Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Page - 147 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 147 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Image of the Page - 147 -

Image of the Page - 147 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Text of the Page - 147 -

5.4 Instrumentarium Ausgestaltung ausgerichtetenhierarchischenOrdnung speiste. Letzteres, der Sinn für die „Angemessenheit“ anlassbezogenerGebrauchsmusik, entspricht ganz all- gemein dem frühneuzeitlichenDenken undHandeln inSystemen spatialerRepräsentation, erfuhr aber am SalzburgerDom im zweitenViertel des 18. Jahrhun- derts jene Formalisierung, diemit der Festschreibung der analogenAufeinanderbezogenheit von Festrang undder zu seiner adäquatenRepräsentation füglichen musikalischen Kräfte diese aus der Verantwortlich- keit desKomponisten andie zeremonielleKonvention überträgt.83Wie einWerk zu besetzen sei, ist ab da weitgehend nicht eine Sache ästhetischer Entschei- dung, sondern eine desProtokolls. Die normierte Besetzung für eine Messe an Fes- ta Praepositi und Festa Decani bestand aus einem Solistenquartett, einem Chor, vier ersten und vier zweitenViolinen,Violone, Fagott, zweiOrgeln sowie drei Posaunen, die dieAlt-, Tenor- undBassstimmen desChors colla partebegleiteten.BeimhöherenRang derFesta Pallii tratenTrompeten undPauken (spä- ter zunehmend auch andere Bläser84) hinzu, beim niedrigeren der Festa Canonici wurde das Orches- ter verkleinert.85Wie stark normierend diese Kon- ventionenwirkten, ist u.a. daran zu ermessen, dass unter den divers besetztenKirchenwerkenWolfgang AmadéMozarts86 im Dommusikarchiv nahezu nur solche überliefert sind, die denVorgaben aufPunkt undKomma entsprechen.87Gerade umdieMitte des 18. Jahrhunderts scheint die Praxis solcher formel- 83In konkreter Festlegungbegegnet dieseKonventionalisierung erstmals inKarlHeinrichBibers 1746 verfassterOrdnung DerenHochfürstlichenKürchen-Diensten imDomb. So die Hochfürstliche Hoff-Music zu observieren hat, zit. nach Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. XIII. Diese Ordnung gemeinsammit einer imWesentlichen gleichlau- tendenBeschreibung einerVesper vom24.Dezember 1745 auch abgedruckt inRainer: „Adlgasser“, S. 210,Anm. 34. 84Laubhold: „Gatti, Colloredo und die Salzburger Trompe- tenmusik“, S. 126–131. 85Die entsprechendeFormulierung in LuigiGattisOrdo Festi- vitatumetFunctionumInhacMetropolitanaEcclesia Salis- burg[e]nsiheißt „cumsemi-orchestra“.SLA,Reg. IX/185, fol. 76r–77v,hier: 77v, vollständigesFaksimile inHintermaier/ Laubhold/Neumayr: „Luigi (Maria Baldassare) Gatti“, S. 64–67. 86Schmid:Mozart und die Salzburger Tradition, S. 255–259. 87In authentischenMaterialien finden sichAusnahmennur in A1150 (KV257)mit derErweiterung umeinOboenpaar sowie A 1127 (KV 125)mit der Erweiterung um je zwei Violen,Oboen undHörner.A 1538 (KV267) undA1512 (KV127) konnten erst Ende des 20. Jahrhunderts aus pri- vaterHand erworbenwerden.Vgl.Hintermaier: „Mozarts ReginaCoeli-KompositionenKV127 und 276“. hafter Besetzungen besonders ausgeprägt gewesen zu sein, während um 1700 und um 1800 eine größere Flexibilität zubeobachten ist – insbesondere beiKarl HeinrichBiber undLuigiGatti, derenWerknachwie vor bemerkenswert schlecht erforscht ist. Quellen für die ältereAufführungspraxis vor 1700 sind imDommusikarchiv nur in geringer Zahl überlie- fert. Zudem lassen sich diemeisten der frühenHand- schriften nur ungefähr datieren, sodass imEinzelnen oft nicht einmal sicher zu entscheiden ist, ob einMa- nuskript vor oder nach der Jahrhundertwende ent- stand. Allerdings lassen sich anhand einiger für die überlieferte Sammlung untypischer Instrumentenbe- zeichnungenBeobachtungenmachen, die unabhängig von exakten Datierungen vorsichtige Rückschlüsse auf eine ‚frühere‘ Aufführungspraxis amSalzburger Domund derenWeiterwirken in denKonventionen des 18. Jahrhunderts erlauben. Aus dem Jahr 1822 stammt ein neu aufgefunde- nes Inventarium aller inDom gehörigen, und befind- lichen Musik Instrumenten88, welches belegt, dass amDomeineReihe von Instrumenten in spielbarem Zustand aufbewahrt wurden und denMusikern für ihre dortigenDienste zurVerfügung standen.Für das 18. Jahrhundert ist ein vergleichbares Inventar nicht bekannt, sodass sich nur spekulieren lässt, ob diese Praxis auch schon gepflogenwurde, als derHof noch residierte.Dieses hypothetische Szenariowürde aber erklären,wiedieStimmtondifferenz zwischenHofund Domkirche in der Praxis bewältigt wurde. Für einige Instrumente – vor allemOboen, gelegentlich auchFa- gottundnochseltenerandereInstrumente–existieren in denMusikalienbeständen derDommusik transpo- nierende Stimmen.Das bedeutet, dassOboisten und mancheFagottisten kammertönige Instrumente ver- wendeten, die umeinenTon tiefer als die chortönigen Domorgeln klangen und daher transponierende Stim- menbenötigten,während dieMehrheit derMusiker ihre Instrumente verschiedenen Stimmungen adaptie- ren konnte oder vonHaus aus imChorton stehende Instrumente verwendete. Ersteres trifft zweifelsfrei auf Trompeten,Hörner undPauken zu, deren Spieler ihre Instrumente stets der gefordertenStimmungbzw. Tonart anpassenmussten. Letzteres trifft klarerwei- 88AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES-1.2.AXd 522, vollständige Übertragung im vorliegenden Band S. 182f. 147
back to the  book Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult"
Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musik am Dom zu Salzburg