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DER STELLENWERT DES PARMENSER TEATRO FARNESE
IN DER GESCHICHTE
DES HÖFISCHEN MUSIKTHEATERS
Paolo Sanvito
Ne parlò l’Europa tutta, e ne attirò l’attenzione, perché in
questi [spettacoli] raccoglievansi tutte le sparse delizie,
che tanto efficacemente parlano ai sensi.
Marcello Buttigli, Descrittione, Parma 1628
Einleitung – die Ausgangssituation am Ende
des 16. Jahrhunderts
Der Farnese-Papst Paul
III. (1468–1549) hatte für seine Familie aus den Territorien von
Parma und Piacenza 1545 ein neues kleines Herzogtum geschaffen. Parma wurde da-
mit zur Residenzstadt. In Smeraldo Smeraldis († 1634) Pianta di Parma aus den Jahren
1589/92 kann man die ursprüngliche Verteilung der fürstlichen Wohnsitze in Parma vor
dem Bau des Palazzo della Pilotta erkennen (Abb.
1). Die Arbeiten am Pilotta-Palast, be-
nannt nach dem Pelota-Ballspiel, im Nordwesten der Stadt begannen 1602, blieben aber
um 1611 stecken. Ursache war der Tod des leitenden Architekten Simone Moschino aus
Orvieto (1553–1610), der zuvor in Florenz erfolgreich tätig gewesen war. Kurz danach,
um 1612, fand ein Aufstand des Adels gegen die Farnese statt, der blutig niedergeschla-
gen wurde und ohne Folgen für die Herrschaft im Herzogtum blieb, aber für einen
gravierenden Stillstand aller Bautätigkeiten bis 1616 verantwortlich sein dürfte. Nach
den Auseinandersetzungen kam es in einem Zeitraum von nicht einmal zwei Jahren
1618 in kürzester Zeit zum Abschluss der Bauarbeiten an dem Theaterprojekt, umfang-
reiche Planänderungen des Architekten Giovan Battista Aleotti (1546–1636) wurden
dabei berücksichtigt.
Parma und sein Regierungskomplex nehmen unter drei Gesichtspunkten eine Son-
derstellung in der Entwicklung des Theaterbaus ein:
1. wegen des politischen Stellenwertes und Aufwandes des architektonischen Unter-
nehmens (inklusive der umfangreichen bildhauerisch-dekorativen Zyklen);
2. wegen des Anspruchs der theatralischen Werke, die hier in Auftrag gegeben und
aufgeführt wurden; und
3. wegen seiner einzigartigen Rolle in der Entwicklung des Bühnenbilds.
Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen
Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019.
DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur