Page - 262 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6 Die SammlungDommusikarchiv
Fuetsch, Joachim Joseph (12.8.1766–4.5.1852),
der von seiner Zeit als Kapellknabe in den späten
1770er-Jahren bis zurGründung desDommusikver-
ein undMozarteums 1841 als aktiverMusiker in der
Dommusik tätigwar, kommteineüberragendeBedeu-
tung für dieÜberlieferungsgeschichte der Sammlung
zu (zurBiographie→ S. 348). Als Schreiberwar er
spätestens um1800, vermutlich etwas früher, für die
Dom- undwohl auchHofmusik tätig.
Spätestens seit demTodLuigiGattis im Jahr 1817
war er in dieOrganisationdesNotenarchivs derDom-
musik eingebunden, das er zwischen 1817und1822 in
mehreren Schritten reorganisierte und inventarisierte.
Die Ergebnisse seiner Inventur trug er zunächst in
615 ‚Nachträgen‘ in das Exemplar „Gatti“ vonEst-
lingersCatalogusMusicalis ein.Dabei verzeichnete er
auch eine große Zahl anWerken (vor allemvonK.H.
Biber undM. S. Biechteler), die anscheinend nicht
mehr imDomverwendetwurden und daher vonEst-
linger in seinemursprünglichenKatalogentwurf nicht
berücksichtigtwordenwaren, derenAufführungsma-
terialien sich aber noch imArchiv befanden und zum
größtenTeil bis heute erhalten sind. In eine datierte
und signierteNeuschrift desCatalogus von 1822172,
in der anscheinend nur das aktuell in Verwendung
stehendeRepertoire verzeichnetwurde, nahmerdiese
Stücke nicht mehr auf. U.a. durch diesen Katalog
ist die Identifizierung seiner Handschrift gesichert,
die ebenfalls datierte und signierte autographePar-
titur zu einemvonFuetsch komponierten deutschen
Requiem (A 1723) überliefert seine Partiturschrift
im Jahr 1807. FuetschsHand erscheint in 276Manu-
skripten der Sammlung,wobei das Spektrumvon der
Neuschrift von Umschlagtiteln für ältereMateriali-
en über dieAnfertigung vonEinzelstimmen bis zur
Herstellung ganzer Stimmensätze reicht. Vor seiner
Identifizierungwurde seine Schreiberhand als „Schrei-
ber 10“173 und „Lambacher Schreiber 20“174 geführt.
Schriftprobe→ S. 285.
172CatalogusMusicalis in EcclesiaMetropolitana conscriptus
13 Julÿ annoMDCCCXXII [später hinzugefügt:] ab Joa-
chimo Fuetsch M[anu propria] Chori dirigente, zwei im
Wesentlichen identischeBände,AES, o. Sign.
173Schmid:DieMusikaliensammlung der Erzabtei St. Peter,
S. 28.
174Lang, Gerda;Riedel, FriedrichWilhelm (Hrsg.):Zur
Geschichte und Pflege derMusik in der Benediktiner-Abtei
zuLambachmit einemKatalog zu denBeständen desMusi-
karchives, 3Bände,Dissertation,Universität Salzburg 1978,
Bd. III, S. CLV–CLVIII. Gatti, Luigi (1740–1817), hatmehr oderweniger
große Teile von etwasmehr als 100Materialien im
Dommusikarchiv, die zu ungefähr gleichenTeilen auf
fremde und eigeneWerke entfallen, geschrieben. Bei
denAbschriften fremderWerke fällt auf, dass es sich
überwiegend umKompositionen nicht-salzburgischer
Herkunft handelt, was gemeinsammitBeobachtun-
gen zurRepertoireentwicklungumundnach1800den
Verdacht nährt, Gatti habe in seiner Funktion als
Hof- undDomkapellmeister durch „Sondierungsak-
quisitionen“ seineKenntnis kompositionsstilistischer
Entwicklungen außerhalb Salzburgs erweitert.175Un-
ter diesenMusikalien bilden 18Materialien zuWer-
kenWolfgang Amadé Mozarts die größte Gruppe,
wobeiGatti gelegentlich auch nur neueUmschlagtitel
schrieb.176 Schriftprobe→S. 286.
InEinzelfällen gewährenGattis Notate, da siemit-
unter der Notwendigkeit zur Adaptierung fremder
Werke für die SalzburgerPraxis entspringen, Einbli-
cke in ebendiese, wie sie aus denHandschriften pro-
fessionellerKopisten üblicherweise nicht zu gewinnen
sind.Bishernochungeklärt ist die Identität jenerPer-
son,die –alsSchreiber 140 (→S. 274)dokumentiert –
offenbar in engsterVerbindung zuGatti stehend,wie-
derholt gemeinsammitGatti an derHerstellung von
Aufführungsmaterialien gearbeitet undmehrfach von
Gatti begonneneHandschriften zuEnde ausgeführt
hat. ZurBiographie→S. 350.
Gruber, Franz Xaver (1787–1863), ist in der
Sammlungals Schreiber der aus demPfarrarchivHof-
gastein stammendenPartitur seines eigenenTantum
ergoHocG126 (A1782) sowiemit derAbschrift einer
Orgelstimme zuM.HaydnsOffertorium „In te Do-
mine speravi“MH114/115 (A1555) vertreten. Zur
Biographie→S. 350.
Hacker, Benedikt (1769–1829), war im Salzbur-
gerSchreiberkatalogbishernichtbekannt.DerSchrift-
vergleichmiteinemdatiertenundunterfertigtenAuto-
graph177 legt jedochnahe, dass die zahlreichenbisher
175Laubhold/Neumayr: „Repertoire undRepertoireentwick-
lung“.
176ZuGattis Bedeutung für die Vermittlung von Salzburger
Mozart-Quellen andenLeipzigerVerlagBreitkopf&Härtel
sieheGroßpietsch: „Mozart ausGattisHänden?“.
177DieNamensfeyer, eine /Cantate / für 2 Sopran, Alt, Te-
nor undBass, /mit Begleitung des Pianoforte / zumNa-
mensfeste des Herrn Ernst Fürsten / von Schwarzenberg,
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur