Page - 185 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Image of the Page - 185 -
Text of the Page - 185 -
6 Die SammlungDommusikarchiv
6.1 ZurGeschichte der
Sammlung
Viele der in Salzburg aktivenMusiker waren kom-
positorisch tätig und schufenMusik sowohl für die
Domkirche als auch für denHof. In Salzburg erhalten
geblieben ist vor allem ihr geistlichesWerk,weil die
für den Hof bestimmtenMusikalien bald nach der
Auflösung des Hofstaates (1806/07) unter bis heu-
te ungeklärten Umständen fast zur Gänze verloren
gingen.Nur demUmstand, dass dasAufführungsma-
terial der für die SalzburgerDomkirche bestimmten
geistlich-liturgischenWerke seit Errichtung derDom-
kirche (1628) ebendort verwahrtwurde, ist es zu ver-
danken, dass es derVernichtung entgangen ist.Heute
sind diesemusikalischenQuellen in denMagazinen
desArchivs der Erzdiözese Salzburg gelagert.
DerGesamtbestand dermusikalischenQuellen des
ArchivsderErzdiözeseSalzburggliedert sichwie folgt:
1. GeistlicheMusik der Salzburger fürsterzbischöf-
lichen bzw. kurfürstlichenHofmusikkapelle von
Ende des 16. Jahrhunderts bis zurAuflösungdes
Hofstaates im Jahre 1806/07.
Während der inChorbüchern notierteBestand
des 17. Jahrhunderts bereits wissenschaftlich be-
arbeitetund imJahre1992 in einemkommentier-
ten und gedruckten Katalog1 vorgelegt wurde,
stammtder inStimmenüberlieferte„Altbestand“
desDommusikarchivs zumgrößtenTeil aus dem
18. Jahrhundert und ist insofern vonbesonderem
Interesse, als darin neben authentischen Quel-
len zumWerkWolfgang AmadéMozarts, Leo-
poldMozarts, Heinrich IgnazFranzBibers und
JohannMichaelHaydns auchWerke vieler ver-
gleichsweise unbekannter SalzburgerKomponis-
tendieserZeitüberliefert sind,diebishermangels
1Hintermaier, Ernst:Katalog des liturgischenBuch- und
Musikalienbestandes amDom zu Salzburg. Teil 2:DieMu-
sikhandschriften undMusikdrucke in Chorbuch-Notierung,
Salzburg: Pustet 1992, (Veröffentlichungen zur Salzbur-
gerMusikgeschichte, 3; zugl.Schriftenreihe des Salzburger
Konsistorialarchivs, 1). Quellenerfassung für die Forschung entweder nur
schwer oder gar nicht zugänglichwaren.
2. GeistlicheMusik der Stadtpfarre
Wie sich erst kürzlich herausgestellt hat, gab
es eine von der Hofmusik unabhängige Grup-
pe vonMusikern, die amDomund an anderen
Salzburger Stadtpfarrkirchen aktiv war. Musi-
kalische Quellen dieser „Stadpfarrmusikanten“
sind vor 1787 kaum erhalten, danach aber fin-
den sich zahlreicheAbschriften, die ihrer Praxis
zuzuordnen sind. Diese Quellen enthalten vor
allemdeutschsprachigeKompositionen, wie sie
nach den kirchenmusikalischenReformenFürst-
erzbischofHieronymusColloredos indenKirchen
gesungenwurden, aber auch lateinischeKompo-
sitionen, wie sie ab demAnfang des 19. Jahr-
hunderts auch anPfarrkirchenwieder verstärkt
gepflegtwurden.
3. Geistliche Musik der Dommusik von 1807 bis
1841
NachderAuflösungderHofkapelleübernahmdie
Dommusik zunächst unter der Leitung des letz-
ten Hofkapellmeisters Luigi Gatti, dann unter
seinen Nachfolgern Matthias Schitra und Joa-
chimJosephFuetsch dieAufgaben anderMetro-
politankirche, während dieAufgaben der Stadt-
pfarrmusikanten an den verschiedenen ihnen zu-
geordnetenKirchenweiterliefenwie bisher.Die
zwischen1807und1841entstandenenQuellendo-
kumentieren dieMusikpflege nach derAuflösung
der Hofkapelle, in der diese jedoch kontinuier-
lichweitergeführtwurde.Die vondenpolitischen
Verhältnissen dieser Zeit geprägte Vorstellung
vomkulturellenNiedergang hat zurVernachläs-
sigung dieser Bestände in der Forschung geführt.
Tatsächlich finden sich aber darin früheQuellen
zu denWerken von JohannMichael und Joseph
Haydn, FranzXaverGruber,WolfgangAmadé
Mozart und vieler bisher noch nicht beachteter
185
Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur