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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Page - 309 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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7.1 Die Sammlung FondoPitti in derBibliothek desConservatorio ‚Luigi Cherubini‘ in Florenz Zusätzlich zu denAbschriften enthält die Samm- lungauchmehrereAutographe.WährendLuigiGattis Hand sich, neben drei Abschriften vonWerkenMi- chael Haydns, in 17 Kopien seiner eigenen Werke findet, gibt es vier eigenhändig geschriebeneWerke vonMichaelHaydn, darunter dieMissa Sanctae Cru- cisMH56(F.P.Ch.324/1),dieMissa sub tituloSancti Francisci SeraphiciMH826 (F.P.Ch. 317/1), dasOf- fertorium „DomineDeus“MH827 (F.P.Ch. 317/2) und einTeDeumMH829 (F.P.Ch. 317/4). Letztere drei waren ursprünglich vonKaiserinMarieTherese für denNamenstag ihresMannesKaiser Franz II./I. inAuftrag gegebenworden. JoachimFuetsch steuerte ein eigenhändigesTenebrae zur Sammlung bei. In seiner Dissertation stellt Charles Sherman fol- gendeTheorieüberdieKopierarbeiten fürFerdinands Sammlung auf: „In 1805,ArchdukeFerdinand III of Aus- tria left the regency of Salzburg to assume the title and office of Elector ofWürzburg. At that time, he commissioned themaking of copies of a great number ofHaydn’s com- positions, which he admired andwished to have for his future use.Haydn,whowas ill, did very little toward fulfilling the commis- sion, rather, he made his scores available to several copyists, Lang among them,who produced the majority of manuscripts for the Archduke’s collection. It seems a cer- tainty that Lang used this opportunity to make duplicate copies ofHaydn’smusic for himself. These he organized in a systematic catalog, which, according to theBiographi- sche Skizze, he used to advertise his trade in score copies ofHaydn’sworks.“17 DassdieKopierarbeiten fürdieSammlungdesFürs- ten nicht erst 1805, sondern bereits gleich nach seiner Ankunft imApril 1803 begannen,wurdeweiter oben bereits gezeigt. Die Schlüsse in Bezug auf Nikolaus Langdürftenaufder folgendenPassageausder ersten BiographieMichaelHaydns, der von seinenFreunden Georg Schinn, LudwigOtter undWerigandRetten- 17Sherman,CharlesH.:TheMasses ofMichael Haydn: A Critical Survey of Sources, Dissertation,University ofMi- chigan 1968, S. 17. steiner zusammengestelltenBiographischen Skizze ba- sieren: „In dieserApathie gegen alleVergoldung und Versilberung seiner Produktion liegt wahrhaft die ewigeVerklärung seinesKunst- genie. Destomehr kalkulirten gewinnsüch- tige Copisten darauf. Sie versendeten die Abschriften seiner Meisterwerke weit und breit herum. So kann man wirklich einen Catalog von JohannMichael HaydnsWer- ken imOriginal aufweisen,womit ein gewi- ßer feiler Spekulant zumsichtlichenSchaden des rechtmäßigenEigenthümers indienahen und fernenGegenden handelte.“18 Shermannimmtdementsprechendan,dassNikolaus Lang erstens derHauptkopist für Ferdinands Samm- lung war, dass er zweitens, die Gelegenheit nutzte, doppelt zu kopieren, unddrittens, dass er seineKata- loge derWerkeMichaelHaydns zuVerkaufszwecken erstellte.Keine dieserAnnahmen konnte in unseren Forschungen bestätigtwerden. WährendNikolaus Lang ausschließlichWerke Jo- hannMichael Haydns, darunter vier Messen (I-Fc, F.P.Ch. 303, 308, 309, 310), Gloria und Credo der Missa S.GabrielisMH112 (I-Fc, F.P.Ch. 297) und derMissa St. RaphaelisMH111 (I-Fc, F.P.Ch. 299) und zahlreicheKompositionen für dasPropriumund andere liturgischeAnlässe abschrieb, war er keines- wegs derjenige, der ammeisten für die Sammlung arbeitete.Weitmehr kopiertenFelixHofstätter, der an 74Materialien beteiligt war, und die Schreiber 67 und 67a (Matthias Schitra)19, die gemeinsamzu mindestens 94Konvoluten beitrugen. ShermansVermutung, Lang habewährend derAr- beit für Ferdinands Sammlung doppelt kopiert, hat sich ebenfalls nicht bestätigt:DieBayerische Staats- bibliothek besitztmehr als 200Kopien vonWerken MichaelHaydns von derHandLangs, und nur 10 de- ckensichmitden30WerkenausderSammlungFondo 18[Rettensteiner/Otter/Schinn]: Biographische Skizze, S. 34. 19Schreiber 67a, dessenSchrift vor allemaufgrundderÄhnlich- keit derPausenunddesSchriftduktus vonunsursprünglich für eineVariante des Schreibers 67 gehaltenwurde, konnte vor kurzemals die SchriftMatthias Schitras, desNachfol- gers Gattis im Amt des Domkapellmeisters, identifiziert werden. Da wir die beiden amAnfang unserer Arbeit in Florenz in einigenFällen noch nicht auseinandergehalten hatten, wird er oft gemeinsammit Schreiber 67 genannt. 309
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
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