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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 149 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium niger störten.93Die einst darin verwahrten zweimal vierViolinen entsprechen exakt der anzunehmenden Standardbesetzung, die sich aus denDommusikalien mit gewöhnlich je zwei Stimmen für Violine I und Violine II erschließt. Zum tatsächlichenGebrauchwaren auf demHof- chor94 ein reichlicherVorrat anViolinen, zweiViolen, einVioloncello95, zweiKontrabässe und zwei Fagotte, dazu das nötige Zubehör wie Bögen, Dämpfer und S-Bögen vorhanden. EinweitererKontrabass befand sich im„RipienChor“,woaucheinPositiv stand.Auf einemderTrompeterchöre, denbeidenwestlichenVie- rungsemporen, befanden sich einPaarPauken sowie je ein „gespehrtesKüstchen“ für einPaarHörnerund ein Paar Trompetenmit allem Zubehör an „Bögen undSatzeln“, teilweise auch dieMundstücke. „In ei- nemKasten in derDomKirche“wurde auch ein Satz PosaunenmitMundstücken bereitgehalten.Dagegen findet sich bezeichnenderweise noch 1822 unter den InstrumentenderDommusiknureineOboe,manrech- nete also noch immermitmindestens einemMusiker, der ein eigenes Instrument zumDienstmitbrachte. Der Instrumentenfundus desDoms entspricht per- fekt denErfordernissen, wie sie sich aus denMusika- lien auch des 18. Jahrhunderts ableiten lassen. Die Oboenwurden aus einemanderen Stimmungssystem (im18. JahrhundertvomHof)hinzugezogen,bei über- durchschnittlichgroßenBesetzungenaucheinweiteres Fagott96, die hohe Zahl anViolinen könnte ebenfalls einRelikt aus dem18. Jahrhundert sein, als es –wie LeopoldMozart schreibt – regelmäßig einenvariablen Überschuss an Violinspielern gab: „Die Oboe und Querflötewird selten, dasWaldhorn aber niemals in 93Überhaupt scheint der große Chor zu dieser Zeit als eine Art ‚Lager‘ für nicht oder nicht regelmäßig gebrauchteGe- genstände gedient zu haben: Dort fanden sich ein Paar „PauckenVella [ev. Schutzbezüge, fahnenartige Behän- ge oder einfachErsatzfelle] samtTragzeug“ undÜberzüge „zumdempfen beÿRequiem“, diverse Futterale,mehrere Streichinstrumente (darunter zweiKontrabässe) großteils ohne Bögen, ein Fagott in „franz: Stim¯ung“, die beiden großenViolinfutterale sowie ein Saitenfutteral. 94Zur Situierung der verschiedenenChöre→S. 159f. 95Ein anderesVioloncello bewahrte Fuetsch leihweise bei sich zuHause auf. 96Daher bedeutete für das noch 1822 auf dem großen Chor aufbewahrte Fagott in französischer Stimmung dieAnga- be derselben das entscheidenende Charakteristikum;mit ihmkonnten bei Bedarf die transponiertenFagottstimmen ausgeführtwerden. derDomkirche gehöret.[97]Alle dieseHerren spielen demnach in derKirche bey derViolinemit.“98 5.4.1 Streichinstrumente Violine,Viola AlsTeil des „Kirchentrios“ gehörenViolinen gemein- sam mit der Orgel zum instrumentalen Grundbe- stand einer jeden Figuralmusik, sowohl bei der ei- gentlichen Salzburger Dommusik als auch bei aus anderenAufführungskontexten stammendenMusika- lien der Sammlung. Ihr Gebrauch ist so allgemein, dass sich an ihmpraktisch keineBesonderheiten ei- ner Salzburger Aufführungspraxis aufzeigen lassen. Wenige konzertantePassagen sowie der gelegentlich beiKarl HeinrichBiber,Matthias SiegmundBiechte- ler und JohannErnstEberlin anzutreffendeEinsatz als „Violini unisoni“ stellen selteneAusnahmen vom konventionellenGebrauch dar. In einem einzigenFall besetzte Karl Heinrich Biber neben einem „Violino ordin:“ auch ein „ViolinoPicolo“ [!], das in Scordatur notiert ist (A 787). Einen seltenenEinblick in spielpraktischeBelange gewährt dasMagnificat A 719 von Giuseppe Lolli: In denViolinstimmenfindet sich alsAnmerkung zu einemAkkordgriff derHinweis: „Mit demDaumen“. Die heute ganz ungewöhnlich erscheinende (und auch imSalzburgdes 18. Jahrhunderts offenbar nicht allge- mein geläufige)Technik desDaumengriffs ist gleich- wohl in derMusik der Zeit nicht völlig singulär. Sé- bastien deBrossardweist bereits um1710 in seinen handschriftlich überliefertenFragments d’uneMétho- de de violon darauf hin, dass der Daumen nie zum Greifen der Saiten verwendetwerden dürfe, was ver- muten lässt, dass er diese ‚Unart‘ beimViolinspiel kannte.99NachdemderDaumengriff in Jean-Marie Leclairs Premier Livre de Sonates (1723) erstmals explizit verlangtwird, taucht er überwiegend in fran- zösischenQuellenwiederholtauf, istabernochvorder Jahrhundertmitte auch inFrancescoAntonioBonpor- 97BeidessolltesichunterFürsterzbischofHieronymusColloredo ändern. 98[L.Mozart]: „Nachricht von demgegenwärtigen Zustande“, S. 195. 99Rônez-Kubitschek,Marianne:DieViolintechnik imWan- del der Zeit. Die Entwicklung derViolintechnik inQuellen- zitaten.VondenAnfängen bisPierreBaillot 1835, 2Bände +Audio-CD,Wien u. Berlin: LitVerlag 2012, (Musik. For- schung undWissenschaft, 3), Bd. 2, S. 591. 149
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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