Page - 191 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Image of the Page - 191 -
Text of the Page - 191 -
6.1 ZurGeschichte der Sammlung
servatorio ‚Luigi Cherubini‘38 in Florenz aufbewahrt
(→ S. 314).
Don Nikola Udina-Algarotti (1791–1838)39, ein
Priester ausKrk (Kroatien), lebte von 1824 bis 1835
in Salzburg und arbeitete als Italienisch-Professor
amAkademischenGymnasium.Er kaufte zahlreiche
Musikalien Salzburger Provenienz und kopierte auch,
wie einigeKonvolute zeigen, unter anderemaus dem
Dommusikarchiv.40 Seine umfangreiche Sammlung
wird heute imHrvtski glazbeni zavod (Kroatisches
Musik-Institut) in Zagreb aufbewahrt.41
Der Benediktinerpater Sigismund Keller (1803–
1882) aus derBenediktinerabteiMariaEinsiedeln in
der Schweizwar einer der ersten, der die Sammlung
Dommusikarchiv auswissenschaftlichem Interesse an
der SalzburgerMusikgeschichte frequentierte.Keller
kam 1868 als Chorregent an das Stift St. Peter in
Salzburg und kehrte um 187042wieder in sein Hei-
matkloster zurück. In dieser kurzen Zeit spartierte er
zahlloseWerke vonSalzburgerKomponisten, nahm
aber auch zahlreiche originale Stimmen, zum Teil
auch ganze Stimmensätze, aus demDommusikarchiv
in seinHeimatklostermit, vermutlich, umdieSpartie-
rungsarbeitendort fortzusetzen.Dabei folgte er einem
charakteristischenMuster: InderRegelnahmereinen
Vokalstimmensatz und eineBasso-continuo-Stimme
nachEinsiedelnmit, wobei oft einTeil des Stimmen-
satzes in Salzburg verblieb.Damit ergänzen sich heu-
te zahlreiche Stimmensätze aus beiden Archiven.43
SeineErgebnisse zurMusikgeschichte Salzburgs ver-
38Neumayr/Laubhold: „Gatti and theCollection of Salzburg
Sources“.
39Vgl.Katalinic, Vjera:Nikola Algarotti (Udina) (1791–
1838) und seineMusiksammlung, Dissertation,Universität
Wien 1998.
40Vgl.z.B.LaudaSion/GradualeoSequenza/Per/LaFesta
delCorpusDomini / a /QuattroVoci /DueViolini, / due
Oboe /Due corni, / DueClarinetti / Timpani / violone
/ ed /Organo /DiGiovanniMichaele HaydnMaestro di
concerto / di S. A. R.Arcivescovo di Salisburgo /Tratto
dall’ Originale conservato nell’ Archivio /Musicale della
Metropolitana di dellaCittá /N.oLII./ Li 10. /V. (1832)
D.N.Algarotti (Sign.Nr.LXVII.2U),RISM-Nr.500027087.
41Zu seiner Sammlung vgl.Katalinic:Nikola Algarotti.
42Das imProfessbuch angegebeneDatumderRückkehr, 1869,
ist aus verschiedenen Gründen in Zweifel zu ziehen. Vgl.
Neumayr/Laubhold: „DieQuellen der SalzburgerDom-
musik“, S. 165–166;Henggeler, Rudolf:Professbuch der
Fürstl. Benediktinerabtei U. L. Frau zu Einsiedeln. Festga-
be zumTausendjährigenBestand desKlosters Einsiedeln,
Einsiedeln:SelbstverlagdesStifteso.J. [1937], (Monasticon-
BenedictinumHelvetiae, 3), S. 490–491.
43Neumayr/Laubhold: „DieQuellen der SalzburgerDommu-
sik“. arbeitete er in derAufsatzreiheGeschichtliches über
die nächstenVorfahrenMozarts als Kapellmeister im
FürsterzbischöflichenDom zu Salzburg44.Das Interes-
sevonJosephMantuani45undCarlAugustRosenthal
(1904–1993)46, welche die Bestände des Dommusik-
archivs für Forschungen heranzogen, galt vor allem
denBeständen vor 1700.
ImSommer 1925 fand unter der Leitung desWie-
nerMusikwissenschaftersConstantinSchneider inden
RäumenderdamaligenStudienbibliothek (heute:Uni-
versität, Hauptbibliothek) eine „Musikausstellung“
statt, derenZiel eswar, „ein ziemlich lückenlosesBild
vonderEntwicklung derTonkunst in einer deutschen
Landschaft, von den ältesten erhaltenenDenkmälern
angefangen bis zurGegenwart zu geben“47. Constan-
tin Schneider, zunächst Offizier, dann nach einem
Studium derMusikwissenschaften bei Guido Adler
einer derBibliothekare derNationalbibliothek, war
einer derjenigen, deren wissenschaftliches Hauptin-
teresse in derMusikgeschichte Salzburgs lag.An der
Herausgabe derDenkmäler der Tonkunst in Öster-
reich beteiligt, in denen damals zahlreiche Salzbur-
ger Quellen ediert wurden, führte er einer genauen
Quellen- undDenkmälerkunde48 schon sehr früh das
Wort. 1935 publizierte er seineGeschichte derMu-
sik in Salzburg49, in der er als erster versuchte, „die
Entwicklung des gesamten [...] Musiklebens einer
Stadt“50 nachzuzeichnen. In einerweiterenAusstel-
lung, die 1928 aus Anlass der 300.Wiederkehr der
Domweihe imSalzburgerDomveranstaltetwurdeund
die ebenfalls unter seinermusikwissenschaftlichenLei-
tung stand,wurden zahlreichemusikalischeQuellen
aus demDommusikarchiv ausgestellt. ImKatalogder
44Keller, Sigismund: „Geschichtliches über die nächstenVor-
fahrenMozarts alsKapellmeister imFürsterzbischöflichen
DomzuSalzburg“, in:Zeitschrift für katholischeKirchen-
musik, 4 (1871), Nr. 1, S. 2–33, Nr. 2, S. 19–22, Nr. 3,
S. 26–29,Nr. 4, S. 51–52,Nr. 5, S. 55–57,Nr. 6, S. 63–66,
Nr. 7, S. 72–73.
45Vgl.Hintermaier:Katalog (1992), S. 41, undArtikel „Man-
tuani, Joseph (Josip)“ in:Österreichisches Biographisches
Lexikon 1815–1950 Online-Edition, 〈URL: http://www.
biographien.ac.at/oebl〉 –Zugriff am10.9.2014.
46Rosenthal: „Zur Stilistik“.
47Schneider, Constantin: „Die Musikausstellung in Salz-
burg (Veranstaltet vomMuseumSalzburg: Juli–September
1925)“, in: Zeitschrift für Musikwissenschaft, Oktober
(1925), S. 34–38, hier: S. 34.
48Schneider, Constantin: „ZurOrganisation dermusikali-
schenQuellen=undDenkmälerkunde“, in:Zeitschrift für
Musikwissenschaft, 9/5 (1927), S. 258–269.
49Schneider:Geschichte derMusik.
50Schneider: „ZurOrganisation“, S. 262.
191
Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur