Page - 248 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Image of the Page - 248 -
Text of the Page - 248 -
Andrea Sommer-Mathis
248
tierte ihm schon bei seinen ersten großen Inszenierungen von La gara in Wien (1652)
und L’inganno d’Amore in Regensburg (1653) und entwickelte ab 1659 nach dem Tod
des Vaters dessen Stil eigenständig weiter.49
Bühnenausstattung am Wiener Kaiserhof im 17. Jahrhundert:
Giovanni und Lodovico Ottavio Burnacini
An den Szenenbildern der Turnieroper La gara lassen sich noch zahlreiche Ähnlichkei-
ten mit den aus Florenz und Venedig bekannten Bühnendekorationen erkennen.50 Be-
sonders deutlich wird dies an der Darstellung des Musenberges Parnass, der zu einem
der beliebtesten Sujets der Festdekorationen des 17. Jahrhunderts gehörte (Abb. 7).51
La gara wurde im Jahre 1652 aus Anlass der Geburt der spanischen Infantin Margarita
Teresa (1651–1673), der späteren Ehefrau Kaiser Leopolds I. (1640–1705), aufgeführt
und thematisierte den Wettstreit der vier Elemente, wobei im dritten Akt der Oper ein
Fußturnier eingebaut war, das nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum statt-
fand. Dafür rollte man den Thron des Kaiserpaares an die Rückwand des Saales, und
über Laufstege, die von der Bühne ins Parkett führten, traten die Turnierkämpfer auf.
La gara wurde wie die meisten der Opernaufführungen am Kaiserhof im sogenann-
ten Großen Comœdi Sal in der Hofburg aufgeführt, einem Tanzsaal, der 1629 errichtet
und in den folgenden Jahrzehnten mehrmals umgebaut und mit der nötigen Bühnen-
technik für Theaterzwecke adaptiert worden war.52 Für bühnentechnisch aufwändigere
Festinszenierungen aus dynastisch bedeutsamen Anlässen eignete sich aber die relativ
flache Bühne des Großen Comœdi Sals ebenso wenig wie die ad hoc eingerichteten
Bühnen in den Räumen der kaiserlichen Winter- und Sommerpalais. Erst mit dem Bau
des Teatro sulla Cortina (Theater auf der Kurtine) in den Jahren 1665 bis 1668 schuf
Burnacini alle technischen Möglichkeiten für die Gestaltung barocker Theaterfeste von
größten Dimensionen, in denen die gesamte, mittlerweile hoch entwickelte Bühnenma-
schinerie mit Wolken-, Flugmaschinen und Versenkungen zum Einsatz kam.53
49 Vgl. zu den beiden Burnacini und dem Wiener Hoftheater u. a. Biach-Schiffmann 1931; Tintelnot
1939, S. 56–59; Solf 1975; Sommer-Mathis 2000; Hertweck 2011.
50 Vgl. zu La gara Dietrich 1985; Sommer-Mathis 2004a, S.
75–76; Sommer-Mathis 2005, S.
79–80; Som-
mer-Mathis 2006, S.
364–365; Sommer-Mathis 2014; S.
477–478, Sommer-Mathis 2017, S.
12–22 (dort
auch Abbildungen der Szenenstiche und ihrer Entwürfe).
51 Vgl. Sommer-Mathis 1996.
52 Vgl. zum Großen Comœdi Sal u.
a. Sommer-Mathis 2004a, S. 75–76; Sommer-Mathis 2005, S. 78–80;
Sommer-Mathis 2006, S.
362–355; Sommer-Mathis 2014b, S.
474–483; Karner 2014; Sommer-Mathis
2017, 11–22.
53 Vgl. zum Teatro sulla Cortina u. a. Fleischacker 1962; Sommer-Mathis 2004b, S.
93–95; Sommer-Mat-
his 2005, S.
81–83; Sommer-Mathis 2006, S.
368–371; Sommer-Mathis 2010, S.
89–92; Hertweck 2011,
S.
362–405; Sommer-Mathis 2014a; Sommer-Mathis 2017, S. 28–29.
back to the
book Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur