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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 253 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Barockes Kulissen- und Maschinentheater 253 Die Bühnenausstattung am Wiener Kaiserhof im 18. Jahrhundert: Die Familie Galli Bibiena Nachfolger der beiden Burnacini als Theaterarchitekten und Bühnenbildner am Kaiser- hof waren im 18.  Jahrhundert mehrere Mitglieder der berühmten Bologneser Künstler- familie Galli Bibiena.57 Die ersten Repräsentanten, die in Wien tätig wurden, waren die Brüder Francesco (1659–1739) und Ferdinando Galli Bibiena (1657–1743). Sie hatten bereits in den 1680er-Jahren am Hofe der Farnese in Parma und Umgebung mit der neuen Technik der sogenannten Winkelperspektive experimentiert. Die frühen Thea- terentwürfe Ferdinando Galli Bibienas waren zwar noch von der einen unendlichen Tiefe des Hochbarocks bestimmt, zeichneten sich aber bereits durch betonte Asymme- trie aus, was jedoch keine sensationelle Neuerung darstellte, denn schon Künstler wie Bernardo Buontalenti oder seine Nachfolger am Florentiner Hof, Giulio und Alfonso Parigi, hatten versucht, die starren Renaissancedekorationen durch die Verwendung mehrerer Fluchtpunkte zu dynamisieren. Ab etwa 1700 verwendete Ferdinando Galli Bibiena in seinen Entwürfen zuneh- mend Diagonalachsen und -fluchten und lieferte in seinem 1711 in Parma erschie- nenen Traktat L’architettura civile auch die theoretischen Instruktionen dafür.58 Die Diagonalperspektive, deren Fluchtpunkt nicht mehr inner-, sondern außerhalb des Blickfeldes des Zuschauers lag, bezeichnete er als »maniera di veder le scene per an- golo«, als Winkelperspektive. In den Kapiteln 6759 und 6860 des vierten Teiles seines Buches und den entsprechenden Tafeln 22 und 23 gab er die Anleitung für die per- spektivische Gestaltung des Prospekts eines Palasthofs und eines Saales, zwei der wichtigsten Typendekorationen der Barockoper (Abb.  11  a–c). Damit schuf Ferdi- nando Galli Bibiena auch die theoretische Grundlage der Winkelperspektive, welche die Entwicklung der Dekorationskunst des 18.  Jahrhunderts ganz entscheidend be- einflussen sollte. Dass er selbst an diesen Regeln festhielt, zeigt die von ihm autorisierte, fast un- veränderte Neuauflage seiner Architettura civile unter dem Titel Direzioni a’ giovani studenti nel Disegno dell’Architettura civile.61 Den Teil, der sich mit den Anleitungen für die Herstellung von Bühnenbildern beschäftigte, ergänzte er nur um ein Kapitel 57 Vgl. zu den Galli Bibiena vor allem Hyatt Mayor 1945; Hadamowsky 1962; Muraro  /  Povoledo 1970; Müller 1986; Beaumont 1990; Krückmann 1998; Lenzi  /  Bentini 2000; Gallingani 2002; zur Wiener Tätigkeit der Galli Bibiena auch Frank 2000; Frank 2016. 58 Galli Bibiena 1711. 59 Galli Bibiena 1711, S.  137: »Operazione Sessagesimasettima: Per disegnare le scene vedute per angolo, e prima di quelle d’un Cortile.« 60 Galli Bibiena 1711, S.  139: »Operazione Sessagesimaottava: Per disegnare un’altra Scena d’una Sala, ò Stanza veduta per angolo.« 61 Galli Bibiena 1745.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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