Page - 310 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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7 Der SalzburgerDomalsAusgangspunkt derVerbreitungmusikalischerQuellen
Pitti.20DieAnnahme, der erste der sechsKataloge21
Langs22 stünde imZusammenhangmit denKopierar-
beiten für Ferdinand, konnte ebenfalls nicht erhärtet
werden, weil mehrereWerke, die er in denKatalog
eingetragenhat, nichtTeil der SammlungFondoPitti
sind, dagegen einigeWerke, die sich in Florenz befin-
den, in diesemKatalog nicht aufscheinen.23Überdies
zeigenmindestens dreiKopienLangs24 inFlorenz die
Wasserzeichen „SALZBURG/HOFMANN“, „HOF-
MANN/SALZBURG“ imUmschlag, sind alsoFranz
HofmanndemJüngerenzuzuweisenundkönnendaher
nicht vor 1814 fertiggestellt worden sein.25DieseKo-
pien sind insofern signifikant, als sie zeigen, dass die
Kopierarbeiten nicht aufhörten, als FerdinandEnde
1805Salzburgverließ.Auchnach jenemdenkwürdigen
Tag imAugust 1806, kurz vorMichaelHaydnsTod,
als „Herr vonManfredini [... ] bei ihm [war] und [...]
ihm100 f douceur von Seiner königl: Hochheit dem
HerrnChurfürsten vonWürzburg [überreichte], weil
HöchstselberseinGradualehatkopierenlassen“26,als
Ferdinand bereits längst inWürzburg dieRegierung
angetreten hatte, wurde in Salzburg für die Samm-
lungFondo Pittiweiterhin aquiriert. Das beweist der
Vermerk auf LuigiGattis autographerPartitur seines
Requiem inC (I-Fc, F.P.Ch. 183), „prodotto li 14Gi-
ugno1808nellaChiesadell’Universitàdi Salisburgo“,
die demzufolge nicht vor der zweiten Jahreshälfte von
1808 in denBesitz Ferdinands gekommen sein kann.
20Bayerische Staatsbibliothek (D-Mbs),Mus.ms. 4149, 4138,
4203 und 452, 4155-1, 4150, 4152, 4153, 4133#Beibd.1,
4137, 3741.
21A-MB, ohne Signatur. (Hier wurde eineKopie im Institut
fürMusikwissenschaft derUniversität Salzburg verwendet
(D2Hay 999a)).
22Bezüglich derKataloge vgl.Sherman:TheMasses ofMi-
chael Haydn, S. 25–31.
23Z.B.dasGraduale„Caromea“MH513(I-Fc,F.P.Ch.341/1),
das Offertorium „Inveni David“ MH 224 (I-Fc, F.P.Ch.
365/1) und andere.
24I-Fc, F.P.Ch. 303, F.P.Ch. 309, F.P.Ch. 352.
25Vgl.Münster, Robert: „Nikolaus Lang und seineMichael-
Haydn-Kopien in der Bayerischen Staatsbibliothek“, in:
ÖsterreichischeMusikzeitschrift, 27 (1972), Nr. 1, S. 25–29.
Münster zeigt ähnliches für einen großenTeil derKopien
Langs in derBayerischen Staatsbibliothek. Er nimmt aller-
dingsdieÜbergabederPapiermühlemit1809anundmeint,
dieKopien seien nicht vor 1809 entstanden.Uns erscheint
erstere Jahreszahl plausibel.
26[Rettensteiner,Werigand/FranzJosephOtter/Georg
Schinn]: „Biographie des SalzburgischenKonzertmeisters
MichaelHaydn von seinenFreunden verfasset [...]“, hrsg.
v.RudolphAngermüller u. Johanna Senigl, in:Mit-
teilungen der Internationalen StiftungMozarteum, (1989),
Nr. 1–4, S. 198–231, hier: S. 222. Alles deutet darauf hin, dass es Felix Hofstätter
war,deralsHauptschreiber fürFerdinandsSammlung
anzusehen ist undder sehrwohl jener geschäftstüchti-
geKopist gewesen sein könnte, den dieBiographische
Skizze erwähnt, wie das bereits 1784 vonWolfgang
AmadéMozart in einemBrief angedeutetwird: „[... ]
wegen der Sinfonie bin ich nicht heiklich, allein die 4
Concerte bitte ich /: bei sich im hause abschreiben
zu lassen :/ denn es ist den kopisten in Salzburg so
wenig zu trauen, als den inWienn; – ichweis ganz
zuverlässig, daß Hofstetter des HaydnMusique do-
pelt copiert – ich habe seine Neuesten 3 Sinfonien
wirklich“27. FelixHofstätter (1744–1814)war, nach
JosephRichardEstlingersTod 1791,wenn auchnicht
dekretierterHofkopist28, so doch einer derwichtigs-
ten Kopisten in Salzburg. Seine Abschriften finden
sich nicht nur imDommusikarchiv (A-Sd), sondern
auch imMusikarchiv derErzabtei St.Peter, Salzburg
(A-Ssp), in derMusikbibliothek derBenediktinerab-
teiMariaEinsiedeln, Schweiz (CH-E), und in vielen
anderenArchiven.Vieles deutet darauf hin, dass er
einen schwungvollenHandelmitMusikalien betrieb.
Dass er jener „Freund“ war, den Maria Anna von
Berchtold zu Sonnenburg in ihrerKorrespondenzmit
Breitkopf&Härtel erwähnt, kannals sicher angenom-
menwerden.29
NebenNikolaus Lang undFelixHofstätter sind es
imZusammenhangmit der SammlungFondoPitti in
Florenz vor allem zwei namentlich nicht identifizierte
Schreiber, nämlich Schreiber 140 und 245, und der
erstvorkurzemidentifizierteMatthiasSchitra (vorher
Schreiber 67a), diedeshalbbesonders interessant sind,
weil sie Einträge in denCatalogusMusicalis gemacht
haben. Zu diesenKopisten vergleicheKap. 6.2.
7.1.1 SalzburgerQuellen in der
SammlungFondoPitti
In der Aufstellung der Kopisten, die in der Samm-
lung vorkommen (→ S. 308), fallen aber auch zwei
Schreiberauf,dieauszeitlichenGründennicht fürFer-
dinand III. gearbeitet haben können: JosephRichard
Estlinger, einer derwichtigsten SalzburgerHofkopis-
27Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.3,
S. 313.
28Vgl.Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 183.
29Großpietsch: „Mozart ausGattisHänden?“, S. 328–331.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur