Page - 358 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Personenverzeichnis
1762.128 ImVergleichzu seinenVorgängernundNach-
folgern ist sein kompositorischesWerk eher klein,was
sich auch imEintragLeopoldMozarts in seinerNach-
richt von dem gegenwärtigen Zustande derMusik Sr.
HochfürstlichenGnaden [. . . ]129 spiegelt: „Vicekapell-
meister: Herr Josef Lolli ausBologna in Italien, war
vorherTenorist. Er hat außer einigenOratorien für
dieKammer fast gar nichts, für dieKirche aber etli-
cheMessen undVesperpsalmen geschrieben.“Heute
sindvonLollisWerken17Messen, zweiAgnusDei, 23
Vesperkompositionen, sechs Litaneien, zwölf kleinere
kirchenmusikalischeWerkeundetwaeinDutzendKir-
chensonaten erhalten.Nachzuweisen sind dazu eine
Missa Paschalis und einOratorium Il Giacobbe, das
1745amHoftheaterderResidenzaufgeführtwurde.130
InderLiteraturwirdLolli alsdurchschnittlicherKom-
ponist beschrieben, eineNeubewertung seinesWerkes
steht allerdings aus.
Lotti,Antonio (1666–1740),warOrganistundKa-
pellmeister an SanMarco inVenedig und namhafter
Komponist vonKirchenmusik undOpern.Wie sein
Graduale „In omne tribulatione“, das einzigeWerk
Lottis, das im Dommusikarchiv erhalten ist131, in
die Sammlung kam, erfahren wir von LeopoldMo-
zart, der dasWerk 1777 zweimal in denBriefen an
seinen Sohn erwähnt: „Sontag den 2tenNov[ember]:
das gradualewar nicht vomHaydn, sondern von ei-
nem italiener, Haydn hatte es einstmals vomReitter
seel: bekommen.“132Dadas einzige in der Sammlung
überlieferteGraduale eines auswärtigen italienischen
Komponisten eben jenes von Lotti ist,muss es das-
selbe sein, dasMichaelHaydn von seinemLehrer bei
den Sängerknaben,GeorgReutter d. J. (1708–1772),
erhalten hatte unddas er später für den Salzburger
Domabschreiben ließ. Das bestätigt LeopoldMozart
in seinemBrief vom 13. Nov. 1777: „das Graduale
in Contrapunto so mir so wohl gefahlen, war vom
berühmten längst verstorbenenMaestro Lotti.“133
128Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 232–237.
129[L.Mozart]: „Nachricht von demgegenwärtigen Zustande“,
S. 184.
130DeFeo/Hochradner: „GiuseppeFrancesco Lolli“.
131A-Sd,A 1329.
132Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.2,
S. 97.
133Ebd., Bd. 2, S. 113. Madlseder,Nonnosus (1730–1797), besuchte zu-
nächstdasGymnasiuminHall inTirol, dannsetzte er
seine Studien imAugustinerchorherrnstift Polling bei
WeilheimundamBenediktinergymnasium inFreising
fort. 1749 trat er alsNovize in dieBenediktinerabtei
Andechs ein, legte 1750 dort die Ordensgelübde ab
undwurde 1754 zumPriester geweiht. In Andechs
war er Schüler des Komponisten undMusiklehrers
P. Gregor Schreyer (1719–1767), der seinemUnter-
richtdieKontrapunktlehredesWienerHofkapellmeis-
ters Johann Joseph Fux zugrunde legte. Zwischen
1765 und 1771 gabMadlseder vier Sammelwerkemit
eigenenKirchenwerken imDruck heraus. Zu seinen
Schülern soll CasparEtt (1788–1847) gezählt haben,
der zwischen 1797 und 1800 Singknabe imKloster
Andechswar.134 SeinBruder Joseph vonMadlseder
(1740–1805)war ab 1804 alsBassist in der Salzburger
Hofmusikkapelle angestellt.135
Malzat, JohannMichael (1749–1787), besuchte
das Gymnasium in Kremsmünster und ist danach
in den Stiften Lambach (1771) und Stams (1778–
1780) nachgewiesen.Nach einemkurzenAufenthalt
inBozen (1780/81) kehrte er nach Stams zurück. Er
starb als Chordirektor der Dreifaltigkeitskirche in
Innsbruck.136 SeinBruder IgnazMalzat (1757–1804)
war 1774 bis 1775Hofoboist in Salzburg.137
Mayer, Dionys (1795–1879), wurde inVilshofen
(Bayern) geboren138 undwar spätestens 1825Thur-
nergeselle unter dem Thurnermeister Peter Pirchl
in Salzburg.139 Ein ihm zugeschriebenes Segenlied
(A 1665) in einerAbschrift BenediktHackers ist spä-
testens 1829 entstanden.Am16.8.1841wurdeMayer
als 15.Angestellter desDommusikverein undMozar-
teums alsMusiker undLehrer fürKontrabass (sowie
aushilfsweise für Violine, Viola, Violoncello, Flöte,
134Münster, Robert: „Thematisches Verzeichnis der erhal-
tenen Kompositionen von P. Nonnosus Madlseder OSB
(1730–1797) aus der Abtei Andechs“, in:GünterWeiß
u. a. (Hrsg.):Musik in bayerischen Klöstern I. Beiträge
zur Musikpflege der Benediktiner und Franziskaner, Re-
gensburg: GustavBosse Verlag 1986, (Schriftenreihe der
Hochschule fürMusik inMünchen, 5), S. 225–257.
135Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 240f.
136MGG2, Personenteil, Bd. 11, Sp. 933f.
137Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 242f.
138Angermüller: „KünstlerischesPersonal“, S. 551: Filzhofen.
139Vgl. einGutachten Joseph JoachimFuetschs vom8.April
1825 (AES,AktenDommusikverein undMozarteum,AT-
AES-1.2.AXd 265).
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur