Page - 200 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Image of the Page - 200 -
Text of the Page - 200 -
6 Die SammlungDommusikarchiv
eines [gestrichen: an hinlänglichen Platz] konvena-
blenPla / tzes [Einfügung:] in demDomkirchlichen
Lokal“ bis aufweiteres auch dort verbleiben sollten,
anvertrautworden.84Kurz darauf wurde eine „Inven-
tur der von dem/ seligenKapellmeisterGatti zu=
/ rückgelassenenDom-Musika= / lien“ angeordnet,
die bereits am27.März abgeschlossenwar und deren
Ergebnis vier Tage später von derDomkustodie an
die k.k. Finanzdirektion übermittelt wurde.85Wer
diese Inventur vornahm, geht aus der entsprechenden
Korrespondenz nicht eindeutig hervor; es finden in
diesemZusammenhang aber nur der zumprovisori-
schenLeiterderDommusik ernannteM.Schitra sowie
J. J.FuetschErwähnung.Bei späterenRevisionendes
gesamtenNotenbestandeswaren neben diesen auch
die beiden Domchoralisten Joseph Pohl und Alois
Fuchs beteiligt. Zwei im Sommer und Herbst 1820
von Schitra verfasste Berichte nebst einer Liste der
imDommusikarchiv fehlendenMusikalien scheinen
vonderFinanzdirektion in ihrerRichtigkeitbezweifelt
worden zu sein.86Der von derDomkustodie bereits
imFrühjahrdes Jahres vertretenenAnsicht, dass „die
Musikalien genau / untersucht, nach ihremWerthe /
gehörig ausgeschieden / dann 2 ordentlich / Inventa-
rien hergestelletwer / denmüssen“87, schloss sich die
Finanzdirektion nur zögerlich an. Erst imMärz 1822
erging der endgültigeAuftrag zurAnfertigung zweier
neuerKatalogbände an J. J. Fuetsch.88VierMonate
später, am13.Juli,waren sie fertiggestellt.89Dassder
ältereKatalog als bedeutendeArbeitsgrundlage für
dieseNeuschrift diente, ist evident; einBericht vom
April 1822, in demFuetsch zahlreiche Korrekturen
gegenüber der letzten InventurM. Schitras auflistet,
belegt, dass er in dieser kurzen Zeit nicht nur die
Ergebnisse älterer Inventuren, an denen er bereits
beteiligt gewesenwar, niederschrieb, sonden nun tat-
sächlich eine neuerliche Bestandsrevision vornahm,
84AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
522,Dommusikakten 1817–1836, Schreibenvom12.03.1817,
AdN.o 6060.Die Dom-Musikalien u. Musikinstrumente
betr.
85Ebd., Schreiben vom 01.04.1817, AdN.o 6681.Die Dom-
Musikalien betr.
86Ebd., Schreiben vom22.01.1821.
87Ebd., Schreiben vom29.04.1820.
88Ebd.,Schreibenvom02.03.1822,AndenHofmusikusH[er]rn
JoachimFuetsch dahier.
89CatalogusMusicalis in EcclesiaMetropolitana conscriptus
13 Julÿ annoMDCCCXXII [später hinzugefügt:] ab Joa-
chimo Fuetsch M[anu propria] Chori dirigente, zwei im
Wesentlichen identischeBände,AES, o. Sign,. die sich inFuetschs letztenNachträgen undKorrek-
turen imCatalogus „Gatti“ niederschlug.
6.2.2 DasMusikrepertoire am
SalzburgerDom imLicht des
CatalogusMusicalis
Die vier Bände desCatalogus entstanden innerhalb
eines Zeitrahmens, der jeweils ungefähr 20 Jahre vor
und nach der Säkularisation desErzstiftes Salzburg
überspannt. Damit widerspiegeln die Inventare zu
einemGutteil auch diejenigenEntwicklungen imRe-
pertoire derDommusik, die sichwährend dieser Zeit
des politischenUmbruchs vollzogen. ImVergleich der
EinträgeEstlingers und demZustand desCatalogus
„Gatti“ nachFuetschs letztenErgänzungenwird der
jeweilige Stand derKatalogisierung imAbstand von
etwa 30 Jahren sichtbar.
Tabelle 6.2 auf der nächsten Seite verzeichnet –
geordnet nach der Prominenz der Komponisten im
Catalogus – die Zahl aller von Estlinger bis zu sei-
nemTod 1791 imCatalogus „Gatti“ vorgenommenen
Werkeinträge sowie derenGesamtzahl inklusive der
wichtigstenErgänzungen bis zuFuetschsNeuschrift
desKatalogs 1822. In der letzten Spalte ist die Zahl
dervondenbetreffendenKomponistenheute imDom-
musikarchiv überliefertenMaterialien angegeben, un-
termwurde die jeweilige Schnittmenge zwischen den
Katalogeinträgen undden überliefertenMaterialien
verzeichnet. ‚Problematische‘Zahlenwurden ineckige
Klammern gesetzt und erläutert.
Wie derTabelle zu entnehmen,waren inEstlingers
Katalogursprünglichnur24Komponistenverzeichnet,
vondenenlediglichneunmiteinerHandvollodermehr
Werken vertretenwaren, nur fünfAutoren sindmit
jeweils mehr als zehnWerken vertreten. Diese fünf
Komponisten stellten damit 86%des vonEstlinger
katalogisiertenRepertoires. Insgesamt stammen aber
lediglich 38%aller Einträge vonEstlinger.
Auffallend ist zunächst, dass einerseits dieVerluste
bei den imCatalogus verzeichnetenWerken durch-
schnittlich immittleren einstelligen Prozentbereich
liegen90 und dass andererseits die Zahl der überlie-
fertenMaterialien jene der katalogisiertenWerke na-
90Die 56 unter den insgesamt 1104Einträgen, denen sich kein
Werk imDommusikarchivmehr zuordnen lässt, belaufen
sich auf fast genau 5%.
200
Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur