTenöre und zweiBässe und zweiKa- pellknaben), eineBasso-continuo-Gruppe, bestehend aus einemOrganisten, einemVioloncellisten, drei Fa- gottisten und einem Violonisten, und die den Vo- kalchor colla parte verstärkenden drei Posaunisten Platz, während auf dem zweiten vorderen Chor elf Violinisten standen.Trompeter undPauker, fürFesta Pallii obligatorisch, spielten von denwestlichenEm- poren, derVokalchor bestehend ausDomchorvikaren, Domchoralisten undKapellknaben befand sich samt einerweiteren, kleinerenBasso-continuo-Gruppe im Presbyterium. WährenddieGrößederGeneralbassgruppeaufdem Prinzipal-Chor – neben derOrgel drei Fagotte, ein Violoncello und einViolone – verwundert, aber durch die vorher zitierte Stelle aus demTagebuchHeinrich Pichlersweitgehend bestätigtwird (hier sind es zwei Fagotte und zweiVioloni), wirft vor allemdieTatsa- che, dass allemAnschein nach acht Solisten auf der Empore standen, einige Fragen auf. SowohlWalter Senn30 als auchThomasHochradner31 interpretieren die in derChorordnung erwähnteVokalisten-Gruppe als Chor, Hochradner spricht gar von einer „latenten Doppelchörigkeit“, zu der die „kreativeMehrchörig- keit“ des 17. Jahrhunderts geschrumpft sei. Demzu- folgewären alle solistischenPartien doppelt besetzt gewesen, was angesichts der Größe der Kathedrale durchaus inErwägung zu ziehen ist. Auch dieTatsa- che, dass für die Solisten immer nur je eine Stimme erhalten ist, schließt nicht aus, dass zweiMusiker aus einer Stimme sangen.Andererseits hätte dann in den hohen Stimmen jeweils ein Kastrat mit einemKa- 29Rainer: „Adlgasser“, S. 210, besprochen inSenn,Walter: „Beiträge zurMozartforschung.Das angebliche Fugenver- bot des Fürsterzbischofs von Salzburg Hieronymus Graf Colloredo. Chorordnung für denDom zu Salzburg im 18. Jahrhundert. ZurMissa longaKV 262 (246a) vonW.A. Mozart“, in:ActaMusicologica, 48 (1976),Nr.2,S.205–227, hier: S. 214. 30Senn: „Beiträge zurMozartforschung“, S. 215. 31Hochradner:Matthias SiegmundBiechteler, S. 179. pellknaben gemeinsammusiziert, was angesichts der klanglichen Unterschiede von Kastraten- und Kna- benstimmen vom heutigen Standpunkt aus schwer vorstellbar ist. Denkbar ist auch, dass dieKapellkna- ben gemeinsamdas Sopran-Solo und dieKastraten denAlt übernahmen.Daswäre analog zur nachgewie- senenPraxis der Stadtpfarrmusikanten, bei denendie Kapellknaben immer alsDiskantisten eingesetztwa- ren,währenddieAltstimmevoneinemfalsettierenden Mann gesungenwurde.32 AnFestisPraeposti etDecani, andenenDomprobst oder Domdekan zelebrierten, fielen die Trompeten undPaukenweg,während sich anFestis Canonici zu- sätzlich zurBasso-continuo-Gruppe und den drei Po- saunisten „fünfViolinisten“ auf demPrinzipal-Chor einzufinden hatten und somit also alleMusiker au- ßer dem im Presbyteriummusizierenden Domchor samtBasso-continuo-Gruppe auf einerChorempore vereinigt waren. An diesen Festen wurde – wie die Notizen des späterenHofkapellmeisters LuigiGatti zeigen (→S. 23) – offenbar auch schon in derMitte des Jahrhunderts ohneVokalsolistenmusiziert, denn sonst hätten kaum fünf zusätzliche Violinisten auf demPrinzipal-ChorPlatz gefunden.DieChorordnung Bibers erklärt auch,warumes amSalzburgerDom in den Stimmenmaterialien des 18. Jahrhunderts – im Gegensatz zum 17. Jahrhundert, in dem durchaus auch gelegentlich alleVierungsorgeln bespieltwurden – immermindestens zweiOrgelstimmen (für denOr- ganisten auf dem Prinzipal-Chor und für jenen im Presbyterium) sowie eineweitere bezifferte Stimme „Battuta“ für den dirigierendenKapellmeister oder Vizekapellmeister gab. In der inMarpurgsHistorisch-KritischenBeyträ- gen zur Aufnahme derMusik erschienenenNachricht von dem gegenwärtigen Zustande derMusik Sr.Hoch- fürstlichenGnaden des Erzbischoffs zu Salzburg im Jahr 1757 bestätigt derAutor die oben beschriebene Aufstellung ebenfalls. Er berichtet über dieMusik im Dom: „Die Hochfürstl. Domkirche hat hinten beymEingang derKirche die grosseOrgel, 32Ein Indiz dafür, dass auch imSalzburgerDomSolostimmen zumindest nicht generell doppelt besetztwaren, istAndre- as Hofers vorher schon zitiertes Vorwort zuVer Sacrum (→ S. 124), wonach der Buchstabe S eine Einzelstimme kennzeichnet. 129
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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