Page - 353 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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WienunterGeorgReutterd. J. undalsKapellmeister
des Bischofs vonGroßwardein (Oradea, Rumänien)
1763alsKonzertmeister indieSalzburgerHofmusikka-
pelle.1782wurdeer inderNachfolgeWolfgangAmadé
Mozarts zumHoforganisten ernannt undmit derKla-
vierinstruktion amKapellhaus beauftragt. Obwohl er
amBeginnseinerTätigkeit inSalzburgzunächst inan-
derenGattungenkomponierteund inden60er-Jahren
imBereichderKirchenmusikvorallemkleinereWerke
entstanden, war es vor allem seineKirchenmusik, die
ihn berühmtmachte. Seine erste größereMesse, die
Nicolai-MesseMH109 und 154, schrieb JohannMi-
chaelHaydn indieserZeit fürdieAugustiner inMülln.
Die ersteGelegenheit, mit einer größerenKomposi-
tion zu reüssieren, bot sichHaydnEnde 1771, als er
in nur zweiWochen dasRequiem für Fürsterzbischof
Sigismund Christoph Graf Schrattenbach MH 155
komponierte.Mit dessenNachfolgerHieronymusCol-
loredo tratdieKirchenmusik insZentrumvonHaydns
Schaffen.Wurde er zunächst vermehrt dazu herange-
zogen, dieMusik für hoheFeste amSalzburgerDom
zuschreiben(soentstandenz.B.1776eineSakrament-
slitanei für das 40-stündigeGebetMH228, 1777 die
Hieronymus-Messe und für die große 1200-Jahr-Feier
desErzbistums1782dieRupertus-MesseMH322), so
erhielt er 1783 vonColloredo denAuftrag, die bis da-
hinüblichen Instrumentalstücke zwischenEpistel und
Evangelium durchVokalkompositionen zu ersetzen.
So entstand bis 1791 ein Gradualienzyklus für alle
Sonntage des Jahres, der sich rasch verbreitete und
HaydnsReputation in der lateinischenKirchenmusik
begründete. Diese war auch der Grund für zahlrei-
che Aufträge von außerhalb Salzburgs, die um die
Jahrhundertwende in denKompositionsaufträgen der
KaiserinMarieTherese (1772–1807) ihrenHöhepunkt
fanden. In der Folge entstanden dieTheresienmesse,
dieFranziskusmesse samtGraduale, Offertoriumund
TeDeum unddasRequiem inB für dasKaiserhaus,
das allerdings unvollendet blieb. Ersterewar derAn-
lass für eine Reise nachWien, bei der Haydn nicht
nur seinenBruder besuchte undwiedersah, sondern
auch seinen „Vetter“ JosephEybler undFranzXaver
Süßmayr traf,waswiederumdie ersteAufführungdes
Mozart’schenRequiems in der Kirche der Erzabtei
St. Peter in Salzburg am 14. November 1801 nach sich zog.93Auch in dermit demHirtenbrief von 1782
an allenPfarrkirchen verpflichtend eingeführten deut-
schenKirchenmusikwurden JohannMichaelHaydns
Werke zumVorbild. Nachdem sichWiderstand gegen
die ersteAusgabe desGesangbuchsDer heilige Ge-
sang zumGottesdienste (1781) geregt hatte, wurde
Haydnbeauftragt, die zweiteAuflage zu bearbeiten,
wobei ermancheMelodien durchNeukompositionen
ersetzte und einige hinzufügte (1791). In der Folge
komponierte er, nicht zuletzt fürdieSalzburgerStadt-
pfarrmusikanten, zahlreichedeutscheKirchenwerke in
einem schlichten, vonTerzen undSexten dominierten
Satz für zweiOberstimmen undBass, gegebenenfalls
durch Streicher oder Bläser erweitert, die zumVor-
bild für eine Kirchenmusik wurden, wie sie bis ins
letzteDrittel des 19. Jahrhunderts inPfarrkirchen ge-
pflegtwurde.Während dieAutographeHaydns nach
seinem Tod zu einem großen Teil von Fürst Niko-
laus II. Esterházy erworbenwurden und heute in der
Széchényi-Nationalbibliothek inBudapest und in der
Bayerischen Staatsbibliothek inMünchen aufbewahrt
werden, ist dasDommusikarchivHauptfundort für au-
thentische Stimmenabschriften jenerKompositionen,
dieHaydn fürdieMetropolitankirche geschriebenhat.
Hochreiter, JosephBalthasar (16.4.1669–14.12.
1731)94, wurde als Sohn desDomchoralistenKaspar
Hochreiter in Salzburg geboren.Auch seinGroßvater
war bereitsDomchoralist. Er besuchte das Salzburger
Kapellhaus sowie dasUniversitätsgymnasium; über
weitereStudien istnichtsbekannt.Wohlspätestensab
169495war er als Stiftsorganist imBenediktinerstift
Lambach tätig. Als solcher hatte er neben sämtlichen
Gottesdienstenauch regelmäßigbeiTafelmusikenmit-
zuwirken undwar zurVorlage entsprechender eigener
Kompositionen aufgefordert. Von seinen 21 erhalten
gebliebenenKompositionen sind vier imSalzburger
Dommusikarchiv überliefert96, zwei solenneVesper-
musiken erschienen1706 resp. 1710beiDanielWalder
in Augsburg in Druck.Wiewohl er seinWirken in
93Neumayr/Laubhold: „Quellen zur Rezeption des Requi-
ems“.
94Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 174–178.
95Deinhammer, Peter: Joseph Balthasar Hochreither (1669–
1731). EineBiographie.Mit besonderer Berücksichtigung
seinesWirkens imBenediktinerstift Lambach, Saarbrücken:
SüdwestdeutscherVerlag fürHochschulschriften2008,S. 24.
96A208 (JBH10),A 1143 (JBH7),A 1144 (JBH9),A 1145
(JBH12); vgl.Werkverzeichnis in ebd., S. 69–89.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur