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7.1 Die Sammlung FondoPitti in derBibliothek desConservatorio ‚Luigi Cherubini‘ in Florenz
ten des 18. Jahrhunderts (u.a. wurde er vonGatti
damit beauftragt, die Inventare zu verfassen), starb
bereits 1791.Schreiber86 istnamentlichnicht identifi-
ziert,die letztenAbschriftenvonseinerHanddatieren
jedoch bereits aus demJubiläumsjahr 1782.
Estlingers Schriftzüge treten inder SammlungFon-
do Pitti in zwei Quellen auf: zum einen gemeinsam
mit jenen der Schreiber 86, 162 undHofstätters in
den Stimmen zuLuigiGattisMissa S. Ruperti (I-Fc,
F.P.Ch. 184), jenerMesse, die dieser kurz nach seiner
Ankunft, noch bevor er definitiv als Hofkapellmeister
angestellt wordenwar, für das 1200-Jahr-Jubiläum
desErzstiftsSalzburg301782verfassthatte, zumande-
ren ineinerSammlungvonPsalmiVespertini (F.P.Ch.
216) LuigiGattis. In beidenFällen schriebEstlinger
den größtenTeil der Stimmen.BeideWerkewurden
von ihmauch in die beidenBände desCatalogusMu-
sicalis eingetragen: dieMesse als dritter Eintrag auf
S. 77 imCatalogus „Gatti“: „III. InCminor solen: a
5 voci in festo S:Ruperti à 2 corni 2 oboe 2Trombe
Timp:“, die Psalmen als vierter Eintrag auf S. 65:
„IVVesperae integrae inB solennes, 2 oboe 2 corni
2 Trombe, e Timpani:“.Während dieVesper in der
SammlungDommusikarchiv fehlt, haben sich vonder
Missa S. Ruperti Stimmen von der Hand Joachim
Joseph Fuetschs (A-Sd, A 677) und ein originaler
Umschlag von derHandLuigiGattis erhalten.
Die Tatsache, dass sich mit jenerMissa S. Ru-
perti originale Stimmen aus dem Dommusikarchiv
in Florenz befinden, während sich imDommusikar-
chiv eine spätere Abschrift von Fuetsch samt dem
originalenUmschlag erhalten hat, ist bezeichnend für
dieTransaktionen, dieAnfang des 19. Jahrhunderts
durchgeführtwurden.
Grundsätzlich hatte derHofkapellmeister, also Lui-
giGatti,dieAufsichtüberdasNotenarchiv,unddamit
musstenauchalleKopiaturenundÜbergabenvonihm
bewilligt werden.MariaAnnaFreifrau vonBerchtold
zu Sonnenburg schrieb am18. Juni 1801 – nicht ganz
frei von einer gewissen xenophobenGrundhaltung –
anBreitkopf&Härtel:
„MeinFreund in Salzburg schriebmir zu
meinen grösstenVerdruß, dass ihmnun der
Capelmeister,dieSerenata ilSognodiScipio-
ne und die opera il Re pastore, kurz alle die
30Vgl.Eder: „LuigiGattis Rupertusmesse“. Abbildung7.1:UmschlagderMissaS.Ruperti von
L.Gattimit autographemUmschlagtitel (A-Sd,
A 677).
Musickalien, so er ihm ehevor versprochen
hat nun ablaugnet, und sich entschuldigt,
dass er sie nichtmehr findet.Nunweis ich
nichtwas ich denkenmuß, hat er vielleicht
die compositionenmeinesBruders schonwo
anders hin verschickt, oder, da er ein Italie-
ner ist, will er vielleicht für das herleihen
ein present haben, oderwas er für eineAb-
sicht hat begreife ich nicht, da diejenigen
Werke someinBruder in Salzburg für dem
Fürstl: Hof gemacht hat, kann ich Ihnen
nicht verschafen, wenn sie derCapelmeister
nicht hergebenwill, da sie nur bey hofCo-
pirter, und bei meines BrudersWittwe in
der Spart zu finden sind, [...].“31
Für die Sammlung des Fürstenwar das Stimmen-
material zurMissa S. Ruperti, dieMesse zumgroßen
Jubiläum des Erzstifts 1782 und gleichzeitig Luigi
Gattis erste Messe für Salzburg, sicherlich ein in-
teressantes Objekt: Man darf annehmen, dass das
31Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.4,
S. 405f.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur