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Das Theaterboskett im Großen Garten Hannover-Herrenhausen
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Für das Gesamtkonzept der Umgestaltungen der 1930er und 1950er/60er Jahre im
Großen Garten sind die Veränderungen im Theaterboskett mit Königsbusch kein we-
sentlicher, unverzichtbarer Schwerpunkt. Er ist Einzelraum wie die übrigen umgestal-
teten Gartenbereiche innerhalb der erhaltenen Grundstruktur des Großen Gartens. Nur
die Höhengliederungen der Einfassungshecken und die Bäume mit kastenförmigen
Kronenformen als Hochhecken unterliegen seit 1936/37 und den 1950er/60er Jahren
einer einheitlichen Gesamtwirkung im nördlichen Großen Garten, besonders als Rah-
mung des Parterres.
Die Untersuchungen von Rudolf Meyer (1934) sowie Dieter Hennebo und Erika
Schmidt (1978) und die Studie zur Geschichte und historischen Zuordnung des Be-
stands von Heike Palm (2007) haben die herausragende Bedeutung des Theaterbosketts
in der Gartenkunstgeschichte und seine Wirkung über die Grenzen Hannovers hinaus
für die Entwicklung des Typus Heckentheater dargestellt. Wesentliche Raumwirkun-
gen der ursprünglichen barocken Gestaltung sind heute nicht mehr vorhanden und
erlebbar. Jedoch sind im Gegensatz zu anderen in den 1930er und 1950er/60er Jahren
umgestalteten Einzelräumen des Großen Gartens im Theaterboskett noch wesentliche
Elemente der ursprünglichen barocken Gestaltung erhalten. Diese überkommenen In-
halte lassen denkmalpflegerische Maßnahmen am selben Ort schon dem Grunde nach
zu. Aufgrund der herausragenden gestalterischen Qualität und der Bedeutung des The-
aterbosketts sollte dabei der ursprünglichen barocken Gestaltung Vorrang vor den Um-
gestaltungen bzw. Veränderungen des 20. Jahrhunderts gegeben werden.
Vorgaben für ein Entwicklungskonzept
Aus der vorgenannten gartendenkmalpflegerischen Bewertung heraus ist das Ziel zu-
künftiger Planungen und Maßnahmen für das Theaterboskett Hannover-Herrenhau-
sen eine Rückbesinnung auf ursprünglich vorhandene, verloren gegangene Qualitäten,
das heißt eine größtmögliche Annäherung an die barocke Gestaltung bzw. tradierte
Ausführung, die gerade für diesen Gartenbereich sehr gut dokumentiert ist. (Abb. 8)
Schwerpunkte sind dabei die Erlebbarkeit der inneren Raumwirkungen und die wie-
der herzustellende Einbindung des Theaterbosketts in die Grundstruktur des Großen
Gartens unter Beachtung der Gesamtwirkung aus den umgebenden Gartenbereichen
heraus, besonders als Rahmen des westlich angrenzenden Parterres und als Bestand-
teil der Raumfolge der östlichen Boskettzone vom Galeriegebäude bis zum Kreuzbusch.
Leitbild für zukünftige Planungen und Maßnahmen in den baulichen und vegeta-
tiven Elementen sind die oben beschriebenen wesentlichen gestalterischen Merkmale
der ursprünglichen barocken Gestaltung. Dabei ist zu beachten, dass auch im Theater-
boskett die mehrschichtige Entwicklung bis in die heutige Zeit ablesbar sein muss. Es
sollte bei zukünftigen Planungen und Maßnahmen nicht darum gehen, das Theater-
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur