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5.4 Instrumentarium
Abbildung 5.7:Aria pastoria „Achwas liegt in dieserKrippen“, Stimme „CornuPastorella“, A-Sd,A 1769.
„Büchel“ in einwindiger Schleifenform in Frage; ein
solches Instrumentwurde 1855 vomSalzburgerMu-
seumCarolinoAugusteum erworben undwird heute
auf „Anfang 19. Jh.“264 datiert. Wenn auch dieses
Szenario grundsätzlich denkbar ist, so bleibt es doch
insofern unbefriedigend, als die Stimme gleichsam
gegen das Idiom des Instrumentes gesetzt ist, das
sie zugleich evozierenmöchte. Nicht auszuschließen
ist insofern dieMöglichkeit, dass die Stimmemit ei-
nemgewöhnlichenOrchesterhorn dargestellt wurde.
In diesemFall wäre das „CornuPastorella“ lediglich
ein Topos, auf den in Imitation des volkstümlichen
Originals durch dasOrchesterhorn verwiesenworden
wäre, wie dies etwa auch vonKlavierstücken eines al-
penländischenPastoraltypusbekannt ist, „der die auf
kürzere Instrumente, für die 1,20mbis 2,30mLänge an-
gegebenwerden.Vgl.Geiser, Brigitte:DasAlphorn in
der Schweiz, Bern: Verlag Paul Haupt 1976, (Schweizer
Heimatbücher, 177/178), S. 13.
264Das Instrument ist als „Alphorn in As“ unter der Signa-
tur 26/1 katalogisiert und hättemit einer Länge von 320
cm die erforderlichen Dimensionen. Vgl. Birsak, Kurt:
„DieBlechblasinstrumente imSalzburgerMuseumCarolino
Augusteum“, in: Jahresschrift [des Salzburger Museums
Carolino Augusteum] 22. Mit Berichten über die Jahre
1975–1976, Salzburg: CarolinoAugusteum1977, S. 7–35,
hier: S. 24. demAlphorn spielbarenTonfolgenvonQuart-,Quint-
und Sextsprüngen bevorzugt“265. Anders verhielte
es sich hingegen mit einem Instrument von halber
Länge.VolkstümlicheHirtenhörner in dieserTonlage
sind über großeTeile Europas verbreitet und decken
sichweitgehendmit frühen bildlichenDarstellungen
desAlphorns.266Ein „Alphorn in g“mit einer Länge
von 157 cm ist alsNr. 26/10 imBestanddesMuseum
CarolinoAugusteumüberliefert, wird allerdings auf
„Ende 19. Jh.“ datiert.267Mit einem solchenwäre die
Stimme im bequemen Tonbereich zwischen dem 3.
und 8.Naturton auszuführen, einzig dieTöne a2 und
h2 imerwähntenTakt21sind imNaturtonvorratnicht
vorhanden undmüssten –wohl unter Inkaufnahme
von tonlichen und intonatorischenMängeln – durch
geschicktenAnsatz vomBläser gegen dieNatur sei-
nes Instrumentes erzwungenwerden.Unmöglich sind
solche bläserischenOperationen (zumal imAdagio)
265Jung, Hermann/Hans Engel: [Art.:] „Pastorale“, in:
MGG2, Sachteil, Bd. 7, Sp. 1505.
266Geiser:DasAlphorn,Tafelabbildungen5, 6, 7, 9und11–16.
267Birsak: „DieBlechblasinstrumente“, S. 25.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur