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Barockes Kulissen- und Maschinentheater
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Die Unmöglichkeit, Licht ohne gleichzeitige Rauchentwicklung zu erzeugen, bedeu-
tete bis zur Einführung der Gasbeleuchtung ein Dauerproblem im Theater. Sabbattini
sprach sich in seinem Handbuch gegen Rampenlichter aus, weil sie einerseits die Kos-
tüme der Schauspieler grell beleuchteten, ihre Gesichter aber totenbleich erscheinen
ließen, und andererseits die zusätzliche Helligkeit durch die Rauchwolke zwischen der
Bühne und den Zuschauern wieder aufgehoben wurde – vom üblen Geruch ganz zu
schweigen:
»Man pflegt auch noch eine große Menge Öllämpchen an der Bühnenfront hinten an der
Rampe anzubringen, […]. Doch ist, wie man zu sagen pflegt, der Verlust größer als der
Gewinn. Man glaubt nämlich die Bühne heller zu machen, bekommt sie aber dunkler und
finsterer. […] Es müssen nämlich in jenen Blendlämpchen sehr viele starke Dochte sein,
wenn sie helleres Licht geben sollen. Setzt man sie aber ein, dann bringen sie so starken
Rauch hervor, daß sich zwischen die Blicke der Zuschauer und die Szene ein Nebel zu
legen scheint, welcher das Unterscheiden der kleineren Teile der Szene hindert. Dazu
kommt noch der üble Geruch, den die Öllampen zu verbreiten pflegen, besonders wenn
sie tief aufgestellt sind. Es ist ja wahr, daß dabei die Kostüme der Schauspieler und Moh-
rentänzer viel besser zu sehen sind, aber es ist auch wahr, daß so ihre Gesichter blaß und
abgezehrt erscheinen, als hätte sie erst vor kurzem das Fieber verlassen. […].«39
Wie die meisten Autoren seiner Zeit plädierte auch Sabbattini für eine Anreicherung
des Öls in den Lampen mit süßem Parfüm:
»Einige gebrauchen Öllampen und andere Kerzen aus weißem Wachs. Was das erste an-
betrifft, so verursachen die Öllampen geringere Kosten, doch machen sie nicht denselben
prächtigen Eindruck wie die Kerzen. Sind indessen die Kronleuchter mit Lampen von
gefälliger Form hergestellt, und bedient man sich nicht schlechten, sondern sehr guten
Öles, das auch mit irgendeinem lieblichen Parfüm gemischt ist, damit es keinen schlech-
ten Geruch verbreitet, so werden sie keinen üblen Anblick gewähren, und die Zuschauer
werden sicher sein, daß ihnen das Wachs der Kerzen nicht auf den Leib tropft. Aber wenn
eine Lampe auslischt (was, wo ihrer so viele sind, leicht geschieht), dann wird sie Gestank
verbreiten zum Verdruß der Zuschauer. […].«40
All diese hier nur knapp skizzierten technischen Gegebenheiten bestimmten ganz we-
sentlich die Aufführungspraxis. Da beispielsweise die Kerzen nur in den Pausen zwi-
schen den Akten gewechselt werden konnten, begrenzte die Dauer ihres Abbrennens
(Kat.-Nrn. I/2.99–2.101); Sommer-Mathis / Franke
/ Risatti 2016, S.
301 (Kat.-Nr.
6.29) und den Beitrag
von Tadeusz Krzeszowiak im vorliegenden Band.
39 Sabbattini-Flemming 1926, S. 212.
40 Ebd., S.
210.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur