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Barockes Kulissen- und Maschinentheater
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voneinander entfernt an, einen halben Fuß innerhalb des Spaltes. Man zündet sie an und
stellt einen Mann an jeden Blitz, falls es mehrere sind. Dieser muß das bewegliche Brett
in der Hand halten. Wenn der Blitz kommen soll, gibt er zwei oder drei schnelle Stöße,
so daß sich der Spalt drei Finger breit öffnet; dann läßt er schnell das Brett los, damit es
sich mit dem andern vereinigt und der Blitz nicht mehr erscheint. Auf die Art können
mehrere, große oder kleine, gemacht werden, wie man es wünscht.«31
Es gab aber auch andere Möglichkeiten zur Produktion von Blitzen, etwa, indem man
eine Schale verwendete, in der sich explosionsartig verbrennende Blütenstände befan-
den. Durch ein Loch in der Mitte der Schale wurde eine brennende Fackel rasch nach
unten gezogen, wodurch sich die Blütenstände entzündeten und den gewünschten Ef-
fekt erzielten. Auf ähnliche Weise ließ sich nach Sabbattini auch »eine Hölle darstellen«:
»Diese besteht nämlich darin, daß man in der Mitte der Bühne eine Versenkung macht,
die sehr groß sein muß. Wenn man dann die Hölle erscheinen lassen will, läßt man be-
sagte Versenkung oder Tür auf die Art öffnen, wie in Kapitel XVII gesagt wurde, näm-
lich, daß unter der Bühne zu beiden Seiten jener Tür vier Männer stehen, einer an jeder
Ecke, und zwar müssen es tüchtige und ehrgeizige Männer sein. Jeder von ihnen muß
einen Topf oder einen kleinen Kochtopf in der Hand halten, der am Boden ein Loch hat,
so groß, daß eine Fackel hindurchgeht. Hat man dies gemacht, so nimmt man Fackeln,
die mindestens einen Fuß lang sind, und steckt durch jeden Topf eine hindurch. Sie wird
durch die Öffnung desselben hervorstehen, und der übrige Teil, der unter dem Boden
bleibt, dient als Handgriff, um von dem Manne, der zu diesem Zweck beschäftigt ist, in
den Händen gehalten zu werden. Alsdann wird man den Topf mit gut gepulvertem Harz
füllen, und die Öffnung wird mit dickem Papier bedeckt, in das man viele kleine Löcher
sticht; aber das Loch, durch das die Fackel hindurchgeht, darf weder größer, noch kleiner
als diese sein, und unten am Grunde, um die Fackel herum, verklebt man es mit Wachs,
so daß das Harz nicht heraus kann; und das gleiche geschieht mit jeder andern Fackel
durch die andern Männer.
Zur Zeit nun, wo die Hölle geöffnet werden soll, müssen besagte Männer an ihren
Plätzen sein, jeder mit angezündeter Fackel, und von Zeit zu Zeit müssen
[sie] durch be-
sagte Öffnung Feuerflammen auf die Bühne stoßen, indem die Töpfe mit Heftigkeit in die
Höhe gehoben werden mit den angezündeten Fackeln, jedoch so, daß sie nicht gesehen
werden und daß sie niemanden verletzen, nicht diejenigen, die tanzen oder Mohrentänze
aufführen, noch die Personen, die in besagte Hölle hineingehen oder herauskommen
müssen. Es ist notwendig, daß man bei diesen Aktionen gut achtgibt, denn es kommen
dabei oft schlimme Unfälle vor. Es sollten eben solche Aktionen nicht von tölpischen oder
dummen Personen ausgeführt werden.«32
31 Sabbattini–Flemming 1926, S. 271–272: Zweites Buch, Kap. LII: Wie man Blitze vortäuschen kann.
32 Ebd., S.
238–239: Zweites Buch, Kap.
XXIII: Eine andere Art, wie man eine Hölle darstellen kann.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur