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5.2 Die festlicheMehrchörigkeit im 18. Jahrhundert
spielte er ein kleines Zwischenspiel in fu-
giertemStil auf ein angenehmesThema. Es
war so gut verarbeitet und so regelmäßig
und symmetrisch in derAnlage, daß,wenn
es eine Improvisationwar, es ihm sehr zur
Ehre gereichte.
DerChorbestandaus sechsbis achtStim-
menmit einemDirigenten, aber sie waren
nicht sehr wirkungsvoll, denn sie wurden
vomOrchester übertönt, das durchaus zu
laut spielte, besonders an den leisen Stel-
len, dieDelikatesse verlangten.Die besten
SpielerwarendiedreiPosaunisten, die einen
schönenTonhatten und viel zu demallge-
meinen Effekt beitrugen. Der nächstbeste
war derKontrabassist. Erwar einPriester
und es schienmir neu und eigenartig, dieses
Instrument von einemManne in einer Su-
tane und anderen priesterlichenKleidungs-
stücken gespielt zu sehen, aber sie schienen
ihn bei derBogenführung durchaus nicht zu
stören.
DieResponsorienwurden von den Stim-
men allein gesungen und waren dieselben,
die ich vorher in der Klosterkirche gehört
hatte, nämlich einfach Tonika und Subdo-
minante, die den plagalen Schluß bilden.
Die Knabenstimmenwaren reizend und
sangen völlig rein.DieWirkungdesDiminu-
endos und des langsamenAusklingens am
Ende jeder Antwort war wunderbar und
kirchlich. IndenbegleitetenPartiendesGot-
tesdiensteswar zu viel Resonanz undNach-
hall von derKuppel, wodurch dieAkkorde
ineinander flossen und dieKlarheit derHar-
monien zerstörtwurde.“34
Zunächst wird an jenem Dienstag, dem 16. Juli
des Jahres 1829, vomDomchor, unbegleitet von der
Orgel, Choral gesungen.Die Instrumentalisten befin-
den sichaufdemPrinzipal-Chor, ebensoDomorganist
JosephHöß.Auffallend ist dasVorhandensein einer
Viola.DirigentwarallerWahrscheinlichkeitnachder–
zeitlebens provisorische –Domkapellmeister Joachim
Joseph Fuetsch, was erklärt, dass kein Violoncello
34Novello/Novello:EineWallfahrt zuMozart, S. 96f. vorhandenwar.35Die drei Posaunen verstärken,wie
schon im 18. Jahrhundert, die Chorstimmen. Dass
vonVokalsolisten oder anderenBläsern als denPo-
saunisten nicht berichtet wird, ergibt sich aus der
Tatsache, dass das Fest derCommemoratio Beatae
MariaeVirginis deMonteCarmelo,dasandiesemTag
begangenwurde, einFestumCanoniciwar, bei dem
ein Domkaplan zelebrierte und folglich „cum semi-
orchestra“36musiziert wurde. ZahlreicheAbschriften
vonWerkenMichael Haydns und Luigi Gattis, die
Domkapellmeister Joachim Joseph Fuetsch in den
1820er-Jahren für seinEnsemble anfertigte (und der
Domkustodie inRechnung stellte), belegen, dass die
Ordnung dermusikalischenAusgestaltung der Feste,
wie sie im 18. Jahrhundert gegolten hatte, bis weit
ins 19. Jahrhundert weiter bestehen blieb: Die Ab-
schriften bestehen typischerweise ausChorstimmen
in zwei- bis dreifacherAusfertigung, gegebenenfalls
Solostimmen, erster und zweiterVioline in doppelter
Ausfertigung, Violone, zwei Orgelstimmen, je einer
Stimme für den Dirigenten, Fagott, drei Posaunen,
zweiHörner oderTrompeten (manchmal auswechsel-
bar) undPauken.
5.2 Die festlicheMehrchörigkeit
im 18. Jahrhundert
Jener festliche polychorale Stil unterBeteiligung aller
InstrumentalistenundSänger,der imSalzburgerDom
mit denKompositionenHeinrich IgnazFranzBibers
gegenEnde des 17. Jahrhunderts seinenHöhepunkt
erreicht hatte, wurde imLaufe des 18. Jahrhunderts,
vor allemnach demBeginn der oben beschriebenen
Repertoireerneuerung inden20er-Jahren, zunehmend
zurAusnahmeerscheinung.Diese Entwicklungwurde
bereits vonThomasHochradner in ihrenGrundzügen
beschrieben37; inAnbetrachtderdurchdie inzwischen
erfolgte Katalogisierung des Gesamtbestandes neu-
enQuellenlage scheint es jedoch angebracht, diesen
Übergang nochmals genauer zu betrachten.
35Fuetsch war zunächst als Violoncellist eingestellt worden.
Als er dieDirektion desChores übernahm,wurde die Stelle
desVioloncellisten nichtmehr besetzt.
36Gatti:Ordo Festivitatum, fol. 77v.
37Hochradner, Thomas: „VomEnde desmehrchörigenMusi-
zierens nördlich derAlpen“, in:Slovenská hudba, 22 (1996),
Nr. 3/4, S. 465–486.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur