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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 153 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium denOberstimmenmitViolinen besetzt. In zwei der fünf Handschriften sind explizit Viole „da braccio“ gefordert, in einemFallViole „da braccio ô gamba“. Für dieBassstimmedesViolensatzes sind immerAl- ternativbesetzungen vorgeschlagenwie „BassoViola ô Gamba“ oder „Viola Basso ô vero Fagotto“ oder auch „Organo ôViola“. Sofern neben einerBassviola aucheineViolonestimmeausgeschriebenwurde(A-Sd, A 212), gibt diese denBass rhythmisch vereinfacht wieder. InHeinrich IgnazFranzBibers doppelchöriger Jo- sephslitanei (A-Sd,A 435)wird neben zweiViolinen einViolensatz113 verlangt, der in denTuttistellen ge- meinsammit der 2.Violine, demPosaunenchor und demBassColla parte-Funktion übernimmt.DerVio- line II kommt dabei eineMittlerrolle zu, indem sie in denTuttiteilen alsOberstimme einesweitgehend colla parte zumChor I geführten 3-stimmigen Vio- lensatzes fungiert, während die drei übrigenViolen einen zweiten, demChor II zugeordneten Satz bilden. Die Stimme fürVioline II unterscheidet sich in dieser Funktion nur dadurch vonViola I, dass sie imVio- linschlüssel notiert ist, während jene – entsprechend der durch sie verstärktenStimme–denSopranschlüs- sel vorgeschrieben hat. In den solistischenTeilen der Abschnitte III („Sancta Maria“) und IV („Sancte Joseph,Christo nascenti praesens“) bilden hingegen dieViolinen gemeinsammit denViolen I, II und III einen Streicherchor, dem„in derArt der ‚klassischen‘ Gliederung nachKlanggruppen“114mit den beiden Clarinen unddenPosaunen einBläserchor gegenüber gestellt ist. EinRegina coeliKarlHeinrichBibers (A-Sd,A165) weist ebenfalls noch einen kompletten Streicherchor zurColla parte-Verstärkungauf.DieStimmenbezeich- nungen sindmodern, nicht aber die Stimmenauftei- lungmitVioline, zweiViolen undViolone.Notentext und Schlüsselung wiederholen den Vokalsatz. Ana- chronistisch (unddadurch inBezugaufdieHerkunfts- tradition erhellend) ist auch die Stimmenbezeichnung auf demautographenUmschlagtitel, auf demdieVio- line und die beidenViolen als „3Viole“ zusammen- gefasst sind. Als Pendant zu den Streichern gibt es 113SchlüsselungC-1, C-3, C-4, C-3, C-4. 114Zu möglichen Zuordnungen der Instrumentalstimmen zu den beidenVokalchören vgl.Hintermaier: „Vorwort“ zu DMS9, S.XI. noch den vollständigenBläserchormit Zink und drei Posaunen. Ohne die ‚modernen‘ Violinen kommt Biechteler in einemMiserere (A 1308) aus, indem er gemein- sammit Sopran, Alt undTenor drei Violen in den Vokalstimmen entsprechender Schlüsselung führt; zu- sätzlich gehenmitAlt, Tenor undBass auch die drei Posaunen115 colla parte. Die beiden ‚unvollständi- gen‘ Instrumentalchöre ergänzen einander also zum vollständigen vierstimmigen Satz.DemStreicherchor ‚fehlt‘ gleichsamuntendieBassviola,währendderBlä- serchor oben ohne den noch eineGeneration früher selbstverständlich verwendeten Zink auskommt. Bis um 1725 sind Streicherbesetzungenmit zwei Violen, häufig in der italienischen Stimmendisposi- tion116mit zweiViolinen, zweiViolen undBass (Vio- loncello/Violone), regelmäßig anzutreffen. Selten er- scheint eine Differenzierung nach Alt- und Tenor- Viola explizit in der Stimmenbezeichnung117, mitun- ter ist sie in der Schlüsselung präsent. Nach 1725 überwiegen bereitsBesetzungenmit nur einerBrat- sche, Stimmensätzemit zweiViolastimmenoder einer für zwei Spieler geteilten Stimme sind nach der Jahr- hundertmitte selteneAusnahmen, insbesondere inden genuin für dieDommusik entstandenenWerken.118 Viola da gamba Stimmen fürGamben sind in der Sammlung nur in wenigen Ausnahmefällen vorhanden, und zwar aus- schließlich inWerken aus nicht-salzburgischenKon- texten.Das einzige dieserWerke, das sich anhanddes Catalogus Musicalis tatsächlich als demRepertoire der Dommusik zugehörig erkennen lässt, das Offer- torium„Justus ut palma“ von JohannCasparKerll (A209), schreibtmitderStimme„BassoViolaôGam- ba“dieGambealsAlternative füreinansonsten inder 115Die Stimme trb 2 fehlt heute imMaterial. 116Schmid: „Zur Genese des vierstimmigen Streichersatzes“, S. 356–359. 117A-Sd,A 1472, A 1309, A 1306, A 826, A 54, A 86, A 109, A 79,A 1270. 118Insofern fällt auf, dassunterdenwenigen inSalzburg erhalte- nenWerkenDomenicoFischiettismitüberwiegendgeteilten Bratschen, die vomKomponisten als „Violette“ bezeichnet werden, zwei für die Praxis amSalzburgerDomuntypische Elemente aufscheinen, die offensichtlich aus anderenAuf- führungskontexten nach Salzburg ‚importiert‘ worden sind; zumindest für dieProbemesse (A 1131), mit der er sich sowohl inDresden als auch in Salzburg beworben hat, ist dieser Zusammenhang erwiesen. 153
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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