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6.3 Die verwendetenPapiere und ihreHerkunft
sind, wird die Faserschicht dünner; diese dünneren
BereichezeichnensichspäteralsWasserzeichen imfer-
tigenPapierab.NachdemeigentlichenSchöpfvorgang
wird der noch nassePapierbogen von einem zweiten
Arbeiter, demGautscher, auf einemFilz abgedrückt.
Daher unterscheidet man bei geschöpften Papieren
eine Sieb- und eine Filzseite.Während derGautscher
gautscht, schöpftderSchöpfermit einemzweitenSieb
den nächstenBogen. Die für einen kontinuierlichen
Arbeitszyklus erforderlichen zwei Siebe, die imAllge-
meinenmit nachMöglichkeit identischenWasserzei-
chendrahteinlagen ausgestattet gewesen sein dürften,
nenntmanZwillingsschöpfsiebe.NachdemGautschen
durchläuft dasPapier diverseweitereVerarbeitungs-
schritte, die jedoch für dieWasserzeichenforschung
von untergeordneterBedeutung sind.
Die für eine Identifizierung vonPapieren herange-
zogenenElemente einesWasserzeichens sind:
• Schriftzeichen, die denNamen des Papiermeis-
ters, der Papiermühle etc. inKlartext oder häu-
figer in Initialenwiedergibt oder, wie der in ita-
lienischenPapieren derRegionToscolano häufig
anzutreffende Schriftzug ‚REAL‘, eineQualitäts-
oder Formatangabe beinhaltet.
• Diverse graphische Elemente, die innerhalb ei-
nerPapiermühle oft überGenerationen ‚gleich‘
bleiben und eineArtMarkenzeichen (u.a. auch
zurBezeichnung diverser Papierqualitäten) dar-
stellen, die tatsächlich jedochmehr oderweniger
geringfügig variieren undwie alle anderenWas-
serzeichenelemente selbst bei Zwillingsschöpffor-
men– in forensischemSinne–vonFormzuForm
unterschiedlich sind.
• Stegabdrücke, die ursprünglich nicht als Was-
serzeichenelemente im eigentlichen Sinn aufge-
fasst wurden, die aber genauso „Fingerprint“-
Charakter tragen undwie bewusst angebrachte
Wasserzeichen zur Identifizierung beitragen kön-
nen.
DieDokumentation derWasserzeichen erfolgte zu-
nächst durch dieAnfertigung vonDurchzeichnungen
aufTransparentpapier.Dabeiwurdendie Stegedurch
Striche angedeutet. JedemWasserzeichenwurde eine
eindeutigeBezeichnung zugeordnet, die entsprechend denRegeln vonRISM aus den enthaltenen Schrift-
zeichen (meist Initialen) sowie einer in eckigenKlam-
mernbeigefügten verbalenBeschreibung in englischer
Sprachegebildet ist.Dabeiwurden,umdieWiederauf-
findbarkeit in derRISM-Datenbank zu gewährleisten,
grundsätzlich Initialen und andere Schriftzeichen (so
vorhanden) an denAnfang gestellt. Zeilenumbrüche
sind durch | gekennzeichnet. Erst imVerlauf dieser
Dokumentation wurde erkennbar, dass einige der –
insbesondere Lengfeldener –Wasserzeichen in zahl-
reichenGrößen- und sonstigenVarianten auftreten,
häufigbei gleichbleibenden Initialen.BeiderBeschrei-
bungwurden solche streng unterschieden.Geringfügi-
geUnterschiede inZwillingsschöpfformen(wiez.B.ge-
ringfügigePositionsverschiebungen einzelner Initialen
oder anderer Elemente desWasserzeichens) konnten
jedoch nicht berücksichtigtwerden.
Da mit wachsender Quellendichte eine in exten-
so vorgenommeneUnterscheidung derVarianten zu-
nehmend als weder praktikabel noch im Sinne von
DatierungundProvenienzbestimmungzielführendan-
zusehenwar,wurdederRückbezugauf einen in seinen
Beschreibungsmöglichkeiten umfassenderen externen
Wasserzeichenkatalog unumgänglich.Wir entschlos-
sen uns daher zur Anlage einer parallel zu RISM
geführten separatenWasserzeichendatenbank.Diese
steht seit Frühjahr 2013 imRahmen des internatio-
nalen Projektes „Bernstein – The Memory of Pa-
per“127 frei zugänglich zurVerfügung undbietet ne-
ben den verbalenBeschreibungen sowieAbbildungen
derDurchzeichnungenweiterführende Informationen
zuPapiermachern,zuHerstellungs-undVerwendungs-
daten sowie Literaturnachweise undKonkordanzen
einzelner Papieremit denwichtigstenWasserzeichen-
sammlungen.
Gegenüber dermit derDatenbank gegebenen prin-
zipiellenMöglichkeit, dieWasserzeichen über einen
numerischen Schlüssel zu identifizieren, wurde für
RISMundden vorliegendenKatalog das Systemder
verbalenBeschreibungenaufgrundseinerAnschaulich-
keit beibehalten. Die Referenznummern (Schlüssel)
unsererWasserzeichendatenbankfinden imKatalog
keineVerwendung, da die verbalenBeschreibungen
127Neumayr,Eva/LarsE.Laubhold:RISMSalzburg [Wasser-
zeichensammlung derRISMArbeitsgruppe Salzburg], 2014
〈URL:www.memoryofpaper.eu〉.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur