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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 179 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium seinerEigenschaft alsHofgeigermitwirkte. Ersteres legt LeopoldMozarts oben zitierte Formulierung na- he, zweiteres erschließt sich ausKarl HeinrichBibers Ordnung von 1746274, wo auf dem Prinzipal-Chor „3. Trombonisten“ verortet werden, im „Anderten Chor“ unter denViolinisten amEnde aber auch der „Thurnermaister“ geführtwird. Für den Untersuchungszeitraum sind die Stadt- thurnermeister durchgängig belegt: Um1651wurde ein Johann Lebl als Hofmusiker angestellt, der spä- testens ab 1669 auch dasThurnermeisteramt beklei- dete. Am 15. April 1696 wurde dieses Amt auf Le- bels eigenenWunsch an seinen Sohn Johann Joachim Lebl übertragen.275 Als dieser einenMonat später heiratet, wird er alsThurnermeister und „Mus[icus] Aul[icus]“276 bezeichnet. Er stirbt am12.März 1709 imAlter von 43 Jahren. SeineWitwe heiratet am3. September 1709 JohannBalthasarWidmann (Wide- mann) aus Eferding277, der damit seinerseits Thur- nermeister wird; er stirbt am 7. Juli 1734 imAlter von 65 Jahren. Spätestens ab 1713 hatte JosephBernhardFerner als Geselle beiWidmann gedient, er folgte diesem nachWidmannsTod abSeptember 1734 alsThurner- meister nach.278Bei diesemwiederum trat 1745 der ausStadtsteinach inBayern stammendeThurnermeis- terssohn JohannSebastianVogt alsGeselle inDienst, der imNovember 1752 dieWitwe des imAugust des Jahres verstorbenenFerner ehelichte und dasThur- nermeisteramt zugesprochen erhielt. Dieses hatte er bis zu seinemTod 1808 inne279, wurde aber ab 1806 durch den beimhochfürstlichen Infanterie-Regiment angestellten ersten Oboisten Matthias Kappelmei- er vertreten.280WannKappelmeier abgelöstwurde, konnte noch nicht eruiert werden, spätestens 1825 war jedochPeter Pirkl (Pirchl) der amtierendeThur- nermeister, dermit seinenGesellen „Pinz, Steinhofer, Dion:Mayer undDietz“ Dienste in der Domkirche versah.281 274Ebd., S.XIII. 275Ebd., S. 218,Anm. 1. 276AES,Dompfarre, Trauungsbuch 5, S. 172. 277Ebd., S. 405. 278Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 104f. 279Ebd., S. 444f. 280Ebd., S. 445. 281Vgl. das Gutachten von Joachim Joseph Fuetsch vom 8. April 1825, AES, Dommusikverein undMozarteum, AT- AES1.2.AXd265.ZuDionysMayer→S.358.SowohlMayer als auchPirchlwurden ab 1841 alsViolinisten imOrches- Die Identität der im 18. Jahrhundert beschäftigten Thurnergesellen ist bisher nicht erforscht, mehrere von ihnen haben sich in den Posaunenstimmen der Sammlungmit ihren Initialen und zumTeil kunstvoll verschlungenenMonogrammenverewigt.Diesewur- den, da sie in der Sammlung regelmäßig aufscheinen, in denRISM-Normdatenbestand aufgenommenund sind imBestandskatalog unter derRubrik „Interpre- ten“ aufgeführt. Neben ihremWert als lokalgeschichtlicheDetails kommtdiesen Initialen zudemeinenichtunerhebliche BedeutungfüreinenAspektderMozart-Überlieferung zu. SeitWalter Senn 1962 einen heute alsDepositum des Augsburger Dominikanerklosters in der Staats- und StadtbibliothekAugsburg verwahrtenBestand anMozart-Abschriften als Teil einer nach Leopold Mozarts Tod von dessen Tochter Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg an dasChorherrenstift Hei- ligKreuz zuAugsburg übermittelten Schenkung er- kannt hatte282, ist die Frage nach deren ursprüng- lichemVerwendungskontextwiederholt thematisiert worden. ErnstHintermaier hat zuletzt darauf hinge- wiesen, dass dieAugsburger Stimmensätze exakt der Aufführungskonvention amSalzburgerDomentspra- chen:„Mitkeineranderensüddeutsch-österreichischen Dom-, Stifts- oderKlosterkirchekanneine solcheAuf- führungspraxis,die jeneramDomzuSalzburgähnlich ist und eine ganz präzise Anordnung verschiedener Chor- und Instrumentengruppen auf unterschiedli- cheMusikemporen vorsah, in Verbindung gebracht werden.“283Diese an sich schon stichhaltigeArgumen- tation erhält nundadurch ihre unbezweifelbareBestä- tigung, dassmehrere derAugsburgerAbschriften284 eben genau jene Initialen in denPosaunenstimmen aufweisen, die sich in großer Zahl auch im Salzbur- ger Dommusikarchiv nachweisen lassen. Damit ist nachgewiesen, dass die betreffendenMaterialien nicht ter vonDommusikverein undMozarteumweiterbeschäftigt (→Angermüller: „Künstlerisches Personal“, S. 20–21). Über die anderenThurnergesellen ist nichts bekannt. 282Senn,Walter: „DieMozart-Überlieferung imStift Heilig Kreuz zu Augsburg“, in:Neues Augsburger Mozartbuch, Augsburg: Seitz 1962, (Zeitschrift des HistorischenVereins für Schwaben, 62/63), S. 333–368. 283Hintermaier: „Mozarts Regina Coeli-Kompositionen KV127 und 276“, S. 117. 284D-As, Sign.Hl. Kreuz 1 (KV65): in trb 1 „JPr“ (ligiert), in trb 3 „MH“ (ligiert); Hl.Kreuz 6 (KV257): in trb 3 „IG“; Hl.Kreuz 7 (KV258): trb 3 „IGM“;Hl.Kreuz 8 (KV275): trb 3 „IW“und „IGM“. 179
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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