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außerdemKapellmeister vonSt. Stephan. ImSalzbur-
gerDommusikarchiv ist ermit einerMesse und einer
Litanei vertreten.167
Reischl, ThomasAlois (1. H. 19. Jh.). Reischls
Werke sind in den imDommusikarchiv überlieferten
Materialien (sowohl inmutmaßlichen Autographen
als auch inAbschriften durch die Stadtpfarrchorre-
genten Franz de Paula JosephWeindl und dessen
Sohn Johann BaptistWeindl) häufig nur mit dem
Kürzel „T.A.R.“ (seltener auch„A.R.“) gekennzeich-
net. DieNamensidentifizierung erfolgte aufgrund des
MaterialsA 1705mit demTitel:Militär-Amt. / a /
3Voci / 2 clarini / Tympanj /Violone / e /Orga-
no /Di Th. Alois Reischl. /Weindl.AlsKomponist
ist Reischl derzeit ausschließlich durch die überliefer-
ten, zwischen 1807 und 1835 datiertenMaterialien
nachweisbar.Dass er identisch istmit einem1760 in
Salzburg geborenen und 1835 ebenda verstorbenen
ThomasAloisReischl, dessenBiographie keinerleiBe-
zug zurMusik aufweist, lässt sich allenfalls vermuten.
Dieserwar1788alswirklicherAuditorlieutenantbeim
hochfürstlichenKriegsrath, 1815 als Stadtgerichtsas-
sessor und1818 als ersterRegistrant beimStadt- und
Landgericht in Salzburg tätig und erteilte ab 1808
stenographischenUnterricht amPriesterseminar.
Reutter,Georg (d. J.) (1708–1772),war ab1738
erster Kapellmeister an St. Stephan in Wien und
als solcher für dieDomsängerknaben verantwortlich.
In dieser Funktion war er der Lehrer Joseph und
JohannMichaelHaydns. 1751 übertrug ihmKaiserin
Maria Theresia die alleinige Verantwortung für die
gesamte Kammer-, Tafel- und Kirchenmusik; 1769
wurde er zum ersten Hofkapellmeister ernannt.168
Von ihm sind fünfMessen inC imDommusikarchiv
erhalten.Dass derTransfer vonMusik nach Salzburg
gelegentlich überReutter und seinen Schüler Johann
MichaelHaydn erfolgte, ist für dasOffertorium„In
omne tribulatione“ von Antonio Lotti durch einen
Brief LeopoldMozarts belegt (→ S. 358).
Rodewald, JosephKarl (1735–1809). In Seitsch
beiGlogau geboren,wurde er nach seiner Studienzeit
inBerlin bei FranzBenda zunächstKonzertmeister,
167MGG2, Personenteil, Bd. 13, Sp. 1526f.
168MGG2, Personenteil, Bd. 13, Sp. 1591f. späterKapellmeister inKassel.169 Sein berühmtestes
Werk istwohl einStabatmater, dasauch inderSamm-
lungDommusikarchiv vorhanden ist. Obwohl es nun
derA-Reihe zugeordnet ist (A1337undA1562), sind
zumindest die Instrumentalstimmen eine Abschrift
von Anna Fröhlich170 und dürften 1874 mit ihrem
Nachlass an denDommusikverein und Mozarteum
gekommen sein.
Rösler, Gregor (1714–1775), Augustinermönch
u.a. in denKlösternRegensburg und Seemannshau-
sen (Niederbayern),wo er 1764 zumSubprior ernannt
wurde.Erwirkte alsOrganist undKomponist, dessen
Werke (v.a.Messen undLitaneien) z.T. inDrucken
verbreitet waren.171. Drei seiner Litaneien sowie zwei
Messen sind in der Sammlung in Abschriften, die
aber nicht der eigentlichen Dommusik zuzuordnen
sind, überliefert.
Runcher, Giovanni Battista (9.3.1714–
21.2.1791)172, geb. in St. Leonhard imGadertal, war
Organist und Komponist und wirkte ab 1750 bis
zu seinem Tod als Domkapellmeister in Trient.173
Eine im Dommusikarchiv überlieferte Sammlung
nicht-salzburgischer Provenienz von 39 kleinen
geistlichen Kompositionen (A 1344) enthält vier
Runcher zugeschriebeneTantum ergo.
Rust,Giacomo (1741–1786), inRomgeborenund
in Barcelona gestorben, folgte Domenico Fischietti
imAmt des Hofkapellmeisters, das er am 12. Juni
1777 antrat und bis 16. Februar 1778 innehatte. Er
studierte zunächst inNeapel amConservatorio della
169Hoffmann, Carl JuliusAdolph:Die Tonkünstler Schlesi-
ens: EinBeitrag zurKunstgeschichte Schlesiens vomJahre
960 bis 1830, Breslau:Aderholz 1830, S. 367–368.
170Anna (genanntNannette) Fröhlichwar Sängerin,Gesangs-
lehrerin und Pianistin in Wien und die älteste der vier
SchwesternFröhlich, die imZusammenhangmitdemFreun-
deskreis Franz Schuberts, aber auchFranzGrillparzers in
dieMusik-undLiteraturgeschichteeingingen.Sievermachte
ihrenNachlass demDommusikverein undMozarteum.
171Focht, Josef (Hrsg.):BayerischesMusiker-LexikonOnline,
〈URL: http://www.bmlo.lmu.de/〉 – Zugriff am11.06.2013,
(zuRösler siehe denEintrag r0703).
172Flotzinger:OEMLonline.
173Hermann-Schneider, Hildegard: Musik in Tirol.
Grundzüge ihrer Geschichte von der Zeit Kaiser
Maximilians bis zum Ende der k. und k. Monar-
chie. II/2: Musik in Pfarrkirchen, 〈URL: http://
musikgeschichten.musikland-tirol.at/content/musikintirol/
musikinkloesternusw/musik-in-pfarrkirchen.html〉 – Zugriff
am18.06.2013.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur