Page - 369 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Image of the Page - 369 -
Text of the Page - 369 -
dort Chorregent. Ab 1791 war er zusätzlich in der
Hofmusik alsViolonist tätig.214Auch alsKomponist
warWeindl tätig: So verwahrt dasDommusikarchiv
fünf KompositionenWeindls. Für manche anonym
überliefertenWerke kommt er alsKomponist in Fra-
ge. EinigeweitereWerke dürften sich in dembisher
nur teilweisekatalogisiertenBestandDommusikverein
undMozarteum befinden.
Weindl, JohannBaptist (um1781–27.11.1839),
Sohn des Hof- und Domviolonisten und Stadt-
pfarrchorregentenFranzdePaula JosephWeindl,war
1791/92 Sängerknabe in St. Peter, trat 1796 provi-
sorisch in die Stadtpfarrmusik ein, bei der er ab ca.
1801 fix angestellt war und deren Leitung er ab 1812
bis zu seinem Tod übernahm (→ ab S. 87). Eben-
falls im Jahr 1801 erlangte er auch dieAnstellung als
Domchoralist, die er bis zu seinemTod innehatte.215
Weindl hinterließ inderSammlung eineHandvoll klei-
nerer kirchlicherWerke216, die durchgehend seinem
Aufgabenbereich als Stadtpfarrchorregent zuzurech-
nen sind. Ein beträchtlicherTeil derMusikalien aus
dem BesitzWeindls wurde 1843 von seinerWitwe
an denDommusikverein undMozarteum verkauft217;
darunter befanden sich lediglich dreiKompositionen
Weindls.218 Für die SammlungDommusikarchiv bzw.
einen darin befindlichenTeilbestand an nicht derKa-
thedralmusik zugehörigenKirchenmusikalien des frü-
hen 19. Jahrhunderts kommtWeindl vor allem als
Schreiber (→ S. 270) großeBedeutung zu.
Westermayer, Johann David (1733–1775), als
TenoristDomchorvikar ab 18.3.1757.219Westermayer
hinterließ imDommusikarchiv achtOffertorien sowie
eine Litanei.Während dieOffertorien durchgehend
für Chor undGeneralbass gesetzt und in den alten
Bestandskatalogen alsRepertoire derDommusik ge-
führt sind, scheint diemitOrchester (inklusiveTrom-
214Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 453–454.
215Ebd., S. 529.
216Deutsche Lieder: A 1641 (Autorschaft unsicher), A 1651,
A 1776,A 1748,Deutsche Litanei: A 1351,möglicherweise
auch dasDeutscheRequiemA1740.
217„Von№66anbis№131 sindmeistenskleinereWerke,die zum
Gebrauche für die anderen Pfarrkirchen den Chorleitern
derselben zugetheilt werden und zu diesemBehufe von der
Wittw:Weindl angekauftworden sind.“Repertorium, S. 56.
218Ebd., S. 65,Nr. 129: a)Missa inEs, b)Adventlied, c) Segen
inEs.
219Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 518. peten undPauken) besetzte, aber ohneChorstimmen
überlieferte Litanei (A 1263) in einemanderenAuf-
führungskontextVerwendung gefunden zu haben; sie
befand sichwie einigeweitere der hier überlieferten
Werke „in usumJacobi Seelos“.Westermayer könnte
identisch sein mit Schreiber 175, aus dessen Hand
zwei seinerWerke überliefert sind.
Widmann, JohannEvangelist (ca. 1760–1802),
warzunächstOrganist inSt.Peter,dann1797bis1802
Stadtpfarrorganist inSalzburg(vgl.S.88ff.).Von ihm
sind zwei deutsche Litaneyen und einige geistliche
Gesänge erhalten, die vermutlich demRepertoire der
Stadtpfarrmusikanten zuzuordnen sind.
Wölfl, Joseph (1773–1812), wurde als Sohn des
SalzburgerBeamten und späteren Spitalsverwalters
JohannPaulWölfl und seiner FrauTheresia geboren.
ErwarKlavierschülerMariaAnna undLeopoldMo-
zarts undwurde vermutlich auch vonMichael Haydn
unterrichtet. 1783 bis 1786 war er Schüler amKa-
pellhaus, danach studierte er 1786 bis 1788 an der
SalzburgerBenediktineruniversität.1790 folgteer laut
seinenBiographenW.A.Mozart nachWienundwur-
devondiesemalsKlavierlehrerandenFürstenMichal
KelofasOgínski (1765–1833) empfohlen.Nach einer
Zeit inWarschau war er ab 1795 zurück inWien,
wo er zahlreiche Opern schrieb und als Pianist un-
ter anderem in einemWettspielmit L.v. Beethoven
reussierte.Ab 1799war er als konzertierenderPianist
aufReisen.Nach einemAufenthalt in Paris wurde er
1805 in London sesshaft und feierte dort weiterhin
Erfolge als Pianist, Komponist und einflussreicher
Klavierlehrer. 1812 starb er in seinerWohnung in der
GreatMarylebone Street in London.220DasDommu-
sikarchiv besitzt seine einzigeDeutsche Litanei op. 1
in derAbschrift des StadtpfarrchorregentenFranz de
Paula JosephWeindl (1743–1812) (A 1689) und ein
Salve Regina (Gr 431).
220Haider-Dechant,Margit; Joseph-Wölfl-Gesellschaft,
Internationale (Hrsg.): JosephWölfl. Verzeichnis seiner
Werke,Wien:ApollonMusikoffizinAustria 2011, S. XVIII–
XLI.
369
Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur