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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 158 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis lich auch „zweyBäss“139 – derBassgruppe angehörte (→S. 128). In lediglich 20Materialienwurden zwei Violonestimmen ausgeschrieben.Noch seltener treten gegenEnde des 18. Jahrhunderts zusätzlicheViolone- stimmen in transponierterNotation auf, die nahele- gen, dass in diesenFällen –möglicherweise, weil eine außergewöhnlich großeBesetzungsstärke angestrebt wurde – ein kammertöniges Instrument derHofmusik zumEinsatz kam. 5.4.2 Orgeln Diemusikalische Aufführungspraxis am Salzburger Dom im17. und 18. Jahrhundert ist untrennbar ver- bundenmit dem einzigartigenEnsemble der vierMu- sikeremporen in derVierungmit ihrenPfeilerorgeln. AuchdafürhatteErzbischofWolfDietrichdenGrund- stein gelegt, als er das Amt eines Hoforgelmachers einführteunddamitdenRahmenfürzweiJahrhunder- te überregional bedeutsamenOrgelbaus in Salzburg schuf.140 Bereits zur Domweihe 1628 waren zwei – sehr wahrscheinlich einmanualige – Orgelwerke an den beiden östlichen Pfeilern fertiggestellt, 15 Jah- re später wurde das Ensemble durch zwei weitere, symmetrisch zu den bestehendenWerken errichtete Orgeln komplettiert.141 Eswird angenommen, dass die erstenPfeilerorgeln mitResten der nach demBrand des altenDomes ab- gebrochenenälterenOrgelwerke errichtetwurdenund daherbereits1668„ganzundgar insabkommengerat- hen, und theils darvon gar nit zubrauchen“142waren, sodass sie abdemletztenDrittel des 17. Jahrhunderts erneuert werdenmussten.143Offenbar blieben aber diePfeilerorgeln bis 1755, als derHoforgelmacherRo- 139Rainer: „Adlgasser“, S. 210. 140DasFolgendenachWalterskirchen,Gerhard: „Orgelbau“, in:JürgStenzl/ErnstHintermaier/GerhardWalters- kirchen (Hrsg.):SalzburgerMusikgeschichte. VomMittel- alter bis ins 21. Jahrhundert, Salzburg u.München: Pustet 2005, S. 364–370. 141Walterskirchen,Gerhard: „ZurBaugeschichte derPfei- lerorgeln.Fakten,ThesenundHypothesen“, in:ErnstHin- termaier etal. (Hrsg.):Die Innenansicht des Salzburger Domes. Kupferradierung vonMelchiorKüsell (um 1675). [Kommentar zumFaksimile], Salzburg: Pustet 1992, S. 21– 25, hier: S. 21. 142Ebd.mitVerweis aufSLA,Domkapitelprotokoll vom23. Juli 1668, fol. 262v. 143Lediglich fürdie sogenannteHoforgel ist einVertragüberden Umbau, der 1677 vonHoforgelmacherChristophEgedacher vorgenommenwurde, erhalten, sodass vorsichtige Schlüsse hinsichtlich der Disposition derWerkemöglich sind. Vgl. ebd., S. 22mitVerweis auf SLA,AlteBauaktenC IV, 5. chusEgedacher dieWerke grundlegend erneuerte und u.a. vier neueManuale fertigte, einmanualig. Erst ab diesemZeitpunkt dürften die beiden östlichenOrgeln jeneDisposition erhalten haben, die in einemKosten- voranschlagMatthiasMaurachers aus demJahr 1830 als zweimanualigmit 14Registern (Hoforgel) bzw. 13 Registern (Heilig-Geist-Orgel) beschriebenwird.144 Nach 1830 wurden an den Pfeilerorgeln wiederholt diverseReparaturendurchgeführt –anscheinendohne dass sich derenZustand dadurch nachhaltig verbes- serthätte. 1859wurdendieEmporensamtdenOrgeln während einer umfassendenRenovierung desDoms komplett abgetragen. Dass die vier Pfeilerorgeln jemals gemeinsam ge- spielt wurden, lässt sich aus den imDommusikarchiv überliefertenMusikalien praktisch nicht entnehmen. Dasmag daran liegen, dass dasGros derHandschrif- ten eine ab demzweitenViertel des 18. Jahrhunderts verfestigteMusizierpraxis repräsentiert, für dieMehr- chörigkeit allenfalls noch einehistorischeRanderschei- nung gewesen ist, und dass für die frühere Zeit eine beträchtlicheÜberlieferungslückezwarnichtzwingend anzunehmen, gleichfalls aber auch nicht auszuschlie- ßen ist. Siehtman von einer Abschrift von Johann CasparKerllsOffertorium„Justus ut palma“ (A209) ab, zu demvier identischeOrgelstimmen ausgeschrie- benwurden, fehlen imgesamtenMusikalienbestand Stimmensätzemit vier odermehrOrgelstimmen.Al- lerdings ist nicht auszuschließen, dass dieOrgelstim- men inKerllsKompositionmöglicherweise anderwei- tig verwendet wurden, da dasMaterial weder eine DirektionsstimmenochStimmen fürdie sonst zumeist besetztenBassinstrumenteViolone undFagott ent- hält.Der Stimmensatz zu einem ebenfalls vonKerll stammenden „Triumphate sidera“ (A 210)weist ne- ben zweiOrgano- und einerOrgano-Ripieno-Stimme weitere ‚Orgelstimmen‘ auf, die durch zeitgenössische Angaben vonAlternativbesetzungen (Viola, Theorbe, Fagott) eindeutig als allgemeineBassstimmen erkenn- barwerden.Gerechnetwurde im letztenFall anschei- nendmit derAusführungan zweiVierungsorgelnund einemPositiv, das imPresbyterium zurChorbeglei- tung verwendetwurde (→ S. 161). DieseDisposition ist imDommusikarchiv gelegentlich nachzuweisen.145 144Ebd., S. 22 mit Verweis auf Konsistorialarchiv Salzburg (=AES),Domorgel 1/56. 145A-Sd,A 124,A 210,A 212,A 218,A 1217,A 1239. 158
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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