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Der Stellenwert des Parmenser Teatro Farnese in der Geschichte des höfischen Musiktheaters
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der Widmung seine enge Bindung und Treue sowohl zu den Parmenser als auch zu den
kaiserlichen Herrschern unter Beweis.
Bei der Inszenierung des entscheidenden Torneo di Mercurio e Marte (Libretto:
Claudio Achillini, Druck: Viotti 1628) waren allerdings bereits alle Feinheiten der Büh-
nentechnik zur Anwendung gekommen und boten einen Vorgeschmack auf das, was
in den folgenden zwei Jahrhunderten an den Opernhäusern und Theatern Europas ge-
boten werden sollte. Bedauerlicherweise hat sich von den drei unterschiedlichen, sich
wandelnden Bühnenbildern nur eine spärliche bildliche Dokumentation erhalten:27
1. Eine Meeresszene im Prolog des Werkes für den Auftritt des Verteidigers, die sich in
die Stadt Knidos verwandelt haben soll.
2. Eine Ebene mit acht Hügeln, die sich allmählich in eine Vedute der Elysischen Felder
verwandelte, um dann dem quadro mit der tartarea scena, einem Höllensumpf (ver-
mutlich des Styx), zu weichen.
3. Eine Waldszenerie (scena boscareccia) an den Hängen des Ätnas für die comparsa des
dritten Quadretto.
Einzig die Knidosdarstellung ist signiert und zwar von Girolamo Rainaldi (1579–1655).28
Für alle anderen gibt es nur unzuverlässige Autorschaften. Es ist möglich, dass der wei-
tere Entwurf einer Höllenszene aus dem Nachlass Aleottis, der zusammen mit einigen
anderen Entwürfen in der Biblioteca Ariostea zu Ferrara aufbewahrt wird, eine Dar-
stellung der zweiten Szene (oder eines Teils von ihr) ist. Bei Rapp findet sich die Be-
schreibung: »Oben schlagen Flammen aus dem ruinösen Bauwerk. Auf der Rückseite
liest man die Bezeichnung: ›M[an]º manca. Tellaro I‹« (»linke Seite, Bühnenbild
I«).29
Ansonsten sind die in der Ariostea aufbewahrten Zeichnungen sehr detailliert aus-
geführt, gehören manchmal sogar zum Endstadium der Planung; anzuführen ist die
Zeichnung, die viele Forscher schon als »preliminare« (Abb. 12) bezeichnet haben.30
Aufschluss über die Anforderungen an die Maschinen geben neben den Zeichnungen
die Worte Aleottis in einem Brief vom 18.
März 1618: »Fu posto al suo luogo il modello
della machina del Mercurio, la quale fa l’effetto desiderato; fu anco aggiustata la ma-
china dell’Aurora, et furono posti in opera alcuni di quei tellari, che dovranno fare le
27 Siehe dazu Buttigli 1628, S. 269.
28 Mamczarz 1988, S. 183. Weder im AKL noch im Grove ist ein Eintrag zu seiner Person vorhanden.
Bei Scherf geht es allerdings einzig um Girolamo Rainaldi; sein Sohn Carlo, der zu der Zeit 17 Jahre
alt gewesen wäre (1611–1691) ist zu Recht nie erwähnt (s. ad vocem: Marchegiani, Cristiano, in
AKL online: ThB XXVII, 1933, S. 579; https://www-1degruyter-1com-10072a6670a6c.erf.sbb.spk-berlin.
de/view/AKL/_00135775?rskey=N8U30i&result=1&dbq_0=%22Rainaldi%2C+Carlo%22&dbf_0=akl-
name&dbt_0=name&o_0=AND, [letzter Zugriff am 16.10.18]).
29 Rapp 1933, S. 82.
30 Ferrara, Biblioteca Ariostea, Ms. Antonelli, classe I, 763, f. 162; Ansicht im Schnitt auf f. 165 (beide da-
tiert 1617).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur