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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 161 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium spricht – entweder, weil diese sich erst nachAnferti- gung derKupferradierung zurKonvention verfestigte, oder, weil dieDruckvorlage eine korrekteAbbildung der Situation darstellte, die durch denDruckprozess seitenverkehrtwiedergegebenwurde – letztereVermu- tungwirddurchdenLichteinfall vonder vorgeblichen Nordseite her gestützt.158 Spekulativ sindÜberlegungen zur genauenPlatzie- rung des meistgenutzten, für die alltäglicheMusik- praxiswichtigstenOrgelinstrumentes imDom, eines Positivs, das imPresbyteriumaufgestellt und damit das Zentrum der Chorbegleitung war. Solche klei- nen Standorgeln sind schon im 16. Jahrhundert an diversen SalzburgerKirchen sowie amHof nachgewie- sen159 undwerdenwohl auch imDomzumEinsatz gekommen sein.Nachweislichwar einPositiv in der Mitte des 17. Jahrhunderts vorhanden, daAndreas Hofer 1668 in einer Eingabe dessen schlechten Zu- stand bemängelte.160 1721 führte JohannChristoph Egedacher imDomeineReparaturder „kleinenOrgel bei der Sakristei“161 durch, 1755wurdedasChorposi- tiv anlässlich einerÜberholung der Pfeilerorgeln von JohannRochusEgedacher gereinigt.162 InKüsells Radierung ist eineGruppe von Instru- mentalisten im Presbyterium auf der rechten Seite dargestellt, die sichumeinekleineStandorgel scharen. Dass damit imunterenChor insbesondere derOrga- nistmitBlick zum(hier linksdargestellten)Prinzipal- Chor diesemgegenüber platziert ist, stellt eineMusi- ziersituation dar, die –wenn sie auch in vielemvon späterenGepflogenheiten abweicht163 – imHinblick auf die Kommunikation zwischen denChören auch für dieMusikpraxis des 18. Jahrhunderts zumindest plausibler erscheint als eineAufstellung, bei der die 158Hahnl: „DieKupferradierung alsKunstwerk“, S. 11. 159Walterskirchen,Gerhard:Orgeln undOrgelbau in Salz- burg vomMittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 JahrenOrgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation,Uni- versität Salzburg 1982, S. 42f. 160Ebd., S. 55. 161Ebd., S. 93. 162Ebd., S. 106. 163Ausführlich zur Interpretation der Radierung imHinblick auf die dargestellteMusizierpraxisHintermaier, Ernst: „Die Musizierpraxis am Salzburger Dom im 17. und 18. Jahrhundert“, in:ErnstHintermaier etal. (Hrsg.):Die Innenansicht des Salzburger Domes. Kupferradierung von MelchiorKüsell (um 1675). [Kommentar zumFaksimile], Salzburg: Pustet 1992, (Veröffentlichungen zur Salzbur- gerMusikgeschichte, 4, zugl.Schriftenreihe des Salzburger Konsistorialarchivs, 2), S. 14–20, hier: bes. S. 18f. Musiker imPresbyteriumdemKapellmeister auf der Empore steil über sich hätten folgen sollen. EineUm- kehrung der gesamten Szene auf demmutmaßlich sei- tenverkehrt zu lesendenKüsell-Stich könnte demnach in den grundlegendenAspekten jenerMusiziersitua- tion entsprechen, diewohl im gesamten 18. und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein imSalzburgerDom anzutreffenwar. Wie derDomchor das eigentlicheRückgrat derMu- sik inderMetropolitankirchewar, somussdasPositiv imPresbyteriumals dieHauptorgel für denmusikali- schenAlltagangesehenwerden, die auchdannzurBe- gleitungdesChorgesangs zumEinsatz kam,wennauf denEmporen nichtmusiziert wurde. Ein Zeugnis für diese Praxis ist ein imBestand erhaltenesOrgelbuch (A1016), das eineBegleitstimmezusechsMessenund einemRequiemvonStefanoBernardi enthält unddas –wie dasChorbuch, in demdieVokalstimmen zuden genanntenKompostionennotiert sind–wohlvondem IngrossistenGeorgMoser stammtund damit die Pra- xis umdieMitte des 17. Jahrhundertswiderspiegelt. Es enthält imWesentlichen nur die jeweilige Bass- stimmemitmarginaler Bezifferung bzw. die jeweils melodieführende Stimmebei kanonischenEinsätzen desChores. Aus den 1720er-Jahren hat sich ein gleichartiges Orgelbuch von derHand desDomstiftsorganisten Jo- sephBalthasarHochreiter (A 1252) erhalten.Dieses enthält ebenfalls die (in diesemFall ausführlich be- zifferte)Begleitstimme zu einigenMessenBernardis, aber auch vonOrlando di Lasso und IgnazioDonati. Die Individualisierung einerAbschrift, wie sie sich in derBezifferungdurchHochreitermanifestiert, könnte einHinweis darauf sein, dass derlei Stimmbücher sich für gewöhnlich imprivatenBesitz derOrganisten be- fandenunddahernur inEinzelfällen inderSammlung überliefert wurden. Selten findet sich allerdings auch der Fall, dass, wie imFall vonKarlHeinrichBibersTeDeum „à 4 Voci daCapella“ (A1577), neuesRepertoire fürChor ohne Solostimmen komponiert und die begleitende Orgelstimme als Organo ripieno bezeichnet wurde, womit auch in diesemFall dasChorpositiv gemeint war. Unter anderem ist aus demHoforgelmacherdekret, mitdem1785JohannEvangelistSchmidzumNachfol- 161
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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