Page - 190 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6 Die SammlungDommusikarchiv
sikpraxis unter sich und sorgte unter anderem für die
Vermehrung derMusikalien, indemer z.B. bis zum
Ende der 20er-Jahre des 19. Jahrhunderts zahlreiche
Werke, vor allemGradualien vonMichaelHaydn und
LuigiGatti, für dieDommusik kopierte. Er ersetzte
Umschläge und versah, als 1828 derAuftrag erteilt
wurde, alleDommusikalien „mit demDomkustodie-
Signete zu bezeichnen“30, zahlreiche, wenn auch bei
weitemnicht alleMusikalien derDommusikmit dem
Kürzel „D:C:“ („Dom-Custodie“). Auch derNachlass
LuigiGattis, der erstAnfang der 30er-Jahre von den
Erben an den SammlerGiuseppeGreggiati verkauft
wurde31, standnocheineZeit langunter seinerObhut.
Als 1841 derDommusikverein undMozarteum ge-
gründet und die Musik an Salzburgs Kirchen neu
organisiert wurde, wurde Joachim Fuetsch pensio-
niert. Damals wurde auch ein neuer Musikalienbe-
standbegründet: dieSammlungDommusikverein und
Mozarteum, die neben demNachlass der SöhneMo-
zarts, Carl undFranzXaver,mit der Signatur „M.N.“
für „Mozart-Nachlass“Kirchenmusikalien, Schulmu-
sikalien, Concert-Musikalien, Quartett-Musikalien,
Gesangs-Musikalienumfassteundnebendenausüben-
denKirchenmusikern auch die neugegründeteMusik-
schuleMozarteummitMusikalienversorgte.Überdie-
senBestand gibt das in großenTeilen vomArchivar
desVereins, demOboisten undChordirektor32Franz
Xaver Jelinek, verfasste Repertorium über die mu-
sikalische Bibliothek desDom=Musik=Vereines und
Mozarteum’s zu Salzburg33Auskunft. Hans Schläger,
der 1861 alsKapellmeister desDommusikverein und
Mozarteumsberufenwurde34, berichtet: „DieKirchen-
musik konnte, inweit sie sich auf dieMesse beschränk-
te, gut genanntwerden. Der ‚Dom-Musikverein‘ ist
imBesitze eines reichen Schatzes der auserlesensten
Werke dieserMusikgattung, die auch stets einewür-
dige, oft ausgezeichneteVorführung, früher und jetzt,
fanden,was ingleicherWeisevonFremdenundEinhei-
musik noch ferner besorgetwerde. Salzb. d. 15 Juny 1824
Fürsterzbischöfl.Domkustodie allda“.
30AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
522, 11. Juni 1828.
31FreundlicheMitteilung von Alessandro Lattanzi (Pesaro).
Die Sammlungwird heute in derBiblioteca ‚G.Greggiati‘
inOstiglia, Italien, aufbewahrt.
32Ab1874.
33AES, o. Sign.
34ErwurdedabeidemsichebenfallsbewerbendenAntonBruck-
ner vorgezogen. mischen anerkanntwurde.“35 Inwieweit Schläger sich
hierauchaufdie imvorliegendenKataloggelistetenäl-
terenBestände desDommusikarchivs bezieht oder ob
indiesemZeitraumnurdieMusikalienderSammlung
Dommusikverein undMozarteum verwendetwurden,
wäreGegenstandweitererUntersuchungen.
In derKirchenmusik aktiv, was unter anderembe-
deutete, in derBeschaffung vonMusikalien tätig zu
sein und somit auch selbst zu kopieren, waren in der
zweitenHälfte des 19. Jahrhunderts jedenfalls auch
dieChordirektorenLeopoldDeisböck (d 1870), Inno-
cenzAchleitner (1832–1880)36 undDomkapellmeister
Johannes PeregrinusHupfauf (1856–1889), aber auch
sein Nachfolger Hermann Spies (1865–1950).37 Ins-
besondere die beidenLetzteren kopierten zahlreiche
Werke aus den Chorbüchern und führten diese so
wieder einer praktischen Verwendung zu. Auch Jo-
sephMessner (1893–1969) setzte dieseTradition fort,
indem er einigeWerke aus demBestand des Dom-
musikarchivs in der von ihmbegründetenReiheAlte
SalzburgerMeister imVerlagBöhminAugsburgveröf-
fentlichte. ZurKatalogisierung der Sammlung trugen
sie nurmehr insofern bei, alsmanche von ihnen ge-
legentlich, aber nicht systematisch, neu erworbene
Musikalien in die Inventare eintrugen.
Am Beginn des 19. Jahrhunderts begannen sich
Sammler fürdieBeständedesDommusikarchivs zu in-
teressieren.Der erste davonwarFerdinand III.,Groß-
herzog von Toskana (1769–1824), der von 1803 bis
1805 alsKurfürst in Salzburg regierte. In dieser kur-
zen Zeit undwohl auch noch etwas später fügte er
seiner Sammlung eine großeAnzahl vonMusikalien
Salzburger Provenienz hinzu, darunter zahlreicheAb-
schriften vonKirchenmusik, vornehmlich vonWerken
JohannMichaelHaydns (1737–1806) undLuigiGat-
tis (1740–1817). Diese Sammlungwird heute unter
demNamenFondoPitti in derBibliothek desCon-
35Angermüller: „Künstlerisches Personal“, S. 13.
36Achleitnerwurde 1864 demChordirektor LeopoldDeisböck
gegen dessenWiderstand als „Vice-Chordirektor“ und Sub-
stitut beigegeben.Vermutlich versah er dieseTätigkeit bis
zurErnennungFranzXaver Jelineks alsChordirektormit
Beginn des Jahres 1874.
37Lauth,Wilhelm: „HermannSpies –Ein SalzburgerDom-
kapellmeister aus dem Rheinland“, in:Mitteilungen der
Gesellschaft fürSalzburgerLandeskunde, 145(2005),S.299–
338.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur