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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 148 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis se auf die Orgeln zu, vermutlich aber auch auf die Streichinstrumente, eventuell auf die Posaunen der Thurnergesellen undwohl auch auf das üblicherwei- se in der Bassgruppe verwendete Fagott. Zwar ist es – zumal beiVerwendung vonDarmseiten – nicht ausgeschlossen, die Streichinstrumente im Umfang eines Ganztons zu verstimmen; als eine dauerhaft befriedigendeLösungwäre ein solchesVorgehen hin- gegen vermutlich nicht akzeptiert worden. Speziell für die Verwendung imDom vorgesehene und dort aufbewahrte Instrumente stellen demgegenüber eine unkomplizierteAlternative dar. Bei den 1822 inventarisierten Instrumentenmag es sich zumTeil umÜbernahmen aus den Beständen des aufgelöstenHofs gehandelt haben, wie es für eine als unbrauchbar qualifizierte Violine „mit dem Zei- chenH:G:“89 sowie für ein „Violoncell samtBogen, rückwärtsmit derHarrachWappen“90 relativ sicher zutreffen dürfte. Doch legen gerade die identifizierba- renÜbernahmen vomHof nahe, dass der Instrumen- tenfundusamDomsichgroßteils aus anderenQuellen speiste, denn das erwähnteVioloncellowar 1806 als „entbehrlich“ aus demFundus der „brauchbarenmu- sikalischen Instrumente“ ausgeschiedenworden, und dieErwähnung einerViolinemit demZeichen „H:G:“ in den Dommusikbeständen gegenüber elf derartig markierten Instrumenten amHof zeigt eben, dass ei- ne systematischeÜberführung des Instrumentariums vomHof an den Dom nicht stattfand. Zudem: „16 brauchbahreViolini“, wie es 1822 heißt, hätten die 89Vgl. dasVerzeichniß der Musikalischen Instrumente, mit demam8.Dezember 1804 dieÜbergabe an denKurfürst- lichenResidenzinspektor dokumentiertwurde und in dem 11Violinenmit demZeichen „H.G.“ angeführt sind.Viel- leicht lässt sich das Zeichen als „auf denHeilig-Geist Chor gehörig“ auflösen.Hintermaier:Die SalzburgerHofkapelle, S. 547. 90Im Inventar von 1804 unter den Violoncelli: „detto, von Mayer, mit Harrachischen Wappen ohne Bogen.“ Ebd., S. 548. Das Instrument dürfte ein Pendant zu dem ebd. geführtenKontrabassmit demHarrach’schenWappen sein, das heute unter der InventarnummerB 12/30 imSalzburg Museumaufbewahrtwird.Vgl.Birsak,Kurt/Anneliese Birsak: „Katalog der Zupf- und Streichinstrumente im CarolinoAugusteum“, in:KarlEhrenfellner (Schriftlei- tung):Gambe –Cello –Kontrabass undKatalog der Zupf- und Streichinstrumente imCarolino Augusteum. Jahres- schrift [des SalzburgerMuseumsCarolinoAugusteum] 42 (1996), Salzburg: Carolino Augusteum 1996, S. 72–215, hier: S. 198–200,Abb. S. 195. Restbestände des Hofs nach 180691 gar nichtmehr hergegeben. Zwar lässt sich dennoch aus einem Inventar der erstenHälfte des 19. Jahrhunderts nicht umstandslos auf die Praxis des 18. Jahrhunderts schließen, doch deutendieRepertoireentwicklung sowie die institutio- nellen und personellenKontinuitäten generell darauf hin, dass im erstenViertel des 19. Jahrhunderts die Dommusik zunächst einmal in alterTradition fortge- setztwurde, zumal sichamoffiziellenStatusdesDoms als Sitz desMetropoliten nachColloredosWeggang undunterderVerwaltung einesAdministratorsnichts geändert hatte.Gerade für die politischwechselvolle Zeit zwischen 1800undder 1823 erfolgtenErnennung ErzbischofAugustin Johann JosephGrubers erschei- nen umfangreicheNeuanschaffungen nicht plausibel, während sich dieAufführungspraxis amDom in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts imSpiegel dererhaltenenMusikalienals selbstverständlicheFort- setzung der bis dahin gepflogenenUsancen darstellt. Insofern stellt das Inventar von 1822 ein zumindest überausplausiblesMusterzurRekonstruktiondermu- sikalischenPraxis amDomauch im18. Jahrhundert dar. NebenderbesondershohenZahlan„brauchbahren“ Violinen, die eine (wenngleich unwahrscheinlich er- scheinende)achtfacheBesetzungeinerStimmeerlaubt hätte, ist es vor allemdieExistenz von „2 grosse[n] ViolinFutterallen,wovon jedesFutterall 4Violinen faßt“, die sich ausnehmend gut in dasBild eines ei- gens für denDombestimmten Instrumentariums fügt. Diese Futterale befanden sich 1822 „Auf demgrossen Chor, in 2Kästen“92 undwurdenoffenbarnichtmehr zur Aufbewahrung vonGeigen benutzt, von denen sich zu dieser Zeit 14 „auf dem s:g: HofChor“ befan- den – ein klares Zeichen, dass dieVierfach-Futterale Relikte aus einer früheren Zeit waren, die nun auf demhinterenChor an einemOrt aufbewahrtwurden, wo sie – sperrig, wie sie gewesen seinmüssen – we- 91Vgl. dazudie 1806 amHof angelegten Inventare der „brauch- baren“ und „entbehrlichen“Musikinstrumente, zit. inHin- termaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 552–555. 92AlsAufbewahrungsort fürdiebeidenFutteralehatteFuetsch zunächst den „s:g: H: Geist Chor“ angegeben, die Notiz wurde jedochspäterausgestrichenundnahezugleichlautend bei den auf dem großenChor befindlichenGegenständen auf der linken Blatthälfte ergänzt. Mit dem „Hl. Geist- Chor“ istdie linkeöstlicheVierungsempore,dem„Hof-Chor“ gegenüberliegend, gemeint (→S. 160). 148
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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