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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 155 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium musikalische Leitungsfunktionen zumindest zeitwei- lig vomVioloncello aus verrichtet. In einigenFällen finden sich in den Sonaten bezifferteVioloncellostim- men123, was auf die gleichePraxis hindeuten könnte. Biber, der seine erste Anstellung bei Hof als Violi- nist erhalten hatte124, entwickeltemehr als irgendein andererKapellmeister amSalzburgerHof ein gewis- sesNaheverhältnis zumVioloncello, was auch daran ersichtlich ist, dass er denweitaus vielfältigstenGe- brauch von dem Instrumentmacht. Auffallend ist, dass alleMaterialien, die die Stim- menkombination vonVioloncello-/Direktionsstimme aufweisen, in der ersten Jahrhunderthälfte – überwie- gend wohl um 1730 – entstanden sind; das betrifft auchWerkevonKomponisten, diewieEberlin (Abbil- dung 5.5 auf der nächsten Seite) oder Lolli noch über die Jahrhundertmitte hinaus tätigwaren.Dass später generell nur noch selten Violoncellostimmen ausge- schriebenwurden, bedeutet nicht zwingend, dass das Instrument nichtmehr verwendetwordenwäre. Viel- mehr ist davon auszugehen, dass dasVioloncello als Teil der Bassgruppeweiterhin zumEinstz gekommen sein kann. Ein konkreterHinweis auf diese Praxis fin- det sich etwa in einer Litanei JohannErnst Eberlins (SchieEb39,A403),wo inDirektions- undOrgelstim- meim„Coelesteantidotum“ein„SoloconVioloncello“ vorgeschrieben ist.EineeigeneStimmefürVioloncello ist nicht vorhanden, in derViolonestimme findet sich jedoch an dieser Stelle derHinweis „S:[olo]“, was in diesemFall dasMitspielen desVioloncellos aus einer der zahlreichen dieBasslinie enthaltenden Stimmen (Orgel, Violone, Fagott) belegt. Diese Praxis ist vom früheren 18. Jahrhundert derBiber-/Biechteler-Zeit bis ins 19. Jahrhundert sporadisch auch durchMehr- fachzuweisungeneinzelnerStimmendokumentiert,die nahelegen,dassdasVioloncellounterUmständenmin- destens aus den Stimmen für Violone (z.B. A 158) undFagott (A 461,A 707)musiziertwurde. Aus demAnstellungsdekret desHofvioloncellisten Luigi Zandonati ist zu erfahren, dass dieser „als Ba- setlist [!] zurHof=undDom=Musik“125 bestellt war. Auch seinVorgängerAntonioFerrariwar verpflichtet, dass er sich„überall,wounsereHof-Capelle erscheinet 123U.a.A-Sd,A828,A845,A846,A848,A849,A850,A858, A 859. 124Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 29. 125Ebd., S. 467. mit alleinigerAusnahmder beyHofe abzuhaltenden Ballen jederzeit willig gebrauchen lasse“126, was dem Wortlaut nach denDommit einschloss. Für den letz- tenHofvioloncellisten Joachim Joseph Fuetsch, der alsNachfolger Zandonatis 1791 angestellt wurde, ist schließlich derEinsatz imKirchendienst evident, da er nach Auflösung des Hofs in der Dommusik ver- blieb,wo imBesoldungsstandPlanstellen für je einen Violoncellisten und einenViolonisten vorgesehenwa- ren.127SeparateVioloncellostimmenbleibenhingegen nach 1800weiterhinAusnahmen imBestand, unter Fuetschs zahlreicheneigenenAbschriftengibt eskeine einzige. Wiewenig dasVioloncello in der SalzburgerDom- musik strukturell verankertwar, bestätigt ein imJahr 1827 eingereichterVorschlag über den erforderlichen Personalstand bei größerenFestenmitRipien-Chor, wo es heißt: „1Violonzelist. /:entbehrlich und ohne fühl- barenAbgang schon lang keinermehr ver- wendet:/“128. Violone Nahezu durchgängigwird die Stimme für das tiefste Streichinstrumentmit „Violone“ bezeichnet.Gemeint wardamitwohl schon indererstenHälftedes18.Jahr- hunderts – bei allembaulichenVariantenreichtum– ausschließlich ein 16-Fuß-Instrument, also imGrun- de ein Kontrabass immodernen Sinn: ein stehend oder allenfalls auf einem hohen Sitz (aber nicht in Gambenhaltung) gespieltes Streichinstrument einer baulichen„Mischform“mitdominierendenElementen derGambenfamilie129, „dessenHauptaufgabe eswar, die Baßstimme nachMöglichkeit eineOktave tiefer darzustellen“130.Dass es sichbeim„Violone“derSalz- burger Stimmenumeinen großen 8-Fuß-Streichbass der Violinfamilie, also den „seit dem zweiten Drit- tel des 17. Jh. in Italien dominierenden Violonety- 126Ebd., S. 106. 127AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd 262:Künftiger Personal- undBesoldungsstand derMusi- ker, undDiener für die Salzburger Domkirche, Abschrift Laxenburg, 21. Juni 1807. 128AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd 263 (28/2). 129Planyavsky,Alfred: [Art.:] „Kontrabaß“, in:MGG2, Sach- teil, Bd. 5, Sp. 581–593, hier: Sp. 582. 130Birsak: „Gambe –Cello –Kontrabass“, S. 48. 155
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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