Page - 352 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Personenverzeichnis
einesDenkmals für seinenLehrer undFreund. Seinen
Broterwerb verschaffte ihm zunächst derDienst als
Chorgeiger imStiftNonnberg, ab 1786 eineTätigkeit
bei der SalzburgerWaisenhausdruckerei, 1796wurde
er Buchhalter derMayrischen Buchhandlung. 1803
machte er sichmit einer eigenenMusikalienhandlung
selbstständig, die jedoch trotz des offensichtlichenEn-
gagementsHackers indenpolitischundwirtschaftlich
unsicherenVerhältnissen nach der Säkularisation des
Erzstiftes Salzburg nicht florierte. Wirtschaftlicher
Misserfolg undSchuldengelten alsGrund fürHackers
1829 gewähltenFreitod in der Salzach.
Hackers musikalisches Talent muss nicht unbe-
trächtlich gewesen sein, denn zu denFeierlichkeiten
zum27. und 28.WahltagFürsterzbischofColloredos
in den Jahren 1798 und 1799 erklang je eines seiner
Werke bei Hof, seineKarnevalsoperList gegen List
oderDerTeufel imWaldschloss von 1801wurde über
zwei Jahre imFasching öffentlich aufgeführt. Zahlrei-
che seinerKompositionen (v.a.Vokalwerkegeistlicher
oder gesellig-weltlicherNatur) erschienen großteils in
Salzburg überwiegend bei derMayrischenBuchhand-
lung oder imEigenverlag imDruck, die handschrift-
licheÜberlieferung erstreckt sich von Sarnen in der
Schweiz über den süddeutsch-österreichischenRaum
bis nachPrag. ImSalzburgerDommusikarchiv haben
sich drei seinerWerke erhalten, von denen aber nur
einEcce SacerdosMagnus / zum feyerlichen Einzuge
/ Seiner Hochfürst: Gnaden / des / Hochwürdisten
Herrn Erzbischofes / von / Salzburg /AugustinGru-
ber / den 25März 1824 / für denDom=Chor auf 4
Singstimmen / inMusik gesetzt / von /Bened: Ha-
cker (A1706)ursprünglich fürdieMetropolitankirche
bestimmt gewesen sein dürfte.86 Seine bisher nicht
hinreichend gewürdigte Bedeutung als Notenkopist
wurde erst im Zuge der RISM-Katalogisierung des
Dommusikarchivs erkannt, als sichdieSchriftzügeder
bisher anonymenSalzburger Schreiber 9 und 20 als
Ausprägungen vonHackers Schreiberhand identifizie-
ren ließen;→S. 262.
86DieDeutsche LitaneiA 1745 trägt denBesitzvermerk: „Ad
chorumMüllensem“,dasDeutscheRequiemA1760 stammt
aus demBesitz J. B.Weindls, der es vermutlich als Stadt-
pfarrchorregent inGebrauch hatte, wurde nach dessenTod
aber unter der Signatur „K[irchen]M[usikalien] 89b“ in das
RepertoiredesDommusikverein undMozarteums integriert.
Vgl.Repertorium, S. 59. Hafeneder, Joseph (1746–1784)87, war ab 1767
unbesoldeterAkzessistundab1769Hofviolinist inder
SalzburgerHofmusikkapelle, nachdemer bereits 1768
dieViolin-Instruktion amKapellhaus übernommen
hatte. Ab 1776 begann er, sich vermehrt der Kom-
position zuwidmen, und schrieb u.a. Violinkonzerte,
Kammermusik undmehrereKirchenkompositionen,
die in den Archiven zahlreicher Klöster überliefert
sind.88 Im Dommusikarchiv haben sich von seiner
Komposition neben einemOffertorium für dasKlos-
terMaria Loreto (A 1139) auch eine Lauretanische
Litanei (A 1138) erhalten.
Hauner,Norbert (1743–1827), wirkte als Pfarrer
derKlosterkirche Frauenchiemsee und in einigen um-
liegendenPfarren.Erwar der ursprünglicheVerfasser
derMelodien zumGesangbuchDer heilige Gesang
zumGottesdienste89, das 1781 und 1783 in Salzburg
gedruckt und 1782 für alle Pfarrkirchen verpflichtend
eingeführtwurde. JohannMichaelHaydn überarbei-
tete 1790 die zweiteAuflage und ersetzte einigeMelo-
dien durchNeukompositionen.90
Haydn, Joseph (1732–1809), istmit einigenWer-
ken in derReiheAdesDommusikarchivs vertreten.
Andieser frühenVermittlung dürfte seinBruder Jo-
hannMichael, der als Konzertmeister, Hoforganist
und geschätzter Komponist in Salzburg lebte, eini-
gen Anteil gehabt haben. Er war es, der mehrere
Werke seines berühmtenBruders für den Salzburger
Gebrauch adaptierte (vgl. dasGloriaA1158 „Prolon-
gato daMich:Haydn“), und erwar es auch, dermit
den erstenAufführungen derSchöpfung91 eine Serie
von Aufführungen großerWerke Joseph Haydns in
Salzburg in dieWege leitete, die letztlich auch zum
Aufkommen eines bürgerlichenKonzertwesens in der
Stadt beitrugen.
Haydn, Johann Michael (1737–1806)92, kam
nach einer Zeit als Kapellknabe in St. Stephan in
87Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 159–163.
88Ebd., S. 159–162.
89MGG2, Personenteil, Bd. 8, Sp. 871f.
90Schmid/Eder: „L.Mozart – W.A.Mozart – M.Haydn“,
S. 280.
91Laubhold/Neumayr: „...WasmeinBruder in seinenChö-
ren“.
92MGG2, Personenteil, Bd. 8, Sp. 1095–1103.Croll/Vössing:
JohannMichael Haydn.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur