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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 131 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.2 Die festlicheMehrchörigkeit im 18. Jahrhundert spielte er ein kleines Zwischenspiel in fu- giertemStil auf ein angenehmesThema. Es war so gut verarbeitet und so regelmäßig und symmetrisch in derAnlage, daß,wenn es eine Improvisationwar, es ihm sehr zur Ehre gereichte. DerChorbestandaus sechsbis achtStim- menmit einemDirigenten, aber sie waren nicht sehr wirkungsvoll, denn sie wurden vomOrchester übertönt, das durchaus zu laut spielte, besonders an den leisen Stel- len, dieDelikatesse verlangten.Die besten SpielerwarendiedreiPosaunisten, die einen schönenTonhatten und viel zu demallge- meinen Effekt beitrugen. Der nächstbeste war derKontrabassist. Erwar einPriester und es schienmir neu und eigenartig, dieses Instrument von einemManne in einer Su- tane und anderen priesterlichenKleidungs- stücken gespielt zu sehen, aber sie schienen ihn bei derBogenführung durchaus nicht zu stören. DieResponsorienwurden von den Stim- men allein gesungen und waren dieselben, die ich vorher in der Klosterkirche gehört hatte, nämlich einfach Tonika und Subdo- minante, die den plagalen Schluß bilden. Die Knabenstimmenwaren reizend und sangen völlig rein.DieWirkungdesDiminu- endos und des langsamenAusklingens am Ende jeder Antwort war wunderbar und kirchlich. IndenbegleitetenPartiendesGot- tesdiensteswar zu viel Resonanz undNach- hall von derKuppel, wodurch dieAkkorde ineinander flossen und dieKlarheit derHar- monien zerstörtwurde.“34 Zunächst wird an jenem Dienstag, dem 16. Juli des Jahres 1829, vomDomchor, unbegleitet von der Orgel, Choral gesungen.Die Instrumentalisten befin- den sichaufdemPrinzipal-Chor, ebensoDomorganist JosephHöß.Auffallend ist dasVorhandensein einer Viola.DirigentwarallerWahrscheinlichkeitnachder– zeitlebens provisorische –Domkapellmeister Joachim Joseph Fuetsch, was erklärt, dass kein Violoncello 34Novello/Novello:EineWallfahrt zuMozart, S. 96f. vorhandenwar.35Die drei Posaunen verstärken,wie schon im 18. Jahrhundert, die Chorstimmen. Dass vonVokalsolisten oder anderenBläsern als denPo- saunisten nicht berichtet wird, ergibt sich aus der Tatsache, dass das Fest derCommemoratio Beatae MariaeVirginis deMonteCarmelo,dasandiesemTag begangenwurde, einFestumCanoniciwar, bei dem ein Domkaplan zelebrierte und folglich „cum semi- orchestra“36musiziert wurde. ZahlreicheAbschriften vonWerkenMichael Haydns und Luigi Gattis, die Domkapellmeister Joachim Joseph Fuetsch in den 1820er-Jahren für seinEnsemble anfertigte (und der Domkustodie inRechnung stellte), belegen, dass die Ordnung dermusikalischenAusgestaltung der Feste, wie sie im 18. Jahrhundert gegolten hatte, bis weit ins 19. Jahrhundert weiter bestehen blieb: Die Ab- schriften bestehen typischerweise ausChorstimmen in zwei- bis dreifacherAusfertigung, gegebenenfalls Solostimmen, erster und zweiterVioline in doppelter Ausfertigung, Violone, zwei Orgelstimmen, je einer Stimme für den Dirigenten, Fagott, drei Posaunen, zweiHörner oderTrompeten (manchmal auswechsel- bar) undPauken. 5.2 Die festlicheMehrchörigkeit im 18. Jahrhundert Jener festliche polychorale Stil unterBeteiligung aller InstrumentalistenundSänger,der imSalzburgerDom mit denKompositionenHeinrich IgnazFranzBibers gegenEnde des 17. Jahrhunderts seinenHöhepunkt erreicht hatte, wurde imLaufe des 18. Jahrhunderts, vor allemnach demBeginn der oben beschriebenen Repertoireerneuerung inden20er-Jahren, zunehmend zurAusnahmeerscheinung.Diese Entwicklungwurde bereits vonThomasHochradner in ihrenGrundzügen beschrieben37; inAnbetrachtderdurchdie inzwischen erfolgte Katalogisierung des Gesamtbestandes neu- enQuellenlage scheint es jedoch angebracht, diesen Übergang nochmals genauer zu betrachten. 35Fuetsch war zunächst als Violoncellist eingestellt worden. Als er dieDirektion desChores übernahm,wurde die Stelle desVioloncellisten nichtmehr besetzt. 36Gatti:Ordo Festivitatum, fol. 77v. 37Hochradner, Thomas: „VomEnde desmehrchörigenMusi- zierens nördlich derAlpen“, in:Slovenská hudba, 22 (1996), Nr. 3/4, S. 465–486. 131
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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